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Hoffnung auf gute Besserung

Notaufnahmen in SH Hoffnung auf gute Besserung

Viele Notaufnahmen im Land sind „verstopft“. In Heide wird ein neues System erprobt, um die Patientenströme besser zu lenken. Immer wieder beschweren sich Patienten, dass sie in der Notaufnahme von Kliniken zu lange warten müssen. Viele Patienten, die in Notaufnahmen behandelt werden, sind gar keine Notfälle.

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Notaufnahme und Notfallambulanz sind in Heide jetzt an einem Ort. Dr. Reimar Vogt, KVSH-Notdienstbeauftragter (links), und Klinik-Chefarzt Dr. Thomas Fleischmann stehen hinter der Kooperation.

Quelle: WKK

Heide. Am Westküstenklinikum in Heide wird jetzt mit einem System gegengesteuert, das auch an andere Krankenhäuser übertragen werden soll. Vorgespräche laufen bereits in Rendsburg und Lübeck. Wie kann man verhindern, dass die Notaufnahmen „verstopft“ werden? Vor allem an Wochenenden tauchen dort regelmäßig Patienten auf, die schon länger Probleme wie Hals-, Ohren- oder Muskelschmerzen haben, aber nicht zum Arzt gegangen sind. Die Gründe dafür sind vielfältig: Beschäftigte geben an, dafür keine Zeit zu haben. Andere haben gehofft, dass die Beschwerden von allein verschwinden. Wieder andere geben offen zu, dass sie keine Lust hatten, sich bei einem Facharzt einen Termin zu holen. Das Problem: Sind all diese Patienten erst einmal in der Notaufnahme, dann können sie aber nicht einfach weggeschickt werden, sondern bekommen zumindest eine Diagnose und bei Bedarf auch eine erste Therapie. Der Arbeitsanfall in den Notaufnahmen ist deshalb in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Das erschwert nicht nur die schnelle Behandlung der echten Notfallpatienten, sondern es macht die Arbeit in den Notaufnahmen auch für Ärzte und Pflegepersonal zunehmend unattraktiv. Die Folge sind häufige Wechsel und immer wieder unbesetzte Stellen.

Das erste Modell in Kiel

Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) macht sich deshalb mit der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenhausgesellschaft in Schleswig-Holstein für Portalpraxen stark. Darunter versteht man eine Praxis, die an die Notaufnahme angedockt, wie diese rund um die Uhr geöffnet ist und sich um alle Patienten kümmert, die nicht stationär behandelt werden müssen. Das kann auch bedeuten, dass ein Patient wieder weggeschickt und an seinen Haus- oder Facharzt verwiesen wird. Doch die Portalpraxen, die rund um die Uhr geöffnet sind, sind rechtlich noch nicht zulässig. In Schleswig-Holstein werden daher Vorstufen praktiziert.

Das erste Modell wurde am Städtischen Krankenhaus in Kiel installiert: Gemeinsam mit dem Regionalen Praxisnetz Kiel wurde dort eine Notfallpraxis eingerichtet – für alle, die Behandlung brauchen, aber nicht schwer erkrankt oder gar in Lebensgefahr sind. Das Modell wird inzwischen an 30 Kliniken im Land praktiziert. Aber: Die Praxis ist nur zu bestimmten Zeiten in den Abendstunden und an Wochenenden geöffnet. Und beide Systeme arbeiten parallel.

"Wir sind enger zusammengerückt"

Am Westküstenklinikum in Heide geht man nun einen Schritt weiter. Dort ist die Anlaufpraxis in die Notaufnahme umgezogen und nutzt dieselben Räume. Alle Patienten landen an einem gemeinsamen Empfangstresen. Dort wird dann je nach Beschwerden sortiert: Wer nur ambulante Hilfe braucht, wird von den Ärzten des Bereitschaftsdienstes behandelt. Wer stationär aufgenommen werden muss, kommt in die Notaufnahme des Krankenhauses.

„Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes enger zusammengerückt – räumlich und organisatorisch“, betont Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung KVSH. Dadurch könnten die Behandlungen von Patienten besser abgestimmt und die knapper werdenden personellen und finanziellen Ressourcen effizienter genutzt werden. Das entlaste auch die Ärzte und Pfleger in der Notaufnahme, betont Dr. Anke Lasserre, Geschäftsführerin der Westküstenkliniken WKK. Allerdings: Auch die gemeinsame Anlaufstelle in Heide ist nur zu bestimmten Zeiten doppelt besetzt. Rund um die Uhr arbeitet nur die Notaufnahme der Klinik.

Dennoch sieht man bei der KVSH das Modell als einen wichtigen Schritt in Richtung Portalpraxis an. Deshalb will man es auch an anderen Kliniken mit sehr stark frequentierten Notaufnahmen installieren. Die Vorgespräche mit der Imland Klinik in Rendsburg und der Sana Klinik in Lübeck laufen bereits, heißt es bei der KVSH.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Heike Stüben zu den Portalpraxen

Wer einmal in einer Notaufnahme saß, weiß: Das könnte schneller gehen. Das liegt an knappem Personal, an langen Wegen, an der überhöhten Anspruchshaltung mancher Patienten.

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