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Nichts gegen die gute, alte Langeweile

Schulferien Nichts gegen die gute, alte Langeweile

„Mir ist langweilig“: Ein Satz, den viele Eltern in den Ferien immer wieder von ihren Kindern hören. Bemüht machen sie dann unzählige Vorschläge, was die Kinder alles tun könnten. Dabei ist es gar nicht schlimm, wenn Kinder und Jugendliche sich auch mal langweilen und einmal nichts tun.

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Johanna, Fanny, Lena, Cathleen, Amelie und Helen (v.l.) aus Kiel behaupten, dass ihnen in den Ferien nie langweilig ist – weil sie sich immer mit Freunden treffen.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. „Langeweile sollte auch mal bewusst herbeigeführt werden“, sagt Professor Ulrich Reinhardt, Leiter der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen.  In den vergangenen 30 Jahren habe sich das Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen fundamental verändert, sagt Reinhardt. Kinder und Jugendliche hätten inzwischen unzählige Möglichkeiten, sich zu beschäftigen, habe es beispielsweise 1980 noch 45 verschiedene Sportarten gegeben, gebe es mittlerweile 312, aus denen man wählen könnte. Auch durch das Internet und Smartphones hat sich das Freizeitangebot vergrößert. „Im Vergleich zu den 70er- oder 80er-Jahren haben sich die Freizeitmöglichkeiten heute deutlich ausdifferenziert. Auch die Dauer, mit der sich Kinder und Jugendliche mit einer Sache beschäftigen, hat sich deutlich verändert. Heute wird im Durchschnitt im Zwei-Stunden-Rhythmus die Tätigkeit gewechselt oder sogar vieles gleichzeitig gemacht. Viele haben ein Problem, sich auf eine Sache einzulassen“, sagt Reinhardt.

 Deshalb sei es wichtig, auch mal weniger anzubieten und Langeweile zu unterstützen. „Langeweile fördert die Kreativität und das soziale Miteinander“, erzählt der Zukunftsforscher. Noch vor 30 Jahren seien Kinder und Jugendliche, wenn sie sich langweilten einfach rausgegangen, hätten bei Freunden geklingelt oder alleine im Wald gespielt. Heute würde es Kindern und Jugendlichen schwerfallen, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Sie würden viel zu schnell Google befragen, wenn sie mal nichts zu tun haben, sagt Reinhardt. „Wenn Kinder und Jugendliche sich überlegen sollen, was man am Wochenende machen könnte, gehen sie wahrscheinlich ins Internet und gucken dort nach, was es für Tipps für das Wochenende gibt. Sie überlegen nicht mehr, was sie selbst eigentlich machen wollen. Sie orientieren sich nicht an ihren eigenen Bedürfnissen.“

 Das habe zum einen damit zu tun, dass es für viele wichtig sei, ihren Freunden am Montag ein interessantes Wochenendprogramm präsentieren zu können. Zum anderen hätte es aber auch mit den Eltern zu tun, die ihren Kindern häufig viele Entscheidungen abnehmen, sagt der Experte.

 Reinhardt rät Eltern daher, den Kindern den Raum zu geben, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört auch, dass sie auch oder gerade in den Ferien auch mal ihre Ruhe haben – und sich vielleicht sogar mal richtig langweilen.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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