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Protest gegen Niedrigpreise für Lebensmittel

Nord-Bauern Protest gegen Niedrigpreise für Lebensmittel

Mit einer Aufkleberaktion versuchen Landwirte in Schleswig-Holstein, für die Qualität ihrer Lebensmittel zu werben. „Ich bin mehr wert, als du bezahlen musst“, steht auf insgesamt 20000 Aufklebern, die derzeit auf Milch- und Fleischprodukte in ganz Schleswig-Holstein in Filialen von Aldi, Lidl & Co angebracht werden.

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Für faire Preise: Landwirte kleben ihre Botschaft auch auf Fleischprodukte.

Quelle: Bauernverband

Rendsburg. „Wir wollen mit diesem persönlichen Protest in den Geschäften eine Diskussion im Handel anregen, die über die reine Preisfrage für den Verbraucher hinausgeht“, sagt der Initiator Sönke Hauschild vom Bauernverband Schleswig-Holstein in Rendsburg.

 Der Lebensmittelhandel stehe in der Verantwortung, die Zukunft der Landwirtschaft und den Wert ihrer Produkte mitzugestalten. „Es geht dabei nicht nur um die Milch. 80 Prozent der Fleischprodukte kommen als Sonderangebot ins Regal, der Bauer und seine Leistung fallen hinten runter“, sagt Hauschild. Weitere Aktionen, auch in anderen Bundesländern, seien geplant. „Wir lassen da nicht locker, weil wir immer noch nicht auf Augenhöhe diskutieren.“

 Verständnis für den Protest des Bauernverbandes zeigt Aldi Nord. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte ein Sprecher mit, dass „die Preisbildung des Marktes die hohe Qualität landwirtschaftlicher Erzeugnisse nicht immer angemessen wiedergibt“. Deshalb habe Aldi Anfang Oktober als erster Lebensmitteleinzelhändler die Preise für Butter und Milch erhöht. „Damit reagieren wir auf die derzeit ungewöhnlich schwierige Situation der deutschen Milchbauern“, sagte der Sprecher. Ziel sei es, eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung am Standort Deutschland zu unterstützen.

 Allerdings bilde sich der Einkaufspreis von Milch und weiteren landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus Angebot und Nachfrage auf dem nationalen und internationalen Markt. „Der Lebensmitteleinzelhandel kann diese preisbildenden Faktoren nicht beeinflussen“, betonte der Aldi-Sprecher.

 Für Kirsten Wosnitza vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) ist trotz der jüngsten Anhebung der Milchpreise als Folge der vielen Proteste der Milchbauern die Ursache noch nicht behoben: „In der Krise muss die Milchmenge reguliert werden, sonst können sich viele Landwirte nicht mehr über Wasser halten.“ Bislang fehle eine nachhaltige Lösung, sagt Wosnitza: „Das System muss überdacht werden, Kredite für Landwirte oder eine Verteilung eines Teils der Superabgabe sind nicht die Antwort. Und es ist derzeit einfach zu viel Milch am Markt.“ Der Handel müsse in die Mitverantwortung genommen werden.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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Bauern, die kniehoch in Milchseen stehen, Trecker-Sternfahrten, Aufkleberaktionen: Vielen Landwirten in Schleswig-Holstein steht das Wasser bis zum Hals. Mit ihren zum Teil drastischen Protestaktionen wollen sie dem Handel, aber auch dem Verbraucher zeigen: Wenn die Preise für ihre Produkte im Keller bleiben, stehen gerade viele kleinere Betriebe vor dem Aus.

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