21 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Pralle Schöpfung erfreut die Sinne

Naturpark Aukrug Pralle Schöpfung erfreut die Sinne

Das ganze Leben soll sich im Kräutergarten Altenjahn spiegeln – mit Heilpflanzen, Stauden, Rosen, seltenen Nutzpflanzen, Naturteich und lauschigen Plätzen. Sinnsprüche, alte Landwirtschaftsgeräte und dekorative Objekte vollenden das blühende Gesamtkunstwerk im Naturpark Aukrug.

Voriger Artikel
Lübecker Helfer in der Grauzone
Nächster Artikel
Ausschuss nimmt Arbeit auf

Sie schuf einen Garten mit Seele und voller Überraschungen: Traute Struve in ihrem Kräutergarten Altenjahn.

Quelle: Joachim Welding

Aukrug. „Der Weg ist das Ziel“ steht da unten im Pflaster, das sich kurvenreich zwischen gelb und blau blühenden Schönheiten schlängelt. Vorbei am alten Hühnerstall, in dem Besucher innehalten oder ihre Brotzeit genießen können. Dahinter leuchtet es bordeauxfarben: der Zaubergarten mit Silberkerze und Eisenkraut. „Man betritt einen Garten mit dem Herzen zuerst“, sagt Traute Struve und meint damit ihr Lebenswerk gleich gegenüber vom Familien-Bauernhof: „Auf einer leeren Koppel habe ich 2006 angefangen, zuerst mit mediterranen Pflanzen: Lavendel zur Beruhigung, Ysop zur Reinigung und Rosmarin zur Kräftigung“, erzählt die Gastgeberin, die den Besuchern gerne ihren persönlichen Garten Eden zeigt. Wer will, darf auch auf eigene Faust durch das duftende Labyrinth streifen.

 Dieser Garten des Lebens kann unmöglich geometrisch angelegt sein. Wer auf den kurvigen Wegen hindurchschlendert, entdeckt immer wieder neue Themengärten, lauschige Plätzchen mit Bänken oder Unterständen. Überraschungen sind Programm: mal sind es wilde Beete, mal ein Barfußpfad durch ein fast raumhoch blühendes Blumenfeld und dann ein glasbesetztes Holzfenster am Beet mit diesem Sinnspruch: „Wie viele Male schaut der Wille durchs Fenster, ehe die Tat durchs Tor geht.“ Stück für Stück, Beet für Beet hat Traute Struve ihr Reich über die Jahre erweitert.

 „Wer einen geschniegelten Ziergarten erwartet, wird hier nicht glücklich“, stellt die Kräuterkennerin gleich klar. „Hier können Pflanzen verwelken, ohne dass sie gleich aussortiert werden. Auch das gehört zum Kreislauf des Lebens dazu. Und Raupen dürfen bei mir ruhig Blätter fressen – sonst gäbe es ja keine Schmetterlinge.“ Stolz erzählt die Gartenschöpferin von einem Insektenkenner, der die Vielfalt dokumentiert hat: „Allein acht Hummelarten kommen hier vor.“ Unzählige Schmetterlinge und Bienen flattern von Blüte zu Blüte, farbenfrohe Libellen surren vorbei, Vögel zwitschern um die Wette. Und als hätte er’s vernommen, taucht am Himmel überm Garten ein imposanter Seeadler auf. „Er kreist hier gern auf der Suche nach Nahrung“, erklärt Traute Struve.

Gartenglück auf 5000 Quadratmeter

 Wie schafft es eine Landwirtin, Hausfrau, Mutter und Großmutter, dieses Gartenglück auf 5000 Quadratmeter zu pflegen? „Ich sage mir nie: Ich muss. Für mich ist es keine Pflicht, sondern ein Geschenk: Ich darf diesen Garten gestalten und erhalten“, erzählt die 53-Jährige gelassen. Wenn sie einmal Hilfe braucht, ist ihre Familie zur Stelle – zumal auch ihre Mutter und ihre Tochter über dieses gewisse „Garten-Gen“ verfügen. Die Kräuterfrauen wissen alles über die Heilkraft, die Aromen und die Zubereitung der uralten Gewächse. Wer will, darf kosten – die Blätter und manchmal auch die Blüten. Im Goethegarten etwa geht es um des Dichters Lieblingsspeise: die grüne Soße, die er in einem Gedicht beschrieben hat. „Dazu gehören Schnittlauch, Pimpinelle, Sauerampfer und vier weitere Kräuter“, erzählt Traute Struve, während sie aromatisch duftende Blätter für den Schnuppertest abzupft und zwischen den Fingern zerreibt.

 Wenn Kindergartenkinder kommen, dürfen sie gleich ihre fünf Sinne schärfen. Denn es duftet und mundet nicht nur. Dieser Garten ist sogar Musik in den Ohren der Besucher: Metallstangen mit unterschiedlichen Längen werden mit einem Holzklöppel zum Klingen gebracht, was sogar die Vögel in der Umgebung beeindruckt: Sie unterbrechen das Zwitschern mal kurz. Ganz oben am Hang gleich neben dem kleinen Teich mit den schattenspendenden Bäumen summt es bienenmäßig. Ein Barfußpfad mit unterschiedlichen Bodenbelägen spricht den Tastsinn der Fußsohlen an. Und hier gedeihen auch die leckersten Bio-Zutaten, die Familie Struve für die täglichen Mahlzeiten erntet: Dill, Porree, rote Kartoffeln, blaue Erbsen, Johannisbeeren, Kürbis.

 Und weil es sich um das pralle Leben handelt, versinkt dieser Garten nie im Winterschlaf. „Die verschiedenen Pflanzen blühen fast das ganze Jahr hindurch.“ In dieser Beziehung gehört die himmelblaue Wegwarte übrigens zu den faszinierendsten Pflanzen: In mittelalterlichen Mythen soll das Kraut nicht nur Liebeszauberkräfte besitzen und Heilwirkung entfalten. „Das Besondere an ihr ist: Die Wegwarte öffnet ihre Blüten jeden Tag nur von 8 bis 16 Uhr“, erklärt Traute Struve. Auf dass Mensch, Pflanze und Tier hier gedeihen, gilt: „Leben, Lieben, Lachen, Licht!“

 Gut zu wissen

  Kräutergarten Altenjahn : Altenjahn 4, 24594 Grauel, Tel. 04871/8103.

 Geöffnet: Mai-September täglich 9-18 Uhr

 Eintritt: 3 Euro, Führungen auf Anfrage, kostenloser Parkplatz, keine Hunde

 Themengärten: Apothekergarten, Duftgarten, Rosengarten, Bauerngarten, Zaubergarten, Zitronengarten, Rittergarten, Naschgarten, Fledermausgarten, Goethe-Garten, große Kräuterspirale, Hochbeet und Naturteich mit Pflanzen des Landfrauenprojekts „60 Jahre 60 Pflanzen“

 Am Wegesrand

  Skulpturenpark Nortorf : Den Stadtpark von Nortorf bereichern 22 Skulpturen namhafter schleswig-holsteinischer Künstler. Die Kunstwerke verbinden sich gezielt mit der Flora des Landschaftsparks zu harmonischen Bildern. Im Herbst beeindruckt der Stadtpark mit einem Meer aus rotgelben Blättern. Adresse: Parkstraße/Timm-Kröger-Straße, 24589 Nortorf, Park ganzjährig frei zugänglich, Führungen für Gruppen nach Vereinbarung: Tel. 04392/2159; www.amt-nortorfer-land.de/skulpturenpark.html

  Waldpark Wilhelmshain : Am Ortseingang von Hanerau-Hademarschen strahlt das Herrenhaus von 1835 über den Mühlenteich. Durch den zum Gut gehörenden Waldpark führen schöne Spazierwege zu alten Kaskaden, Lichtungen oder Grotten. Der Waldpark gilt als erster Volksgarten des Landes. Eine Bronzeplastik zeigt den Dichter Theodor Storm, der im Park gerne spazieren ging. Adresse: Gut Hanerau 1, 25557 Hanerau-Hademarschen, Waldpark und Herrnhuter Friedhof frei zugänglich, Herrenhaus privat, Café „Alte Scheune“ geöffnet bis 30. Sept. So 14.30-17 Uhr, Führungen: Tel. 04872 – 2291

Voriger Artikel
Nächster Artikel
THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3