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Fragen und die Hoffnung auf Berlin

Olympia 2024 Fragen und die Hoffnung auf Berlin

Olaf Scholz befindet sich in bester Gesellschaft. Den Bürgermeistersaal des Rathauses schmücken die Büsten aller Hamburger Bürgermeister des 19. Jahrhunderts. Begleitschutz aus der Vergangenheit für den aktuellen Ersten Bürgermeister der Hansestadt, der sich am Donnerstag um 9 Uhr für die Zukunft Hamburgs rhetorisch mächtig ins Zeug legt.

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Das Olympiastadion, hier eine Visualisierung, im Hamburger Hafen, wird laut augenblicklichen Planungen 595 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer kosten. Für alle Wettkampfstätten veranschlagt Hamburg in seinem Finanzkonzept 1,97 Millionen Euro.

Quelle: dpa/Gmp; Bloomimages

Kiel/ Hamburg. Es gilt, das Finanzkonzept für den Traum von Olympischen Spielen 2024 zu präsentieren. Am Ende steht eine Zahl im Raum, die vor allem eine Frage aufwirft: Wer soll das bezahlen?

114 Seiten umfasst das frisch gedruckte Konzept. Erläutert werden darin Baukosten von Wettkampfstätten, Verlängerungen von U-Bahn-Linien oder Umsiedlungen im Hafen. Doch am Donnerstag interessieren vor allem drei Summen. Kosten der Spiele: 11,2 Milliarden Euro. Erlöse: 3,8 Milliarden Euro. Daraus folgt der Anteil für die deutschen Steuerzahler: 7,4 Milliarden. 7400 Millionen Euro wollen geschickt verpackt sein. Die Hamburger beschäftigen gerade die ungelösten Probleme der Flüchtlingsflut, und ein paar Milliarden wird irgendwann auch noch die Sanierung der HSH Nordbank verschlingen. Keine dankbare Aufgabe also für Olaf Scholz.

 Doch der SPD-Politiker setzt ein charmantes Lächeln auf und sagt schöne Sätze. „Dieses ist die am besten durchgerechnete Bewerbung für Olympische Spiele, nicht nur in Deutschland, sondern ever“, hört sich an, als stamme die Formulierung von einer der zahlreichen Hamburger PR-Agenturen. Ähnlich smart geht es weiter. „Unser Ziel ist, bescheiden zu bleiben. Wir wollen diesen Maximalbetrag eher unter- als übertreffen“, kündigt Scholz an und ordnet das umfangreiche Zahlenwerk als „große Leistung“ ein. Die Olympia-Planer an der Elbe, die sich London und die Spiele 2012 als Vorbild auserkoren und sogar englische Experten in ihre Hochrechnungen einbezogen haben, wollen es billiger machen als die Kollegen an der Themse. Dort hat das hochgelobte Sport-Spektakel vor drei Jahren 13,8 Milliarden Euro verschlungen. Kalkuliert hatte London in seiner Bewerbung mit 3,2 Milliarden Euro.

Fehler vermeiden

Solche Fehler will Scholz vermeiden, genauso wie am Donnerstag das Wort „Elbphilharmonie“. Stattdessen sagt er: „Die Bürger dieses Landes haben bei Großprojekten die unschöne Erfahrung gemacht, dass vieles von dem, was geplant wurde, erheblich teurer wurde. Auch Hamburg hat so ein beeindruckendes Bauwerk auf die Beine gestellt.“ Das soll bei Olympia nicht passieren. Deshalb habe man alles seriös kalkuliert. Auch Inflation und Preissteigerungen seien bis 2024 eingerechnet. Die Kosten für die angeblich beste durchgerechnete Bewerbung aller Zeiten belaufen sich bislang auf fünf bis sechs Millionen Euro. Die exakte Summe hat Christian Krupp nicht parat. Dem Staatsrat der Senatskanzlei obliegt es, den Medienvertretern wichtige Eckpunkte aus dem Finanzkonzept mit seinen 700 Einzelpositionen zu erläutern. Das Olympiastadion soll 500 Millionen Euro kosten, ohne Mehrwertsteuer. Das ist etwa ein Viertel sämtlicher olympischer Stätten. 2,1 Milliarden sind für Verkehrsprojekte vorgesehen, 1,3 Milliarden wird unter anderem die Umsiedlung von Firmen im Hafen verschlingen, und die Durchführung der Spiele ist mit 2,6 Milliarden veranschlagt. Nicht genau zu beziffern ist die „öffentliche Sicherheit“, für die erst mal 461 Millionen errechnet wurden. „Dieser Betrag ist abhängig von der Weltlage“, gibt Krupp zu.

Bleibt die Frage, wer den Spaß bezahlen soll. Scholz hofft, dass der Bund von den 7,4 Milliarden Euro Kosten 6,2 Milliarden übernimmt, denn seinem Etat will der Bürgermeister ab 2018 sechs Jahre lang „nur“ jeweils 200 Millionen Euro zumuten. Scholz möchte bis Januar Klarheit aus Berlin, bis zum Referendum am 29. November wird das eher nichts werden. Sicher ist für ihn aber heute schon: „Ich werde die Finanzen der Stadt Hamburg nicht ruinieren.“

Das sagen die Olympia-Gegner

Michael Rothschuh, Sprecher von NOlympia Hamburg: „Für mich bleibt nach der Vorstellung des Finanzkonzepts vieles offen und vage. Olaf Scholz hat im Grunde nur gesagt, vielleicht schaffen wir das und dass er nicht mehr als 1,2 Milliarden Euro für die Spiele 2024 ausgeben will. Für das Referendum am 29. November bedeutet das voraussichtlich, dass die Hamburger Bürger weiterhin keine belastbaren Zahlen kennen.“

Norbert Hackbusch, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linken in der Hamburger Bürgerschaft: „Ich hatte fest damit gerechnet, dass Bürgermeister Scholz eine Übereinkunft mit dem Bund bezüglich der Kostenübernahme bekannt gibt. Darauf warten wir schon ein Dreivierteljahr. Ich vermute, dass die vorhandene Skepsis vieler Bürger nach dieser Pressekonferenz stärker denn je sein wird, denn zu viele Aspekte bleiben ungeklärt.“

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