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Onlinewache wird gut angenommen

Polizei im Land Onlinewache wird gut angenommen

Immer mehr Schleswig-Holsteiner ersparen sich den Weg zum Polizeirevier und wenden sich lieber an die Onlinewache. Nach Angaben des Kieler Innenministeriums gingen im vergangenen Jahr via Internet 6170 Strafanzeigen ein.

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Eingabemaske der Onlinewache: Nutzer können hier Angaben zum Tatort und der Tatzeit machen.

Quelle: Screenshot

Kiel. Insgesamt wurden 2015 laut Landespolizeistatistik rund 200000 Straftaten verübt. „Die Tendenz der Online-Anzeigen ist deutlich steigend“, sagt Ministeriumssprecher Patrick Tiede. Ein Großteil der Strafanzeigen bezieht sich auf Eigentumsdelikte wie Diebstahl und Internet-Betrug, aber auch auf Ordnungswidrigkeiten, Beleidigungen und zivilrechtliche Streitigkeiten.

 „Die eingehenden Anzeigen werden automatisch an die zuständige Dienststelle weitergeleitet“, verspricht die Landespolizei auf ihren Internetseiten. Im Notfall solle der Bürger auch weiterhin die Telefonnummer 110 anrufen, und das hat seinen guten Grund: Mit der Bearbeitung kann es aufgrund von mehreren Zwischenschritten schon mal dauern. Zunächst läuft die Meldung über Dataport im Lagezentrum auf, und bis sie gelesen wird, vergehen „zwischen fünf Sekunden und 20 Minuten“, heißt es in der Antwort des Innenministeriums auf eine kleine Anfrage der Piratenfraktion im Landtag. Im Anschluss werde die Anzeige per E-Post an die örtlich zuständige Polizeidirektion und von dort aus wiederum an die zuständige Polizeistelle übermittelt. In dringenden Fällen, versichert der Ministeriumssprecher, griffen die Kollegen aber zusätzlich zum Telefonhörer.

 Die Piraten hatten sich hauptsächlich danach erkundigt, inwiefern bei einer Anzeige die versprochene Anonymität gewahrt bleibe. Die Behörde verweist darauf, dass die Angaben zur Person auch wissentlich falsch gemacht werden können. In diesem Fall sei die Anzeige automatisch anonym. Die IP-Adresse, die den Computer des Absenders eindeutig identifiziert, könne man nach Abschicken der Anzeige nicht mehr ermitteln.

 Das Problem: Die Polizei versendet ihre automatische Eingangsbestätigung unter noreply@polizei.landsh.de – Antworten darauf laufen ins Leere. „Schleswig-Holstein braucht langfristig eine externe Whistleblowerplattform nach dem Vorbild von Baden-Württemberg, die auch Rückfragen und anonyme Kommunikation mit dem Hinweisgeber ermöglicht“, sagt der Piraten-Abgeordnete Sven Krumbeck. Sein Kollege Uli König ergänzt, dass die Qualität und Sicherheit deutlich gesteigert werden könnten, „wenn die Verbindungen zur Onlinewache automatisch Https-verschlüsselt wären. So könnten Hinweise auch über unverschlüsselte WLAN-Hotspots sicher und vertraulich übermittelt werden.“

 Im Ministerium bewertet man die Onlinewache mit Blick auf die Resonanz als Erfolg und verweist auf die Vorteile: Die Polizei spare Zeit und arbeite deshalb effizienter, gewährleiste die Anonymität, sei bürgernah und: „Gelegentlich wird das Medium auch für Danksagungen bezüglich eines zurückliegenden Einsatzes genutzt.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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