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Kirchengemeinde soll Ort für Integration werden

Nordkirchen-Synode Kirchengemeinde soll Ort für Integration werden

Die Nordkirchen-Synode hat auf ihrer Tagung die Verantwortung ihrer über 1000 Gemeinden für die Flüchtlingsarbeit in den Blick genommen. „Die Ortsgemeinde bietet die Struktur, in der Integration für jene erbracht werden kann, die wir willkommen heißen und die bei uns Schutz suchen“, sagte Landesbischof Gerhard Ulrich.

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Wollen die Gemeinden für Menschen ohne religiöse Zugehörogkeit öffnen: Frank Zabel (v.l.), Gerhard Ulrich, Dr. Andreas Tietze und Dr. Martin Vetter.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck-Travemünde. Zum Abschluss ihrer Tagung bekundeten die 156 Synodalen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern am Sonnabend in einer Erklärung ihre Solidarität mit den Flüchtlingen, verständigten sich auf Eckpunkte zur Zukunft der Ortsgemeinde und verabschiedeten ihr Klimaschutzgesetz.

Die Kirche dürfe sich nicht auf Nothilfe beschränken, sondern müsse auch nach den Ursachen für Flucht und Vertreibung fragen und gegen sie angehen, heißt es in der Erklärung. Deutschland und Europa trügen eine wesentliche Mitschuld daran, dass Menschen ihre Heimat für bessere Lebensperspektiven verließen. „Das Grundrecht auf Asyl ist ein unveräußerliches Menschenrecht.“ Unterschiede zu machen zwischen Flüchtlingen nach Herkunftsländern, widerspreche dem christlichen Menschenbild. Das heiße auch, legale Zuwanderungsmöglichkeiten nach Deutschland zu schaffen. In der Erklärung sprechen sich die Synodalen für Arbeitsvisa und ein Einwanderungsgesetz aus.

Der Landesbischof hatte der Politik bereits zum Auftakt der Tagung angeboten, dass die Nordkirche ihr als kritischer Partner zur Seite stehen werde. Am Sonnabend betonte er, dass die Flüchtlingsfrage eine so große gesellschaftliche Herausforderung sei, dass man sie nur gemeinsam gestalten könne. „Wir stellen unser Netzwerk zur Verfügung.“

In Ihren Eckwerten zur Zukunft der Ortsgemeinde fordert die Synode eine Öffnung gegenüber Menschen „ohne religiöse Zugehörigkeit“. So sollen Schulen und Kitas in evangelischer Trägerschaft zu einem Begegnungsort werden. Ziel sei es, Vorurteile abzubauen und den partnerschaftlichen Dialog zu fördern.

Mit einem Klimaschutzgesetz wollen die Synodalen bis spätestens 2050 die CO2-neutrale Kirche schaffen. Landeskirche und Kirchenkreise verpflichten sich, mindestens 0,8 Prozent der Kirchensteuermittel dafür aufzuwenden.

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) hat auf der Tagung um Unterstützung für seine Flüchtlings- und Integrationspolitik geworben. „Ich wünsche mir Rückenstärkung von meiner Kirche“, sagte er.

„Wir brauchen eine Diskussionskultur. Sie sind die Mittler, die das in wunderbarer Weise können.“ Die Erstaufnahme der Flüchtlinge sei nur der erste Schritt. Die noch größere Herausforderung sei ihre Unterbringung in den Kreisen und die Integration.

Studt hatte auf Einladung von Präses Andreas Tietze am späten Freitagabend mit den Synodalen diskutiert. Der Innenminister knüpfte mit seinen Ausführungen auch an eine Erklärung von Landesbischof Gerhard Ulrich an. „Fürchtet euch nicht“ müsse die Botschaft an die Kirchengemeinden, aber auch an die Politik lauten. „Wir lassen Euch als Politiker nicht allein“, sagte Ulrich.

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Ein Artikel von
Uta Wilke
Redaktion Lokales Kiel/SH

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