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Betrüger locken mit Rätsel-Gewinn

Polizei warnt Betrüger locken mit Rätsel-Gewinn

Nein, gewonnen hat die Lütjenburgerin nichts – weder einen schicken BMW noch 74000 Euro in bar. Weil sie sich aber rechtzeitig Hilfe holte, hat sie auch kein Geld verloren. Wenn sie jetzt noch Anzeige erstattet, wie die Polizei eindringlich nahelegt, hat sie alles richtig gemacht.

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Die Gauner nutzen aus, dass viele ältere Leute gerne Preisrätsel lösen, und locken sie mit Gewinnversprechen in die Falle.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel/Lütjenburg. Die Leserin freute sich schon auf das rtv-Fernsehmagazin, welches sie einmal in der Woche über ihre Zeitung erhält. Sie löste ein Rätsel und schickte das Lösungswort an den Verlag. „Kurze Zeit später erhielt ich einen Anruf von einem Jürgen Zimmermann aus Wuppertal“, erzählt die Leserin. „Der teilte mir mit, ich hätte einen BMW beziehungsweise 74000 Euro gewonnen. Das Geld liege auch schon bereit.“ Die Lütjenburgerin solle bitte nur noch einen Herrn Weber anrufen. Dieser würde ihr dann eine Kontonummer angeben, damit sie die Bearbeitungsgebühr – zwischen 2300 und 4000 Euro – überweisen könnte. Die Summe erhalte das Finanzamt. Für die Überweisung habe sie eine Woche lang Zeit.

 Die Frau aus Lütjenburg bringt diesen Anruf natürlich mit ihrem rtv-Rätsel in Zusammenhang, ist irritiert und bittet ihre Zeitung um Hilfe: „Ich weiß nicht, ob ich nun nach der Bankverbindung fragen soll oder nicht.“

 Unser Anruf bei rtv medien group in Nürnberg ergibt: „Ich kann Ihnen versichern, dass diese Gewinnbenachrichtigung definitiv nicht aus unserem Haus kommt“, betont die Sprecherin. „Unsere rtv-Gewinner werden immer schriftlich informiert. Sachgewinne werden stets kostenfrei ausgeliefert und Geldgewinne werden von uns als Verrechnungsscheck ausgestellt.“ In keinem Fall entstünden weitere Kosten. Die Sprecherin rät, dieser „Gewinnbenachrichtigung“ keinen Glauben zu schenken.

 Das sieht die Kieler Kripo auch so. Eine Kriminalbeamtin vermutet hier eine versuchte Straftat zum Nachteil älterer Menschen. „Dahinter stehen keine Einzelpersonen, sondern wir gehen von einer festen Bandenstruktur aus – wie beim Enkeltrick.“ Die Betrüger könnten in Deutschland, aber auch im Ausland agieren. Der Trick, um an das Geld älterer Menschen zu kommen: Die Täter orientieren sich an den Vornamen und rufen gezielt Senioren an. Sie werden also keine Pia anwählen, sondern eher eine Irma oder Käthe und sie werden akzentfrei sprechen. Die Nummern entnehmen sie beispielsweise Telefonbüchern. Da sie wissen, dass Senioren gern Preisrätsel lösen, versprechen sie einen Gewinn und bitten dann im Voraus um die Übersendung eines Betrages, da man Steuern, Zinsen oder Gebühren bezahlen müsse. Die Überweisung geschieht häufig über den amerikanischen Anbieter Western Union. Er bietet die Möglichkeit, schnell Bargeld rund um den Globus zu transferieren, Rechnungen zu bezahlen und Zahlungsanweisungen zu erwerben. Der Betrüger kann leicht weltweit das Geld abholen. „Bei Aussicht auf einen hohen Gewinn werden viele Menschen unvorsichtig“, weiß die Kriminalbeamtin und rät: In keinem Fall Geld vorauszahlen. In jedem Fall eine Anzeige erstatten. Lieber einmal mehr als zu wenig die Polizei alarmieren.

 Auch die Verbraucherzentrale in Kiel hört immer wieder von dubiosen Anrufen im Zusammenhang mit Gewinnbenachrichtigungen. Joanna Batista rät, auf gar keinen Fall zu überweisen. „Seriöse Anbieter verlangen keine Zahlungen am Telefon.“ Sinn mache es, bei dem jeweiligen Anbieter, wie hier rtv, nachzufragen, ob aus seinem Hause solche Anrufe getätigt würden. „Auch die jeweiligen Anbieter haben die Möglichkeit, zivil- und strafrechtlich gegen die Anrufer vorzugehen, weil ihr Name unter solchen Vorgehensweisen leidet.“

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