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In den Städten droht die Armut

Paritätischer Wohlfahrtsverband In den Städten droht die Armut

Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Schleswig-Holstein weit auseinander. Zu diesem Ergebnis kommt der Paritätische Wohlfahrtsverband in seiner aktuellen Studie, die am Dienstag vorgestellt wurde. Dabei liegt das Bundesland insgesamt auf dem dritten Platz.

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Günter Ernst Basten, Paritätischer Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein: „Die Armut ist in vielen Regionen Schleswig-Holsteins noch immer konstant hoch.“

Quelle: Basten

Kiel. Demnach liegt die Armutsquote im gut verdienenden Hamburger Speckgürtel bei gerade mal 10,1 Prozent und damit sogar unter den ohnehin guten Durchschnittswerten der reichen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. „Das ist erfreulich“, räumte Jan Dreckmann, Sprecher des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Schleswig-Holstein, ein. Zugleich verwies er jedoch auf die kreisfreien Städte im Norden: In Kiel, Neumünster, Lübeck und Flensburg balle sich seit Jahren die Armut. „Daran hat sich auch im vergangenen Jahr nichts geändert.“

Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen bleibe das Armutsrisiko in den kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins so hoch wie in einigen Regionen im Ruhrgebiet oder im Osten Deutschlands. Im Bereich der alten Kern-Region Kiel, Eckernförde, Rendsburg-Eckernförde, Neumünster und Plön liegt die Armutsquote demnach bei 16 Prozent. In Dithmarschen und Steinburg beträgt sie 16,7 Prozent und in Lübeck sowie dem Kreis Ostholstein sogar 17,2 Prozent.

Bei Jugendlichen ist Kiel Spitze

Drastischer sind die Zahlen bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren, die Hartz IV beziehen: Die Landeshauptstadt Kiel ist mit 30 Prozent trauriger Spitzenreiter, dicht gefolgt von Neumünster mit 29,7, Flensburg mit 28,7 und Lübeck mit 28,1 Prozent. Zum Vergleich: In Stormarn liegt die Armutsquote in dieser Altersgruppe bei 8,5 Prozent, im Landesdurchschnitt beträgt die Quote 16 Prozent.

Der Deutsche Kinderschutzbund forderte eine grundlegende Reform der Kinder- und Familienförderung zu einer „gerechten und existenzsichernden Kindergrundsicherung“. Außerdem müsse die Betreuungssituation weiter ausgebaut und verbessert werden, „und zwar in Form von leicht zugänglicher, qualifizierter und langfristig kostenfreier Förderung“, sagte die Landesvorsitzende Irene Johns. Es gehe um die Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben und darum, frühzeitig kindliche Entwicklungsunterschiede zu verringern.

Basten fordert detaillierte Berichterstattung

Der Vorstand vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein, Günter Ernst Basten, kritisierte, dass die Armut im Norden „noch immer konstant hoch“ sei. Nötig seien genaue Zahlen über die regionale Ungleichverteilung und das Wissen um bestimmte Risikogruppen. „Wir fordern für Schleswig-Holstein eine detaillierte Armutsberichterstattung“, sagte Basten. „Nur auf dieser Grundlage werden wir Armut und Armutsfolgen bekämpfen können.“

Basten wies darauf hin, dass sich hinter den statistischen Zahlen einzelne Schicksale verbergen. „Armut macht krank, verschließt Bildungswege, verbaut Perspektiven und schließt Betroffene vom gesellschaftlichen Leben aus“, sagte er. Betroffen seien viele: Alleinerziehende, Kinder- und Jugendliche, Alte, Migranten, chronisch Kranke, Erwerbsgeminderte, Arbeitslose und „Arbeitnehmer mit unfairen Arbeitsverträgen“.

Das sind die Armutsquoten in den Bundesländern:

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Soziales
Bereits in den vergangenen Jahren hatte der Paritätische Wohlfahrtsverband vor wachsender Armut gewarnt.

Die Wirtschaft fährt seit Jahren gute Gewinne ein - Arbeitslose, Alleinerziehende und Rentner haben davon wenig. Die Armut ist auf hohem Niveau - manche Regionen sind besonders betroffen.

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