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Überlebt – dank neuer Therapien

Weltkrebstag Überlebt – dank neuer Therapien

Rainer Zinke bleibt optimistisch. Diese Einstellung hilft ihm seit vielen Jahren, mit einer sehr schweren Krebserkrankung zu leben. „Ohne die neuen Therapien und die Ärzte wäre ich längst nicht mehr auf der Erde“, sagt der 69-Jährige. Mit seiner Geschichte will der Kieler am heutigen Weltkrebstag anderen Mut machen.

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Prof. Dr. Axel Hauschild, stellvertretender Leiter der Hautklinik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, untersucht die große Krebsgeschwulst am Nacken von Rainer Zinke.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Es ist ein kleiner roter Knoten am rechten Ohr, der Rainer Zinke 2007 auffällt. Weil der Knoten schnell größer wird, geht Zinke zum Arzt und lässt die Verhärtung entfernen. „Nie hätte ich gedacht, dass das schwarzer Hautkrebs sein könnte. Das Ding war ja rot. Dementsprechend groß war der Schock, als der Befund kam“, erinnert sich der Kieler.

Der Knoten entpuppt sich als amelanotisches Melanom – eine der gefürchtetsten Hauterkrankungen. „Denn erstens ist es ein bösartiger Tumor, der sehr schnell Metastasen bildet. Zweitens ist er schwierig zu erkennen, weil die charakteristische Pigmentierung fehlt: Er ist eben rötlich, nicht dunkel“, erklärt Prof. Axel Hauschild, der an der Hautklinik des Kieler Universitätsklinikums Rainer Zinke seither behandelt.

Der größte Tumor steckt im Bauchraum

In einer Operation werden weiteres Gewebe an Ohr und Hals und die Lymphknoten entfernt in der Hoffnung, Metastasen verhindern zu können. Dann die nächste Enttäuschung: Eine Interferontherapie, die sonst eingesetzt wird, ist bei Rainer Zinke nicht möglich. Denn er leidet auch noch an einer Autoimmunerkrankung der Lunge. Und die würde durch eine Interferontherapie angestachelt. Nach 30 Bestrahlungen kann Rainer Zinke deshalb nur abwarten. Die Hoffnung erfüllt sich nicht. Der Hautkrebs hat bereits gestreut. An Rumpf und Gliedmaßen entwickeln sich harte Stellen, die schnell wachsen. „Hier im Nacken habe ich eine riesige harte Beule bekommen, aber auch am Ellbogen“, sagt Zinke und krempelt den Hemdärmel hoch. Der größte Tumor wird aber im Bauchraum entdeckt: 23 Zentimeter groß. Immer wieder werden die Tumore so weit wie möglich entfernt, dazu Chemotherapien angewendet. Doch es entwickeln sich neue Tumore. Im Laufe der Jahre sind es wohl 15 Stück am gesamten Körper. 2013 scheint man nichts mehr für Rainer Zinke tun zu können. Doch weder er noch sein Arzt geben auf.

Mit Infusionen werden Abwehrzellen scharf gemacht

Denn Prof. Hauschild ist seit Jahren an internationalen Studien zu Melanomen beteiligt. 2011 kommt die Wende: „Wir haben die Tumorbiologie besser verstanden, also wie der Tumor tickt und daraus neue Immuntherapien entwickelt.“ Während die Chemo sich gegen alle wachsenden Zellen richtet, werden jetzt mit Infusionen gezielt die Abwehrzellen scharf gemacht, die dann die Tumorzellen auffressen. 2013 bekommt Rainer Zinke das neu zugelassene Ipilimumab. Kurz danach feiert er Weihnachten. „Das war ein ganz besonderes Fest für meine Frau und mich, weil die Tumore sichtbar kleiner wurden.“

Bald folgt der Rückschlag. Die Therapie hat starke Nebenwirkungen. Eine Darmentzündung schränkt die Lebensqualität massiv ein. Nach drei Infusionen der Abbruch. Wieder kommt Rainer Zinke unters Messer. Währenddessen kämpft das UKSH dafür, eine zweite neue Therapie anwenden zu können: Pembrolizumab heißt das Mittel. Das Problem: Es ist in den USA, aber noch nicht in Deutschland zugelassen. Hauschild kann die Krankenkasse seines Patienten 2014 dazu bewegen, dass er das Mittel importieren und bei Rainer Zinke einsetzen kann, bevor es im Sommer 2015 auch hierzulande auf den Markt kommt.

Die Tumore werden kleiner

Seither erhält Rainer Zinke alle drei Wochen eine Infusion. „Ich habe fürchterliches Hautjucken als einzige relevante Nebenwirkung, aber dank einer Lichttherapie kann ich das ertragen“, sagt er. Denn die Immuntherapie wirkt: Die Tumore werden kleiner. „Nach der letzten Untersuchung konnte der Radiologe nicht einmal mehr sicher sagen, ob von dem großen Tumor in der Bauchhöhle überhaupt noch etwas da ist“, sagt Hauschild. Ein ungeheurer Erfolg.

„Das Ziel von uns Ärzten ist immer die Heilung. Aber Herrn Zinke musste ich sagen, dass es hier um ein Weiterleben mit guter Lebensqualität geht. Er hat mir seine eigene Zielvorgabe gemacht und gesagt: ’Ich will meinen 70. Geburtstag feiern’“, sagt Hauschild. Dieses Ziel ist in Kürze erreicht. Rainer Zinke hat sich schon das nächste Ziel vorgenommen: die goldene Hochzeit 2018.

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