27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Puppenbühnen stehen vor dem Aus

Polizeikasper Puppenbühnen stehen vor dem Aus

Dem Verkehrskasper geht es nun doch an den Kragen: Obwohl der Stellenabbau-Plan bei der Landespolizei inzwischen vom Tisch ist, sollen die drei Puppenbühnen abgewickelt werden. Die neun Stellen werden in andere Bereiche „umgesteuert“, heißt es in einem internen Papier des Landespolizeiamtes.

Voriger Artikel
Streit um Geheim-Datei geht weiter
Nächster Artikel
Sportmangel: Schleswig-Holsteiner häufig krank

Seit mehr als 60 Jahren leistet der Verkehrskasper in Schulen und Kindergärten wichtige Arbeit. Das Problem: Er ist nur so gut wie die Beamten, die ihn zum Leben erwecken.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Das Drama um den Kasper ist nicht neu. Seit Jahren ringen Politik und Polizei um die Handpuppenbühnen. Innenminister von SPD und CDU wollten immer wieder den Vorhang schließen, scheiterten aber stets an der öffentlichen Empörung. Zuletzt wollte Innenminister Stefan Studt Anfang 2015 die Puppenpolizei abwickeln. Als im Zuge der Flüchtlingskrise der geplante Abbau von 122 Stellen gestoppt wurde, schien auch der Kasper gerettet zu sein. Doch weit gefehlt: „Es wird aktuell intern geplant, die eingesetzten Polizeibeamten aus den Puppenbühnen herauszunehmen und alternative Träger- oder Betreiberkonzepte zu entwickeln“, sagt Torge Stelck vom Landespolizeiamt.

In der Diskussion sind Modelle, die Bühnen zu privatisieren oder in die Hände pensionierter Polizisten zu geben. „Die Planstellen der neun Polizisten werden in sogenannte aufwachsende Aufgabenfelder wie der Bekämpfung der Cyberkriminalität eingesetzt werden“, sagt Stelck. Einen Zeitpunkt kann der LPA-Sprecher aber noch nicht benennen. „Aufgrund der Personalbindung im Bezug auf die Flüchtlingsthematik war der Spielbetrieb in den vergangenen Monaten ohnehin eingeschränkt.“

GdP spricht von einem Fehler

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnet das Vorhaben des Landespolizeiamtes als Fehler: „In einer Zeit, in der immer mehr von Bildung gesprochen wird, hier zu streichen, ist kontraproduktiv“, sagt GdP-Landesgeschäftsführer Karl-Hermann Rehr. Seit mehr als 60 Jahren sei der Verkehrskasper der erste Kontakt von Kindern mit der Polizei und leiste wichtige Arbeit in der Verkehrs-, Kriminal- und Gewaltprävention. Überlegungen, die Bühnen an private Puppenspieler zu übertragen, erteilt der Gewerkschafter eine Absage: „Eine Studie der Hochschule der Polizei Münster kommt eindeutig zum Ergebnis, dass der Einsatz praxiserfahrener Polizeibeamter erforderlich ist.“ Andere Bundesländer hätten dies erkannt: In Hamburg habe jede Direktion ein eigenes „Polizeitheater“, in Nordrhein-Westfalen gibt es über 50 Handpuppenbühnen.

SPD-Innenexperte Kai Dolgner will zunächst abwarten, bis die Polizei ihr Konzept vorgelegt hat. CDU-Landesvorsitzender Ingbert Liebing spricht schon jetzt von einem „kruden Vorhaben“. Der Verkehrskasper sei ein wichtiger Sympathieträger für die Polizei. „Im Hinblick auf die steigende Anzahl von Flüchtlingskindern kann der Kasper auch ein Türöffner für die Polizei zu Kindern aus anderen Kulturkreisen sein“, sagt Liebing. Grundsätzlich müsse Prävention Kernaufgabe der Polizei bleiben: „Alles andere wäre eine grundlegend falsche Polizeipolitik zu Lasten der Kleinsten in unserem Land.“

"Es geht um die Präsenz von Beamten"

Elisabeth Pier, Landesgeschäftsführerin der Verkehrswacht, hält den Einsatz von Polizisten bei den Puppenbühnen ebenfalls für unverzichtbar. „Es geht um die Präsenz von Beamten“, sagt sie und bekräftigt, dass die Puppenbühnen Kindern jahrelang in Erinnerung bleiben würden. Sie setzt nach ersten Gesprächen mit dem Innenministerium und dem Landespolizeiamt auf eine Kompromisslösung: „Das Puppenspiel könnten wir sicherlich übernehmen. Wichtig wäre nur, dass die Veranstaltungen in Kindergärten und Schulen von einem Polizisten begleitet werden.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Verkehrserziehung
Foto: Tri-tra-trullala, das Rotlicht ist zum Halten da: Die meisten Kinder haben mit dem Verkehrskasper den ersten Kontakt zur Polizei – das schaffe wichtiges Vertrauen, geben Kritiker der Umstrukturierung zu Bedenken.

Der Verkehrskasper ist seit Langem eine Institution der schleswig-holsteinischen Landespolizei. Die neun Planstellen der Polizeipuppenbühnen stellt Innenminister Stefan Studt jetzt aber in Frage.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3