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Kinderfüße verdienen mehr Beachtung

Pilotprojekt Kinderfüße verdienen mehr Beachtung

Kleine Kinder können oft nicht sagen, wo der Schuh drückt. Eltern sollten deshalb die Füße der Kleinen gut im Blick haben. So könnte man ihnen manche Rücken- und Hüftschmerzen im Alter ersparen. Wissenswertes erfahren Eltern und Erzieherinnen bei einem Pilotprojekt in Schleswig-Holstein.

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Physiotherapeut Kai Strohmeyer zeigt, wie man spielerisch die Fußmuskulatur trainieren kann: Einen Stift mit den Zehen greifen, festhalten und dann auf dem anderen Fuß herumhüpfen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Liselotte kennt ihre Füße jetzt ein Stückchen besser. „Ich weiß, wie die Knochen im Fuß aussehen. Und hier soll der Fuß nicht ganz platt sein“, sagt die Fünfjährige und zeigt auf die Innenseite ihre Fußes. Da müsse in der Mitte noch Platz sein. Liselotte hört offenbar sehr aufmerksam zu, als Prof. Ludger Gerdesmeyer an diesem Nachmittag in der DRK-Kita am Blocksberg in Kiel über Kinderfüße spricht.

 „Eltern und Betreuer sollten sehr früh auf kindgerechtes Bewegen, Laufen und Schuhwerk achten. Kleine Fehlstellungen lassen sich dann oft durch Prävention regulieren“, sagt Gerdesmeyer, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum in Kiel, und lässt Liselotte und Tyler ein Präventionsspiel machen: Die Kinder heben mit dem einen Fuß mit den Zehen einen Stift auf und hüpfen auf dem anderen Fuß zu einer Ziellinie. „Das kann man auch als Art Staffellauf mit zwei Gruppen machen. Das macht den Kinder Spaß und sie trainieren dabei ihr Fußgewölbe. Das ist bei Kindern noch flexibel und weich und lässt sich deshalb wieder gut in Form bringen“, erklärt Gerdesmeyer. Werden Fehlstellungen früh diagnostiziert, könnten individuell angepasste Einlagen oder Physiotherapie wirken. Diese Chancen würden aber leider noch viel zu wenig genutzt: „Die Folgen von Fehlstellungen des Fußes werden meist erst mit 50, 60 Jahren schmerzhaft spürbar.“

 Dies zu ändern – dazu soll die Veranstaltung der Barmenia Versicherung beitragen. Nach einer Einführung von Gerdesmeyer, dem Physiotherapeuten Kai Strohmeyer und Orthopädietechnikmeister Fabian Thies werden alle Kinderfüße einzeln angeschaut und den Eltern Tipps gegeben. „Das ist ein gutes Angebot“, findet Wibke Arts. Die Mutter zweier Kinder erhofft sich auch Rat für den Schuhkauf. „Bei Sommersandalen kann man ja noch gut erkennen, ob sie passen. Aber bei festen Winterschuhen ist das erheblich schwieriger.“

 Dass Schuhe oft nicht passgenau sind, hat auch das Projekt der Barmenia im vergangenen Jahr in anderen Bundesländern gezeigt. Fast bei jedem zweiten Kind waren die Schuhe zu kurz, zu weich, zu breit oder zu lang. Auffällig: Je kleiner die Kinder, desto passgenauer und fußgerechter waren die Schuhe. Während die Kleinen noch die Schuhe akzeptieren, die die Eltern auswählen, können Kinder ab dem Vorschulalter offenbar öfter die eigenen Vorstellungen durchsetzen – zum Schaden der Füße.

 „Insgesamt sind zu kleine Schuhe sicher die größte Gefahr beim Schuhkauf“, sagt Gerdesmeyer. Eine Größe zu groß sei hingegen kein Problem. „Sind die Schuhe aber drei Größen zu groß, kann der Fuß das nicht ausgleichen.“ Und wie steht es mit Barfußlaufen, wollten Eltern wissen. Grundsätzlich sei das gut, weil es die Fußmuskulatur trainiere. „Das gilt allerdings nur auf natürlichem Untergrund wie zum Beispiel Sand oder Rasen“, betont der Orthopäde, „auf Asphalt sollte man Kinder nicht barfuß laufen lassen.“

 Kostenlose Veranstaltung mit Prof. Gerdesmeyer für Eltern mit Kitakindern am 24. November in Kiel, am Ziegelteich 23, 15 Uhr. Anmeldung nicht erforderlich.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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