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Kronzeuge belastet Mitangeklagte

Pfandhausprozess Kronzeuge belastet Mitangeklagte

Im „Mammutprozess“ des Kieler Landgerichts gegen zwölf Männer aus Litauen, denen die Anklage brutale Raubüberfälle auf ein Kieler Pfandhaus und einen Düsseldorfer Juwelier vorwirft, kam am Freitag erstmals ein Angeklagter zu Wort. Der seit seinem Geständnis gegenüber der Polizei als Kronzeuge gehandelte K. (22) belastete am Freitag mehrere Mitangeklagte schwer.

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Der einzige geständige Täter: K. (Mitte) mit seinen Verteidigern Volker Berthold (li.) und Hans Helmuth von Troilo.

Quelle: dpa

Schleswig. K. ist bislang der einzige geständige Täter, der die Mauer des Schweigens um die mutmaßliche Bande der „Kamuoliniai“ („Ballspieler“) aus Litauen gebrochen hat. Als potentieller Verräter muss er mit der Vergeltung der Organisierten Kriminalität rechnen. Er bangt um seine Sicherheit und die seiner Familie. Das LKA Kiel hat ihn in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Nicht einmal seine Verteidiger Volker Berthold und Hans Helmuth von Troilo kennen seinen Aufenthaltsort.

 Mehrere Rechtsanwälte der von seiner Aussage betroffenen Mitangeklagten versuchten am dritten Verhandlungstag, die Vernehmung des „Kronzeugen“ zumindest zu verzögern. Doch nach der Mittagspause berichtete der 22-Jährige, wie er in seiner Heimat von Unbekannten für Straftaten in Deutschland angeworben worden sei.

 K. will geglaubt haben, es gehe beim Thema „Armbänder, Ketten und Ringe“ nur um Einbruchsdiebstahl, nicht aber um Raub, als er im August 2014 mit drei weiteren Angeklagten im Reisebus nach Düsseldorf fuhr. Dort habe man drei Juweliergeschäfte ausgespäht. Das ausgewählte Objekt habe er gemeinsam mit dem Angeklagten P. (33) betreten.

 P., der laut Anklage auch sechs Wochen später in Kiel der Haupttäter war, sprang nach Aussage des Kronzeugen über den Tresen, zerrte den Juwelier zu Boden. Gemeinsam habe man das Opfer in den hinteren Ladenbereich geschleppt und mit Kabelbinder an Händen und Füßen gefesselt. Als der Juwelier schrie, so der Kronzeuge, habe P. gegen seinen Kopf getreten, bis er bewusstlos war.

 Wegen der erheblichen Verletzungen des Opfers hatte die Staatsanwaltschaft zunächst Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Nach dem Zusammenraffen der Beute – Wert laut Anklage: 333000 Euro – sei man geflüchtet, so K. weiter. Für seine Tatbeteiligung will er später in Litauen umgerechnet 440 Euro bekommen haben. Weil ihn P.s Brutalität so schockierte, habe er weitere Angebote abgelehnt. Für kommenden Dienstag hat das Gericht den als Nebenkläger am Prozess beteiligten Juwelier zur Zeugenaussage geladen.

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Prozess um Pfandhausraub
Der Mammutprozess gegen eine osteuropäische Räuberbande wird in Schleswig verhandelt, weil das Landgericht Kiel nicht über genügend Platz verfügt. Nach der Entschuldigung des Hauptangeklagten könnte Bewegung in den Prozess kommen, der morgen fortgesetzt wird.

Es waren „zwei gepflegt aussehende junge Männer mit osteuropäischem Akzent“, die am 9. Oktober 2014 Einlass ins Pfandhaus am Kieler Exerzierplatz begehrten. Zwischen den Schmuckvitrinen entpuppten sie sich als brutale Räuber. Bei der Fortsetzung des Prozesses schilderte das 26-jährige Opfer des Überfalls sein traumatisches Erlebnis.

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