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Die Schlager kehren digital zurück

NDR Plus Die Schlager kehren digital zurück

Die Proteste der Generation 65+ waren erfolgreich: Der Norddeutsche Rundfunk bietet mit NDR Plus nun ein Spezialprogramm für Schlagermusik an. Zumindest musikalisch erinnert es an die gute alte Zeit.

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Ob Howard Carpendale, Roland Kaiser oder Katja Ebstein: Der NDR verschafft immergrünen Schlagern rund um die Uhr Gehör.

Quelle: Fotomontage: Charlayne Querner

Kiel/Hamburg. Früher war die Radiowelt noch in Ordnung: Die Jüngeren hörten RSH oder Delta, die Älteren NDR 1 Welle Nord. Dort liefen Schlager, Oldies und Volksmusik rund um die Uhr – bis die Programmverantwortlichen in Kiel am Musikprogramm schraubten und nachhaltig auf Verjüngung setzten. Die Generation 65+ war mit ihren akustischen Vorlieben plötzlich heimatlos, der Protest war entsprechend groß und letztlich erfolgreich: Mit NDR Plus gibt es jetzt ein Programm, das zumindest musikalisch an die gute alte Zeit erinnert.

Vicky Leandros, Christian Anders, Manuela oder Engelbert: Seit Anfang der 2010er-Jahre verschwanden Schlagersänger mit ihren Hits nach und nach aus den Programmen der regionalen NDR1-Wellen. Mecklenburg-Vorpommern fing an, es folgten Schleswig-Holstein, Hamburg und zuletzt Niedersachsen. „Die musikalischen Vorlieben der Menschen haben sich verändert“, sagt Michael Plöger von der NDR-Programmdirektion in Hamburg. Hörer, die heute 50, 60 oder 70 Jahre alt seien, hätten andere Ansprüche an die Musikauswahl als noch vor zehn oder 20 Jahren. Waren es damals zumeist deutschsprachige Schlager, internationale Balladen oder Instrumental-Stücke, die in der Hörergunst ganz oben standen, seien es heute Klassiker von den Beatles oder Elvis, aber auch Oldies der Siebziger, Achtziger und moderne Popsongs. „Unsere Aufgabe und unser Ziel ist es, die Mehrheit der Bedürfnisse zu bedienen“, argumentiert Plöger.

Das Beste der vergangenen fünf Jahrzehnte

Die Veränderungen blieben nicht unbemerkt: Von der nicht abebbenden Empörung der reiferen Hörerschaft, die sogar Klagen gegen den Schlager-Boykott planten und Initiativen gegen die Programmreformen gründeten, wurden die NDR-Verantwortlichen offenkundig überrascht. Und auch wenn sie es nicht zugeben wollen, so haben sich die öffentlich-rechtlichen Radiomacher final dem Druck ihrer vielleicht treuesten Hörerschaft gebeugt. Im Sommer ging NDR Plus auf Sendung. Das Programm: Nachrichten, Wetter, Verkehr – und Schlager, Schlager, Schlager. Offiziell nennt sich dies ein „melodisches deutschsprachiges Musikprogramm“. Gespielt wird das Beste der vergangenen fünf Jahrzehnte – von Ernst Mosch bis Helene Fischer ist alles mit dabei. „Komplettiert wird das Angebot durch einige internationale Oldies und Instrumentals“, berichtet Plöger. Und die Resonanz? „Die ist durchweg positiv, wir bekommen sehr viele Reaktionen von Hörern“, fasst der Leiter der Zentralen Programmaufgaben beim NDR zusammen.

Das einzige Manko ist: Mit Ausnahme weniger aufgezeichneter Wortbeiträge wird das Programm nicht live moderiert. Und anders als die klassischen Programme ist NDR Plus nur per Digitalradio zu empfangen. „Die Verbreitung des Angebots über UKW ist gedeckelt, so dass wir unseren bisherigen digitalen UKW-Sender NDR Traffic – einem reinen Ansagedienst von Verkehrsmeldungen – eingestellt haben und diesen digitalen Kanal seither für das neue Angebot nutzen“, so der Radiomacher. Für die Schlagerfans bedeutet dies: Wer kein Smartphone besitzt und die NDR-App installiert hat oder via Internet am Computer NDR Plus hören kann, der muss in ein neues Digitalradio investieren.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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