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Private Straßenwärter trainieren für den Winter

Premiere auf der A7 Private Straßenwärter trainieren für den Winter

Mit dem 1. Oktober wird ein Stück Verkehrsgeschichte im Norden geschrieben: Erstmals übernimmt dann ein Privatunternehmen den Winterdienst auf einem Teilstück der Autobahn 7. Zurzeit trainieren die Mitarbeiter mit den neuen Gerätschaften für den Ernstfall.

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Mit 80 km/h voll in die Eisen: Auf dem Parcours im VIN-Fahrtrainingscenter am „Hungrigen Wolf“ bei Itzehoe werden die Mitarbeiter für die Wechselfälle der dunklen Jahrenszeit fit gemacht.

Quelle: Frank Peter

Kiel/Itzehoe. Zwischen der Anschlussstelle Hamburg-Nordwest und dem Dreieck Bordesholm übernehmen Straßenwärter der Via Solutions Nord Service (VSNS) das Streuen und Räumen.

Wenn es in den kommenden Wochen draußen kalt und kälter wird, beginnt für Bogi Junge und seine Kollegen die heiße Phase. Sobald die Temperaturen am Gefrierpunkt kratzen und Regen in Schnee übergeht, müssen sie raus. Raus mit ihren dreiachsigen MAN-Lastern auf die Autobahn 7, um an vorderster Front dafür zu garantieren, dass weder Glatteis noch Schneematsch den Verkehr auf der Nord-Süd-Route ins Rutschen bringt.

 „Ganz ehrlich: Ich freue mich auf die neue abwechslungsreiche Aufgabe“, schwärmt der 46-Jährige. Angst oder selbst ein wenig Bammel würde man vergeblich bei ihm suchen. „Ich habe ein dickes Fell, mich bringt nichts so leicht aus der Ruhe“, argumentiert Junge. Seit 1. April ist er als Straßenwärter bei der VSNS, einem Tochterunternehmen des privaten A7-Baukonsortiums. „Ich bin gelernter Maschinenschlosser, war bis zur Schließung Maschinenführer bei Prinovis in Itzehoe. Die Stellenausschreibung für die A7-Straßenmeisterei kam also genau richtig“, berichtet der Harley-Fan. In den vergangenen Monaten hat er die 59 Kilometer lange Trasse bei Mäharbeiten, Fahrbahnsicherungen und Reparaturarbeiten bereits bestens kennengelernt. „Jetzt kann es mit dem Winterdienst losgehen“, sagt er.

 Und während seine Kollegen bisweilen noch sichtlich ehrfürchtig den Anweisungen von Fahrtrainer Michael Breitling lauschen, kann es Bogi Junge nicht schnell genug gehen, im VIN-Fahrtrainingscenter am „Hungrigen Wolf“ bei Itzehoe das Führerhaus seines nagelneuen Streufahrzeugs zu entern. Trotz strahlendem Sonnenschein und knapp 20 Grad wird auf dem Parcours tiefster Winter simuliert. „Die Streusalztanks der Fahrzeuge sind mit Wasser gefüllt, die über vier Meter breiten Räumschilder und Pflüge montiert, auf trockener und glatter Fahrbahn werden Bremsvorgänge und Ausweichmanöver trainiert, damit alles so echt wie möglich erscheint“, berichtet Breitling. Aus Erfahrung weiß der Verkehrslehrer, dass selbst von erfahrenen Lenkern physikalische Kräfte häufig falsch eingeschätzt werden. Die Folge sind nicht selten schwere Unfälle.

 Um dies zu verhindern, hat das Unternehmen seinen insgesamt 16 Straßenwärtern, die in der kalten Jahreszeit im Schichtdienst notfalls rund um die Uhr für befahrbare Spuren auf der A7 sorgen sollen, Sicherheitstrainings verordnet. Dazu gehört die richtige Lenkradführung bei Slalomfahrten ebenso wie das Austesten von Anhaltewegen. „Mit Tempo 80 eine Vollbremsung hinzulegen bis die Reifen qualmen und es nach Gummi stinkt, so etwas kostet Überwindung und muss geprobt werden“, berichtet Christian Merl von Via Solutions Nord. Und wer mit 12500 Litern Tausole unterwegs ist, für den ist das notwendige Gespür für das Fahrzeug unabdingbar. „So ein Fahrzeug schaukelt sich schnell auf, daher muss es den Fahrern in Fleisch und Blut übergehen, bei Ausweichmanövern kurz einmal das Lenkrad gerade zu ziehen, damit sich die Achsen stabilisieren und das Fahrzeug nicht ausbricht“, erläutert Fahrtrainer Breitling und wird nicht müde, seinen Schülern immer und immer wieder die Faustregel vorzubeten: „Bremsen ist immer gut!“ Bogi Junge und seine Kollegen sind sichtlich lernbegeistert. „Der Winter kann kommen“, sagt der 46-Jährige. Im Oktober beziehen die VSNS-Mitarbeiter die neue Straßenmeisterei in Nützen im Kreis Segeberg und allzu lange müssen die Fahrer dann wohl auch nicht mehr auf ihren ersten Einsatz warten. „Sobald die Temperaturen nachts nur noch bei drei Grad liegen, sind wir bereits in Alarmstellung“, erläutert der Vize-Autobahnmeister Danny Tiedemann. Und wenn dann auch noch die computergesteuerten Sensoren an der Fahrbahn Reifbildung signalisieren, dann heißt es zum ersten Mal „Ausrücken!“.

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