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Der Handel mit Marihuana blüht

Professionelle Plantagen Der Handel mit Marihuana blüht

Die Rauschgiftkriminalität ist im Norden wieder auf dem Vormarsch: Mit 8225 Straftaten sind 2016 nicht nur 500 Fälle mehr als im Vorjahr aktenkundig geworden, die Landespolizei registrierte auch den höchsten Wert seit 2009.

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Die gesundheitlichen Risiken von Cannabis werden laut Polizei zu stark bagatellisiert. Auf dem Schwarzmarkt kostet Marihuana bis zu 15 Euro pro Gramm.

Quelle: dpa

Kiel. Vor allem die Verstöße wegen des Besitzes von Cannabis boomen: 4616 Fälle waren es im abgelaufenen Jahr – ein Plus von fast 400 Verfahren. Das Landeskriminalamt in Kiel macht aber noch einen weiteren Trend aus: In Schleswig-Holstein steigt die Zahl professioneller Hanf-Plantagen.

 Im November vergangenen Jahres gelang den Rauschgift-Experten der Landespolizei ein Coup: Im Norden Schleswig-Holsteins konnten die Fahnder einen Drogenring zerschlagen, der mit dem Anbau von Cannabis Millionen Euro verdient hatte. 400 Beamte filzten 30 Gebäude, stellten 1500 Pflanzen und kiloweise Rauschmittel sicher.

 Kein Einzelfall: Nur wenige Wochen später rückten Ermittler zu einer Razzia im Kreis Plön, in Kiel und im Kreis Rendsburg-Eckernförde aus. Auch dort konnten Drogen und knapp 1000 Marihuana-Pflanzen kassiert werden.

 52 illegale Hanf-Plantagen hob die Landespolizei im vergangenen Jahr aus – elf weniger als 2015. „Jedoch wurden im Vergleich zu den Vorjahren mehr Profi-Plantagen mit jeweils mehr als 1000 Pflanzen festgestellt“, sagt Uwe Keller vom Landeskriminalamt. „Der Trend scheint demnach in Schleswig-Holstein zu größeren und zugleich professionelleren Plantagen zu gehen“, erläutert der Ermittler.

 Vier große Drogen-Plantagen konnte die Polizei 2016 ausheben, das sind doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Zum Vergleich: 2014 hatte es in diesem Bereich keinen einzigen Fall gegeben.

 Die Experten beobachten die Entwicklung mit Sorge: Zum einen werde der Konsum von Haschisch und Marihuana gesellschaftlich zunehmend bagatellisiert, zum anderen hätten die Cannabis-Produkte aus den Zimmerplantagen einen deutlich höheren Wirkstoffgehalt als früher. „Der illegale Markt verlangt verstärkt nach Cannabis mit einem sehr hohen Gehalt, der sich insbesondere in den Cannabis-Blüten konzentriert“, sagt die Kieler LKA-Sprecherin Carola Jeschke.

 Betrug der Anteil der psychoaktiven Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) in den Blüten früher zwischen vier und sechs Prozent, liegt der THC-Gehalt heute durchschnittlich bei zehn bis 15 Prozent. Durch Kreuzungen bestimmter Hanfsorten und professionelle Zuchtbedingungen sind allerdings sogar Züchtungen mit bis zu 20 Prozent THC keine Seltenheit mehr.

 Und: „In den vergangenen Jahren sehen wir einen Trend, die insbesondere bei Jugendlichen steigende Cannabis-Nachfrage in Deutschland durch Eigenproduktionen unter professionellen Bedingungen zu bedienen.“ Entsprechendes Equipment lässt sich problemlos im Internet bestellen.

 Die Landespolizei setzt verstärkt auf Ermittlungen im Bereich der Rauschgiftkriminalität. Ausdrücklich warnt die Behördensprecherin nicht nur vor den strafrechtlichen Gefahren: „Der regelmäßige Konsum von Marihuana mit hohem Wirkstoff kann zu schweren Gehirnschädigungen gerade bei Heranwachsenden führen.“

 Eine Langzeitfolge des Cannabis-Konsums könnten ernsthafte gesundheitliche Schäden sein. Sie würden häufig auch mit sozialem Abstieg einhergehen.

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