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Polizei warnt Senioren vor Trickbetrügern

„Seid misstrauisch!“ Polizei warnt Senioren vor Trickbetrügern

Das Telefon klingelt oder es klopft an der Tür — und wenig später sind Bargeld, Schmuck und sonstige Vermögenswerte verschwunden. Immer häufiger werden ältere Menschen Opfer von Trickbetrügern. Die Polizei kann dabei häufig nur noch eines tun: zuschauen.

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Vor allem an der Haustür ist besondere Vorsicht geboten.

Quelle: Bodo Marks/dpa

Über mehrere Tage klingelt das Telefon, der Unbekannte am anderen Ende der Leitung gibt einfach nicht nach. Am Ende bricht der Widerstand der 80-jährigen Lübeckerin. Besorgt und verängstigt übergibt sie insgesamt 180 000 Euro an zwei unbekannte Männer. Sie verschwinden mit dem Geld und sind seitdem unauffindbar. Dieser besonders schwere Betrugsfall hat am Ende 2015 erneut die Aufmerksamkeit auf eine kriminelle Bewegung gelenkt, der vor allem allein lebende Senioren häufig schutzlos ausgeliefert zu sein scheinen.

In diesem Fall gab sich der Unbekannte am Telefon als Kommissar des Bundeskriminalamts aus und übte mit Schauergeschichten von vermeintlich gestohlenen Bankdaten emotionalen Druck auf die alleinstehende Dame aus. Wilfried Lühr vom Landesseniorenrat Schleswig-Holstein, der die Kriminalitätsprävention betreut, zeigt sich dabei nicht so sehr angesichts der Betrugsmaschine, sondern eher über die Nachlässigkeit der Banken erschüttert. „Wie kann es sein, dass ein Bankangestellter einer älteren Dame ohne Widerrede 180 000 Euro auszahlt?“, sagt er. Seiner Ansicht nach müssten neben den Senioren auch die Banken stärker für derartige Betrugsformen sensibilisiert werden. Für das kommende Jahr sind dafür Gespräche mit einzelnen Bankvorsitzenden im Land geplant.

Trotz umfangreicher Aufklärungskampagnen der Polizei passiert es wie in diesem Fall immer wieder, dass Senioren leichtgläubig auf Trickbetrüger hereinfallen, die ihr Vertrauen schamlos ausnutzen. Der Vorfall in Lübeck zeigt dabei nur eine von zahlreichen Maschen, mit denen Trickbetrügerbanden teils große Summen Bargeld von älteren Menschen erbeuten.

Liste der möglichen Manöver ist lang

Ein Verwandter in finanzieller Notlage, ein falscher Polizist oder ein verkleideter Haustechniker: die Liste der möglichen Manöver ist lang, die Methoden gewieft. Das zeigte sich auch kurz vor Weihnachten im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, als zwei als Polizisten verkleidete Männer mit einem vermeintlichen Durchsuchungsbefehl und gefälschten Ausweisen in die Wohnung eines älteren Ehepaares eindrangen. Sie erbeuteten so 4 000 Euro. Noch am selben Tag verschaffte sich in einem anderen Hamburger Stadtteil ein vermeintlicher Wasserwerker Zugang zur Wohnung einer 82-Jährigen. Auch wenn die Beute hier gering ausfiel, bleibt bei den Opfern stets eine Erschütterung, die in Zahlenwerten nicht messbar ist.

Vor allem an der Haustür ist daher besondere Vorsicht geboten. „Auf keinen Fall sollte man fremde Personen in die eigenen vier Wände lassen“, rät Karina Sadowsky, Pressesprecherin der Hamburger Polizei. Die Gefahr, dass man etwa echten Ordnungshütern so den Zutritt verweigern würde, bestehe ihrer Aussage nach nicht. „Ich kann nur sagen: Seid misstrauisch! Handwerker oder Polizisten kommen niemals ohne Voranmeldung.“

Bei der Auswahl ihrer Opfer gehen die Täter systematisch vor. Insbesondere die Vornamen trügen dazu bei, dass Menschen als mögliche Betrugsopfer ausgewählt werden. „Eine Person mit einem älter klingenden Namen wie beispielsweise August, Elisabeth oder Hedwig wird viel wahrscheinlicher Opfer eines Betrugsversuches als jemand mit einem moderneren Namen wie „John“ oder „Falco““, erklärt Prof. Helmut Kury, Kriminologe, Gutachter und Experte für Kriminalprävention.

Der hohen Zahl an Betrugsfällen steht eine geringe Menge an Ermittlungserfolgen gegenüber. Mehrere Tausend Fälle könnten etwa in Hamburg nicht bearbeitet werden, die Beamten „saufen“ regelrecht in Dokumentenstapeln ab, berichtet Jan Reinecke, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). Der Austausch mit anderen Landeskriminalämtern ergibt: Hamburg ist dabei kein Einzelfall. „Es handelt sich dabei häufig um Verbrechen auf akademischem Niveau“, berichtet Reinecke. Herkömmliche Bankräuber oder klassische Gewalttäter seien wesentlich leichter zu stellen. „In der Folge werden viele Fälle einfach standardisiert totgeschrieben. Leider fühlt man sich sehr machtlos.“

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