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Erst die Feier, dann die Ablösung

Polizeischule Eutin Erst die Feier, dann die Ablösung

Paukenschlag bei der Landespolizei: Jürgen Funk, Leiter der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei (PD AFB) in Eutin, wird überraschend abgelöst.

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Noch am Dienstag zeigte sich Polizeidirektionsleiter Jürgen Funk (2.v.li.) – hier mit Landespolizeidirektor Ralf Höhs (li.), Innenminister Stefan Studt (2.v.re.) und GMSH-Geschäftsführer Frank Eisoldt (re.) – beim symbolischen Spatenstich für die neue Einsatzübungshalle In der Eutiner Polizeischule gut gelaunt.

Quelle: Dirk Schneider

Eutin/Kiel. Er soll als Behördenleiter nach Ratzeburg wechseln, bestätigte das Landespolizeiamt am Donnerstagabend und behauptet, der Wechsel finde im Rahmen einer „regelmäßigen Rotation der Behördenleiter“ statt.

 In den Reihen der Landespolizei gibt es an der offiziellen Sprachregelung massive Zweifel. Viele sind überzeugt, dass der 56-Jährige von der Polizeiführung und dem Innenministerium „geopfert“ werde. Auslöser sei die sogenannte WhatsApp-Affäre, die seit Monaten die Eutiner Polizeischule in die Schlagzeilen bringt. Am Donnerstagmittag informierte Funk die Abteilungsleiter der PD AFD über seinen Wechsel. Mit „zitternden Händen“ und „brüchiger Stimme“ habe er sein Statement „vom Blatt ablesend“ vorgetragen, berichten Teilnehmer. Viele seien „schockiert“, „entsetzt“ und „wütend“ gewesen, heißt es.

 Mehrere Quellen in der Polizei berichten, dass Funk erst kurz vor seiner Mitteilung an die Mitarbeiter von seiner Ablösung erfahren habe. Dafür spricht auch, dass er noch am Dienstag dieser Woche an der Seite von Innenminister Stefan Studt (SPD) und Landespolizeidirektor Ralf Höhs mit Schnittchen und Orangensaft den ersten Spatenstich für eine 8,2 Millionen Euro teure neue Einsatztrainingshalle gefeiert hatte – und in seiner launigen Rede davon sprach, dass sich seine Mitarbeiter und er bereits jetzt auf die Eröffnung 2018 freuten. Funk, der seit März 2011 Leiter der Polizeischule ist, hatte über Jahre mit Nachdruck für den Bau gekämpft.

 Torge Stelck vom Landespolizeiamt bestätigt, dass Funks Nachfolger der bisherige Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg, Michael Wilksen, werden soll. Wann genau der Wechsel vollzogen wird, ist laut Stelck noch unklar. Nach Informationen unserer Zeitung soll Funk gegenüber seinen Mitarbeitern vom 1. September gesprochen haben.

NPD-Plakate und Parolen

 Unterdessen wird zumindest einer der beiden beschuldigten Absolventen der Polizeischule Eutin zum 31. Juli aus dem Dienst entlassen. „Eine weitere Verwendung im Polizeidienst kommt für ihn nach der Bewertung des Innenministeriums nicht in Betracht“, sagte gestern der Behördensprecher Hendrik Peters. Da das Beamtenverhältnis damit ende, werde auch das anhängige Disziplinarverfahren zu diesem Zeitpunkt gegenstandslos. Dem jungen Mann war Rassismus vorgeworfen worden. Unter anderem soll er sich dahingehend geäußert haben, dass er große Lust habe, mit einer Waffe „auch mal in eine Moschee reinzustürmen“. In einem umfangreichen WhatsApp-Protokoll, das Aufschluss über die interne Kommunikation innerhalb der Polizeischülerschaft gibt, waren mehrfach auch NPD-Plakate und -Parolen zu sehen.

 Dagegen wird das Verfahren gegen einen zweiten Anwärter wegen Sexismus weitergeführt. Während der Hauptpersonalrat der Polizei der Entlassung des ersten jungen Mann zugestimmt hatte, lehnte sie eine solche Konsequenz für den zweiten ab. Drei junge Frauen hatten sich bei ihrem Vorgesetzten über monatelange massive Zudringlichkeiten beschwert. Die Rede war von Mobbing, Rassismus, sexuellen Anspielungen und Übergriffen.

 Der Vorsitzende der Piratenfraktion im Landtag, Patrick Breyer, forderte eine unabhängige Stelle für interne Ermittlungen und erinnerte daran, dass der Vorgang im vergangenen Jahr zunächst eingestellt werden sollte. Die Akten waren geschreddert worden: „Es steht fest, dass die Aktenvernichtung ein gravierender Fall von Führungsversagen war – mit Wissen des Innenministeriums. Das muss Konsequenzen haben, damit so massive Vorwürfe nie wieder unter den Teppich gekehrt werden können.“

 Am Montag hat Funk einen der letzten wichtigen Termine im alten Amt: Er begrüßt die rund 140 neuen Polizei-Anwärterinnen und Anwärter.

 Von Bastian Modrow und Christian Hiersemenzel

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Seit Wochen wirft die WhatsApp-Affäre um zweifelhafte Chat-Nachrichten ein schlechtes Licht auf die Polizeischule des Landes in Eutin. Jetzt ist offenbar der Schuldige gefunden: Jürgen Funk, Leiter der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung, geht.

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