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Großmanöver vor Eckernförde

Northern Coast 2015 Großmanöver vor Eckernförde

Seemanöver Northern Coast: Noch bis Freitag üben auf der Ostsee 36 Schiffe, neun Luftfahrzeuge und 3600 Soldaten aus 16 Nationen ein modernes Krisenszeanrio. Drei große Marineverbände sind beteiligt. In der Luft kreisen dänische Kampfjets und in Eckernförde gibt es einen Brückenkopf an Land.

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Die polnische Fregatte „Kosciuszko“ (links) bekommt vom Versorger „Bonn“ den Schlauch für die Treibstoffversorgung. Beide Schiffe nehmen am Manöver „Northern Coast 2015“ teil.

Quelle: Frank Behling

Glücksburg. Eckernförde ist Teil der Nation Arbolia, die Schleswig-Holstein und Dänemark sowie Norwegen umfasst. Sie wird von Congeria bedroht, die Mecklenburg-Vorpommern und die dänische Inseln Seeland und Moen umfasst. Congeria will Inseln annektieren und Menschen einer katholischen Minderheit vertreiben. So die Ausgangslage. Flaggschiff des fiesen Aggressors ist die „Bonn“. Der 174 Meter lange und 20000 Tonnen verdrängende Versorger ist das Kommandozentrum für Kapitän zur See Abry. Mit seinem Stab führt er vom modernsten Schiff der deutschen Marine Fregatten und Korvetten aus Schweden, Kanada und Polen. Der „Feind“ ist die die Nato. Das Machtgebiet soll ausgedehnt werden.

Für diesen Auftrag lässt Abry seine Einheiten tarnen. Informationssysteme werden abgeschaltet, Schiffe abgedunkelt und das Radar nur spärlich benutzt. Die Küstenlinie wird zur Deckung. „Wir nutzen alle Möglichkeiten, die dieses Seegebiet bietet“, erklärt Abry und lächelt. Zwischen den Inseln und Buchten zwischen Fünen und Fehmarn gibt es Konflikte. Abry koordiniert das Vorgehen gegen die Nato und die Hilfskräfte unter UN-Flagge, die sich bis zur Eckernförder Bucht vorarbeiten wollen. Menschen werden dort vertrieben und flüchten übers Meer. Zum Szenario gehören Hinterhalte, für die in Abrys Verband die schwedischen Tarnkappenkorvetten „Nyköping“ und „Helsingborg“ zuständig sind. Die dänische Marineheimwehr übernimmt die Rolle der Flüchtlingsboote.

Abrys Gegenspieler sind zwei Nato-Offiziere, einer aus Portugal und einer aus den Niederlanden. „Es geht aber nicht darum, wer nun gut oder wer böse ist. Es geht bei diesem Manöver besonders darum, die Zusammenarbeit im Verband zu üben“, sagt Abry. Norwegens neueste Fregatte schützt einen Konvoi, Lettlands Minenjäger räumen vor Eckernförde und ein Spezialteam der US Navy ist mit der Beseitigung von Sprengfallen im Einsatz. In Eckernförde ist ein Brückenkopf eingerichtet. Das Marinehauptquartier Glücksburg koordiniert die Szenarien.

Während der heißen Phase versorgt Abry vor Rügen seinen Verband. Da fast zwei Wochen keine Häfen angelaufen werden, müssen alle seine Einheiten auf hoher See und während der Fahrt in einem speziellen Manöver versorgt werden. Dienstag war es die polnische Fregatte „Kosciuszko“ westlich von Rügen. Während die „Bonn“ mit 10 Knoten zwischen Offshore-Windanlagen und Fähren an der Kadetrinne einen Kurs absteckt, wird ein Schlauch zur Fregatte gezogen. 120 Kubikmetern Gasöl rauschen in einer Stunde in die Tanks der in den USA gebauten polnischen Fregatte. Ein kurzer Gruß und die Fregatte nimmt wieder Kurs auf die bösen Nato-Schiffe vor aus Arbolia. Im Stab wird der nächste Schritt vorbereitet, der nächste Schachzug.

Die Rolle des „Bösen“ wird bei jedem Manöver neu besetzt. „Nächstes Mal sind vielleicht die Dänen dran“, sagt ein Offizier. Warum überhaupt derartige Manöver? Darauf hat Vizeadmiral Rainer Brinkmann nach einer Besprechung auf der „Bonn“ eine knappe Antwort: „Weil der Wunsch rund um die Ostsee groß ist, sich mit Fähigkeiten einzubringen und Szenarien zu üben, die möglichst nah an der Realität der aktuellen Einsätze sind“, so Brinkmann. Und so finden sich Flüchtlingsrettung, Piratenabwehr und die Überwachung feindlicher Einheiten im Programm wieder.

Das Manöver „Northern Coast 2015“ endet heute am Abend. Ein Teil der Schiffe läuft heute und morgen in Kiel ein, wo mehr als 1000 Soldaten am Wochenende zum Abschluss Landgang haben, bevor sie am Montag wieder auf Heimatkurs gehen. Darunter auch die kanadische Fregatte „Winnipeg“ aus Esquimalt am Pazifik.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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