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Panne: Flüchtlingsfrauen ohne Ausweis

Dokumentenfehler Panne: Flüchtlingsfrauen ohne Ausweis

Viele Flüchtlingsfrauen haben offenbar kein eigenes Ausweisdokument. So können sie sich nicht ausweisen, wenn sie allein unterwegs sind, aber auch kein Bankkonto eröffnen. Ursache ist ein Fehler in der ersten Bescheinigung, die Asylsuchende erhalten. Ehrenamtliche Helfer im Amt Dänischenhagen entdeckten das Problem.

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Die Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender – kurz BÜMA – war ursprünglich nur als allererster Ausweisersatz gedacht. Inzwischen ist das Dokument oft über Monate gültig.

Quelle: Michael Kappeler/dpa

Dänischenhagen. Den Helfern war aufgefallen, dass sich Frauen bei der Eröffnung eines Bankkontos nicht ausweisen konnten. Denn auf der entsprechenden Bescheinigung (BÜMA) war nur der Ehemann mit Namen und Foto zu sehen, die Frau aber nur mit Namen genannt. Ohne Foto ist für Banken und andere Stellen jedoch keine eindeutige Identifizierung möglich. Und wenn die Frauen ohne den Mann unterwegs sind, können sie sich nicht einmal ausweisen. „Was ist, wenn eine Frau einen Unfall hat und selbst nicht Auskunft geben kann?“, fragt eine Patin.

 Die Ehefrau amtlich als Anhängsel des Mannes abgestempelt – das geht gar nicht, befanden die Helfer. Man könne nicht von Zuwanderern Gleichberechtigung einfordern und dann selbst die Frauen derart diskriminieren. Die Helfer wendeten sich an SPD-Landtagsabgeordnete und die Antidiskriminierungsbeauftragte. „Hier werden patriarchale Strukturen verfestigt, wo wir doch die Zuwanderer darin ermutigen sollten, ein partnerschaftliches Verhältnis von Mann und Frau zu leben, auch wenn die Traditionen in den Herkunftsländern möglicherweise andere Rollenbilder vermitteln“, kritisiert Erwin Jordan aus Schwedeneck. Man könne wenig überzeugend Gleichberechtigung einfordern, wenn die eigenen Behörden Frauen „auf einem amtlichen Dokument der Behörden zu ‚Angehörigen ohne Gesicht‘ degradieren würden.

 Die Prüfung durch das Landesamt für Ausländerangelegenheiten ergab: Auf dem BÜMA-Formular wurde das Feld für ein Foto der Frau schlicht vergessen. Wie viele Frauen davon betroffen sind, weiß niemand. „Denn grundsätzlich konnten sich auch Ehefrauen eine eigene BÜMA ausstellen lassen“, erklärt Magdalena Drywa vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten. Wie viele Frauen das aber gewusst und dann auch genutzt haben, ist nicht bekannt.

 Wie es überhaupt zu dem Problem kommen konnte, kann man sich im Landesamt nur so erklären: Die BÜMA, also die „Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender“, war ursprünglich nur der allererste Ausweisersatz und sollte lediglich eine kurze Zeit gelten. In dieser Zeit sollten die Menschen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge förmlich ihren Asylantrag stellen, einen Aufenthaltsstatus erhalten und ein reguläres Ausweisdokument erhalten. Doch weil sich dieser Ablauf durch die Überlastung der Behörden immer weiter verzögerte, wurde die Geltungsdauer der BÜMA deutlich ausgeweitet. Folge: Der Ersatzausweis ist offenbar für viele Flüchtlinge über Monate die einzige Ausweismöglichkeit.

 Ab sofort soll nun jede asylsuchende Frau von Anfang an ihre eigene BÜMA erhalten. Bleibt die Frage, was mit den Altfällen passiert. Müssen diese Frauen weiter auf einen eigenen Ersatzausweis verzichten? „Nein, auch diese Frauen können von der Ausländerbehörde vor Ort eine eigene BÜMA bekommen“, verspricht Magdalena Drywa.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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