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Alles wird besser, aber nicht günstiger

Nahverkehr in SH Alles wird besser, aber nicht günstiger

Schleswig-Holstein hat bis 2031 für den öffentlichen Nahverkehr jedes Jahr 30 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Günstiger wird es deshalb trotzdem nicht unbedingt.

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Schleswig-Holstein hat bis 2031 für den öffentlichen Nahverkehr jedes Jahr 30 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.

Quelle: dpa (Archiv)

Kiel. Die Summe von insgesamt mehr als einer halben Milliarde Euro stammt aus Regionalisierungsmitteln des Bundes und verhilft dem Norden nach Einschätzung des Kieler Verkehrsministers Reinhard Meyer (SPD) zu einem „großen Qualitätssprung“.

Investiert werden soll in die Pünktlichkeit der Züge und mehr Komfort, in den Ausbau von Bus- und Bahnstrecken sowie in ein einheitliches Tarifsystem mit Hamburg und dem nördlichen Niedersachsen. Günstiger für die Fahrgäste werde es aber nicht, sagte Meyer am Freitag.

Ein Drittel der Mittel soll in mehr Komfort und die Nutzung alternativer Energien fließen. „Wir wollen WLAN in Zügen flächendeckend einführen“, versprach der Minister. Auch gehe es um elektronische und mobile Tickets: Künftig solle es möglich sein, dass die Fahrtkosten mittels einer Handy-App automatisch abgebucht werden. Das digitale Buchungssystem registriert, wo der Gast ein- und aussteigt, und wählt automatisch den günstigsten Tarif. Investiert werde auch in die Barrierefreiheit auf den Bahnhöfen Pinneberg, Tönning und Gettorf. Letzterer soll nach Ministeriumsangaben 2018 umgebaut werden.

Darüber hinaus hält die Energiewende auch im Nahverkehr Einzug, stellte Meyer fest. Es gehe bei Bussen um Elektrobetrieb statt Diesel, aber auch um Speichermodule aus Energien wie Wind und Wasserstoff. Applaus erhielt der SPD-Minister von den Grünen. „Es kann nicht sein, dass ausgerechnet das Land der Energiewende die meisten Dieselstinker auf der Schiene fährt“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Andreas Tietze.

Angebotsverbesserungen angekündigt

Das zweite Drittel dient neuen Projekten. Neben der bereits beschlossenen Reaktivierung des Hein Schönbergs zwischen Kiel und Schönberger Strand geht es um den Ausbau der Strecken Wrist-Kellinghusen und Geesthacht-Nettelnburg. Geesthacht sei die größte Stadt des Landes ohne Anschluss an den Schienennahverkehr, sagte Meyer. Ein wesentlicher Akzent liege auch auf den geplanten S-Bahn-Verbindungen der Linie S21 von Hamburg nach Kaltenkirchen und der Linie S4 Ost von Hamburg nach Bad Oldesloe. An der Westküste soll ein neuer Schnellbus zwischen Itzehoe und Brunsbüttel fahren. Meyer kündigte auch für bestehende Strecken Angebotsverbesserungen an. Es gehe um beschleunigte Regionalbahnverbindungen von Kiel nach Lübeck, wo Züge im Halbstundentakt fahren sollen. Zwischen Kiel und Preetz werde zudem stündlich eine zusätzliche Regionalbahn eingesetzt, die neue Haltepunkte bedient. Meyer sprach vom Wunsch der Gemeinden vor Ort. „Damit nehmen wir Abstand von einem Ausbau der Strecke.“

Ein Sechstel der Mittel wird ab 2018 den Kommunen zur Verfügung gestellt, um den Busverkehr zu stärken – allerdings nicht automatisch. Meyer betonte, dass sein Ministerium bewusst Anreize setze: Sobald die Kreise zusätzliches Geld in die Hand nehmen, gibt es auch aus Kiel mehr Unterstützung.

Fahrpreise seien angemessen

Das letzte Sechstel wird für die künftige Tarifgestaltung benötigt. „Zwar gilt der Schleswig-Holstein-Tarif schon seit 2005 im ganzen Land und auch in Hamburg. Fahrgäste nehmen aber immer noch Tarifgrenzen wahr“, bemängelte der Verkehrsminister. Es gebe manche Ungereimtheit, und politisches Ziel sei es weiterhin, das ganze Land einzubeziehen. Meyer sprach von einem einheitlichen Tarif von Flensburg bis Lüneburg und Cuxhaven in Niedersachsen. „Das ist norddeutsch denken und norddeutsch handeln.“ Nötig sind nach seinen Angaben auch weitere Angebote, die sich an bestimmte Zielgruppen richten. Dazu gehörten unter anderem eine 9-Uhr-Zeitkarte außerhalb des Berufspendlerstroms und ein landesweites Semesterticket.

Meyer räumte auf Nachfrage ein, dass sich die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs nicht zuletzt über den Fahrpreis definiert. In einem Flächenland wie Schleswig-Holstein werde jedoch nur die Hälfte der Kosten über den Kartenverkauf finanziert, der Rest sei schon jetzt öffentliche Subvention. Sein Ministerium orientiere sich an bundesweiten Vergleichen. Die aktuellen Fahrpreise hält man für angemessen.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Christian Hiersemenzel zum Nahverkehr in SH

Jedes Jahr 30 Millionen Euro mehr klingt nach einem Füllhorn. Am Ende aber ist diese Summe schnell ausgegeben. Schon jetzt steht fest: SPD-Verkehrsminister Reinhard Meyer wird nicht jeden Wunsch erfüllen können – so sehr er sich auch bemüht hat, alle Regionen zu berücksichtigen.

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