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Illegale Fischerei im Fokus

Nord- und Ostsee Illegale Fischerei im Fokus

Schweinswale sind in Nord- und Ostsee heimisch. Doch ihr Bestand ist bedroht, vor allem durch Stellnetze, die illegal aufgestellt werden. In denen verfangen sich die Tiere und sterben. Tierschützer gehen jetzt in der Ostsee auf Patrouille.

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Mit der «Emanuel Bronner» startet Sea Shepherd Deutschland eine Kampagne zum Schutz der Schweinswale in der Ostsee.

Quelle: Carmen Jaspersen/dpa

Bremen/Kiel. Mit ihrem ersten eigenen Schiff will die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd Deutschland Jagd auf illegale Fischerei in Nord- und Ostsee machen. Die Besatzung der „Emanuel Bronner“, die am Donnerstag in Bremen in Dienst gestellt wurde, kümmert sich in ihrer ersten Kampagne um einen besseren Schutz der Schweinswale. „Der Schweinswalschutz findet in Deutschland nur auf dem Papier statt“, sagte Kampagnenleiter Manuel Abraas.

Vor allem Stellnetze in den FFH-Schutzgebieten sind den Tierschützern ein Dorn im Auge. „Sie stehen wie eine unsichtbare Wand im Wasser und sind sehr schwer von Schweinswalen wahrzunehmen. Die Tiere verfangen sich darin und ertrinken.“ Gerade junge und noch unerfahrene Tiere seien gefährdet.

130 tote Schweinswale in der Ostsee gefunden

In der Ostsee gibt es nach Angaben des Kampagnenleiters jährlich bis zu 130 Funde toter Schweinswale. „Die Dunkelziffer kennt man aber nicht.“ Die Schweinswal-Bestände in der Ostsee seien stark gesunken. Früher gab es nach Angaben der Organisation in der westlichen Ostsee rund 30 000 Tiere, inzwischen nur noch etwa 11 000. In der zentralen Ostsee leben nur noch wenige Hundert von ehemals 3000 bis 5000 Schweinswalen.

Sea Shepherd ist eine internationale, gemeinnützige Organisation zum Schutz der marinen Tierwelt. Gegründet wurde sie 1977, die deutsche Gruppe gibt es seit 2010. Ihre Mission ist es nach eigenen Angaben, die Zerstörung von Lebensräumen und das Abschlachten der Tiere in den Weltmeeren zu beenden, um Ökosysteme nachhaltig zu schützen und zu erhalten. Finanziert wird Sea Shepherd ausschließlich aus Spendengeldern.

Bei ihren Kampagnen folgt die Organisation den Bestimmungen der Weltcharta für die Natur der Vereinten Nationen - nach Angaben von Sea Shepherd ist es danach auch Privatpersonen erlaubt, im Namen der internationalen Schutzgesetze zu handeln. Die Organisation dokumentiert, fotografiert, filmt und veröffentlicht, dabei hat sie sich dem Gesetz der Gewaltlosigkeit verpflichtet.

Baltic-Sea-Kampagne startet im Juli 2017

Start der „Baltic Sea“-Kampagne ist am 1. Juli. In den Ostseeschutzgebieten, unter anderem in den Bereichen im Fehmarnbelt und der Kadetrinne, werden die zwölf Meter lange „Emanuel Bronner“ und ein Schnellboot patrouillieren. „Unser Schiff sieht aus wie ein Küstenwachschiff. So wissen die Wilderer gleich, jetzt wird's ernst“, sagte Abraas.

Die „Emanuel Bronner“ war früher ein Angelausflugsschiff vor der Insel Borkum. „Wir haben es bei ebay in den Kleinanzeigen gefunden“, sagte Abraas. Ein Sponsor - ein Seifenfabrikant - finanzierte den Kauf und die jetzige Ausstattung. „Das Schiff ist seegängig und macht zweieinhalb bis drei Meter hohe Wellen gut mit.“ So seien Kontrollfahrten auch in Schutzgebiete möglich, die weiter draußen liegen.

Auch in der Nordsee wollen sich die Aktivisten für die Schweinswale einsetzen. Doch die Situation in der Ostsee sei akuter, erklärte Abraas. „Natürlich geht es den Schweinswalen in der Nordsee auch nicht so gut, wie es ihnen eigentlich gehen sollte, aber der Bestand dort ist weitaus höher.“

Von dpa

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