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Polizei rollt alte Mordfälle wieder auf

Neue Ermittlungsgruppe Polizei rollt alte Mordfälle wieder auf

Mit den ersten sechs Fällen hat eine neue Ermittlungsgruppe der Hamburger Polizei ihre Arbeit an ungelösten Kapitalverbrechen begonnen. „Bei uns haben Tote eine Lobby“, sagte Frank-Martin Heise, der Chef des Landeskriminalamtes (LKA), am Dienstag in der Hansestadt.

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Fotos und Hinweise eines Verbrechens aus dem Jahre 1975.

Quelle: Daniel Reinhardt (dpa)

Hamburg. Er hat die neue Ermittlungseinheit mit vier Kriminalbeamten vor einem halben Jahr eingerichtet. „Mord verjährt nicht“, sagte Heise. „Wer einen Menschen ermordet hat, soll sich niemals sicher sein, dass er nicht doch noch zur Verantwortung gezogen wird.“ Zudem könne es auch für die Angehörigen der Opfer eine Entlastung bedeuten, wenn ein Täter nach Jahren oder Jahrzehnten noch ermittelt werden könne.

Die neue Ermittlungseinheit, neudeutsch „Cold Cases Unit“ betitelt, sichtet nun ungelöste Mordfälle bis zurück in die 1950er Jahre, die neu bearbeitet werden. Um wie viele Fälle es sich möglicherweise handelt, konnte die Polizei nicht sagen. Jedes Jahr werden bundesweit rund 300 Todesfälle als Mord eingeschätzt. Die Taten werden zu 95 Prozent aufgeklärt, doch zehn bis 20 Fälle bleiben ungelöst. Als „cold cases“ (kalte Fälle) werden Schwerverbrechen bezeichnet, die nach einem Jahr noch nicht aufgeklärt sind.

"Zeit legt auch Spuren frei"

Die Polizei setzt bei den neuen Ermittlungen darauf, dass einerseits noch einmal neue Aussagen und Spuren auftauchen können. „Zeit verdeckt nicht nur Spuren, Zeit legt auch Spuren frei“, sagte der Leiter der Ermittlungsgruppe, Steven Baack. So könnten sich Zeugen äußern, die vor Jahren aus verschiedenen Gründen geschwiegen oder denen die Täter zwischenzeitlich Geheimnisse anvertraut hätten. Zum anderen profitieren die Ermittler von den Fortschritten in der Fallanalyse, der Kriminaltechnik und der Gerichtsmedizin. Auch bereits vorhandene Spuren könnten so zu neuen Erkenntnissen führen.

Einer der ersten Fälle konnte bereits gelöst werden. In dem Mordfall von 1978 wurde ein Verdächtiger angeklagt und rechtskräftig freigesprochen, weil er für den damals festgestellten Todeszeitpunkt des Opfers ein Alibi hatte. Eine erneute Untersuchung durch die Rechtsmedizin ergab aber, dass mit den damals verfügbaren Methoden der Todeszeitpunkt nicht korrekt bestimmt werden konnte und der freigesprochene Mann mit hoher Wahrscheinlichkeit der Täter war. Er ist allerdings bereits gestorben.

Das Verschwinden von Hilal Ercan

Weitere Ermittlungen betreffen einen Mordversuch in den Boberger Dünen (Stadtteile Billwerder und Lohbrügge) aus dem Jahr 1975 sowie das ungeklärte Verschwinden der zehnjährigen Hilal Ercan im Januar 1999 in Hamburg. Über die übrigen drei bearbeiteten Fälle wollte die Polizei am Dienstag keine Auskunft erteilen.

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