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Opfer aus Trittau: Mildes Urteil aufgehoben

Tödlicher Raubüberfall Opfer aus Trittau: Mildes Urteil aufgehoben

Das Opfer eines tödlichen Raubüberfalls stammte aus Trittau im Kreis Stormarn: Ulf M. (39) fiel im Januar 2012 nachts in Sachsen-Anhalt in die Hände von Wegelagerern. Ein Gericht verurteilte die fünf Täter aus Litauen später „nur“ wegen Raubes mit Todesfolge. Am Donnerstag hob der Bundesgerichtshof (BGH) das milde Urteil auf.

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Anwälte, Dolmetscher und Justizangestellte zwischen den Angeklagten beim Prozessauftakt gegen die Litauer im Januar 2013 im Landgericht in Dessau-Roßlau.

Quelle: dpa

Karlsruhe. War es doch Mord aus Habgier, wie die Staatsanwaltschaft den heute 24- bis 34-jährigen Angeklagten vorwirft? Vier der fünf Männer, die im ersten Prozess zu Freiheits- und Jugendstrafen zwischen neuneinhalb und mehr als zwölf Jahren verurteilt wurden, müssen sich demnächst erneut vor dem Landgericht Dessau-Roßlau verantworten. Dessen Urteil vom Juni 2014 ist laut BGH rechtsfehlerhaft. Die Strafkammer hätte sich angesichts der Umstände mit der Möglichkeit auseinandersetzen müssen, „dass den Angeklagten der Tod des Opfers gleichgültig war.“ Möglicherweise droht den Tätern lebenslange Haft. Verteidigt werden sie von Rechtsanwälten, die teilweise auch im Schleswiger Mammutprozess gegen zwölf Litauer auftreten. Auch diese hatten ein Raubopfer, einen Juwelier in Düsseldorf, mit schwersten Kopfverletzungen am Tatort zurückgelassen.

 Das Opfer des Parkplatzüberfalls war gerade zu neuen Ufern aufgebrochen: Ulf M. hatte Job und Wohnung in München gekündigt, nahm eine einjährige Auszeit, um Südostasien zu erkunden. Möbel, Umzugskartons und sein Mountainbike wollte der ledige Informatiker bei den Eltern in Trittau zwischenlagern. Für die 850- Kilometer-Strecke hatte er den weißen Kleintransporter gemietet. „Fröhlich und gelöst“ kündigt er der Mutter gegen 21.30 Uhr per Handy seine Ankunft nach Mitternacht an. Doch dann biegt er mit dem Sprinter auf den abgelegenen Parkplatz „Rosselquelle“ ein. Dort liegen die Wiederholungstäter bereits auf der Lauer. Auf der Suche nach Raubopfern war die Bande gerade erst in einem roten Audi mit litauischem Kennzeichen nach Deutschland eingereist.

 Die Täter bemächtigen sich des Mannes, als er von der Toilette zurückkehrt, schleppen ihn zu einem Lagerplatz im Wald. Dort nehmen sie ihm Kreditkarten ab und erzwingen die Preisgabe der Pin-Nummern. Zwei Täter fahren los, heben an mehreren Bankautomaten 2000 Euro ab. Stunden später fordern sie eine weitere Pin-Nummer, erlauben Ulf M. die Suche auf seinem Laptop. Als die Täter befürchten, ihr Gefangener habe heimlich einen Hilferuf abgesetzt, reagieren sie mit einem Gewaltexzess. Sie prügeln, treten, springen auf ihr Opfer ein. Mit Rippenbrüchen, gebrochenem Kehlkopf und einem schweren Schädelhirntrauma lassen sie Ulf M. auf der Ladefläche seines Transporters zurück. An Händen und Füßen mit Klebeband gefesselt, eingekeilt zwischen Umzugskartons und Möbeln – dem Tode geweiht. Den Sprinter stellen die Litauer auf einem Waldweg ab. Ulf M. stirbt qualvoll innerhalb von 24 Stunden an seinen Verletzungen. Sechs Tage später entdeckt ein Jäger das Fahrzeug mit der Leiche. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel. Vier Wochen später wird ein anderer Autofahrer in Brandenburg Opfer der Vagabunden. Er überlebt und kann wichtige Angaben machen. So glaubt er, Räuber auf Überwachungsfotos der Geldautomaten wiederzuerkennen. Mit Ulf M.s Karten waren die Angeklagten, darunter drei Brüder, shoppen gegangen. Sie deckten sich mit Zigaretten, kistenweise Bier und 30 Kilo Kaffee ein. Kauften Turnschuhe und Handschuhe für eine ganze Fußballmannschaft – je fünfzehn Paar. Warenwert: knapp 4000 Euro.

 Vor Gericht saßen die Täter den Eltern und den beiden Brüdern von Ulf M. gegenüber. Die legten als Nebenkläger Revision ein. Nun steht ihnen erneut die Aufarbeitung der Horrorgeschichte bevor.

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