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Kielerin gewinnt Rechtsstreit um Körpergröße

Polizeidienst Kielerin gewinnt Rechtsstreit um Körpergröße

Juristische Schlappe für das Innenministerium: Das Verwaltungsgericht in Schleswig hat die bislang gültige Mindestgröße von 1,60 Metern für Polizistinnen gekippt. Eine junge Kielerin hatte gegen die Ablehnung ihrer Bewerbung geklagt, das Gericht gab der 1,58 Meter großen Frau jetzt Recht. 

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Auch kleine Frauen können Polizistinnen werden.

Quelle: Roland Weihrauch/dpa

Kiel. Ob das Land in Berufung geht, wird laut Ministerium geprüft. Im Oktober 2014 hatte sich die damals 20-Jährige beim Land beworben, strebte eine Laufbahn im Polizeivollzugsdienst an. Die beiden Einstellungsrunden absolvierte die Abiturientin mit Bravour, überzeugte nicht zuletzt aufgrund ihrer sprachlichen Kompetenzen: Neben Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch spricht die gebürtige Iranerin auch ihre Muttersprache Persisch. Mit Erfolg absolvierte die Kielerin auch den Sporttest – und wurde nach der polizeiärztlichen Untersuchung trotzdem abgelehnt. Begründung: Sie sei „polizeidienstuntauglich“, weil sie nicht die „für den Polizeiberuf geforderten gesundheitlichen Merkmale“ erfülle. Anstatt der erforderlichen 1,60 Meter war bei ihr nur eine Körpergröße von 1,582 Metern ermittelt worden.

 Die Kielerin legte Widerspruch ein, den das Land mit Verweis auf die sogenannte Polizeilaufbahn-Verordnung zurückwies. Zu den Einstellungskriterien würde unter anderem gehören, „dass Bewerberinnen mindestens 1,60 Meter groß sind“. Eine Ausnahmemöglichkeit wäre nicht vorgesehen, zumal es eine ganze Reihe von einsatztaktischen Gründen gebe, die bei Menschen mit geringer Körpergröße problematisch wären. Dazu zähle unter anderem die 16 Kilo schwere Schutzweste.

 Die Kielerin rief im Februar das Verwaltungsgericht an, beklagte „eine mittelbare Benachteiligung von Frauen“ durch die Körperlängenanforderung. Sie gilt auch für Männer, bei denen die Mindestgröße 1,65 Meter beträgt. Jetzt hat der verantwortliche Richter sein Urteil gefällt und die Festlegung von Mindestgrößen kassiert. Seiner Auffassung nach hätte „eingehend geprüft werden müssen“, ob die Klägerin nicht „ausnahmsweise hätte eingestellt werden können“. Veranlassung dazu hätten nicht nur die „hervorragenden Ergebnisse im Eignungstest“ gegeben: In „körperlicher Hinsicht ist sie schlicht und ergreifend fit“. Schließlich wären „ethnische, kulturelle und sprachliche Hintergründe“ der Bewerberin gute Gründe dafür, dass sie eine „besonders geeignete Polizistin sein kann“, so das Verwaltungsgericht.

 Hendrik Peters, Sprecher des Innenministeriums, sagte, das Urteil werde derzeit ausgewertet. Dabei werde auch geprüft, ob gegen das Urteil Berufung beim Oberverwaltungsgericht eingelegt wird. GdP-Landesgeschäftsführer Karl-Hermann Rehr kritisiert das Schleswiger Urteil: „Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts macht Einstellungen bei der Polizei sehr viel komplizierter.“

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, ein Paukenschlag für die Landespolizei ist das Urteil des Verwaltungsgerichts aber in jedem Fall.

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