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Sohn stach auf Mutter ein

Prozess in Kiel Sohn stach auf Mutter ein

„Völlig von Sinnen“ hatte der zur Tatzeit 20-Jährige in der elterlichen Wohnung plötzlich auf seine Mutter eingestochen. Tatjana K. (40) erlitt Messerstiche in Schulter, Wange und Rücken, verblutete mit eröffneter Lungenhauptschlagader vor den Augen ihres Ehemannes.

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In diesem Haus in Oering ereignete sich im Januar das Familiendrama.

Quelle: Alexander Christ

Kiel/Oering. Am Dienstag eröffnete die Jugendstrafkammer des Kieler Landgerichts das Sicherungsverfahren gegen den Sohn. Nach den Worten von Staatsanwalt Torsten Holleck handelte der vorläufig in der Psychiatrie untergebrachte junge Mann im Zustand der Schuldunfähigkeit, als er am 14. Januar 2016 in Oering (Kreis Segeberg) gegen 18.50 Uhr ein Küchenmesser aus der Küche holte und damit unvermittelt auf die Mutter einstach. Das Opfer sei arglos und wehrlos gewesen, stellte der Staatsanwalt fest.

 Nach den tödlichen Stichen soll der 20-Jährige immer wieder auf die sterbende Mutter eingetreten haben, bis sein Vater eintraf und ihn am Boden fixierte. Sollte die Beweisaufnahme den Sachverhalt bestätigen, hätte der Sohn einen heimtückischen Mord begangen. Nach dem bisherigen Ergebnis eines psychiatrischen Gutachtens handelte er „im Zustand der Schuldunfähigkeit“. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Thomas Bachmann (46), nimmt als Sachverständiger am Prozess teil. Er soll zur Klärung des Hintergrunds, der Motivlage und subjektiven Befindlichkeit des Beschuldigten beitragen. Ob der große, blasse Jüngling, der zum Prozessauftakt in zusätzlich am Gürtel fixierten Handfesseln vorgeführt wurde, an einer psychischen Erkrankung leidet oder/und zur Tatzeit unter Drogeneinfluss stand, soll eine voraussichtlich siebentägige Beweisaufnahme klären.

 Sein Mandant werde sich zur Sache und zur Person äußern, kündigte sein Verteidiger Philipp Seibel (Neustadt) an. Einzelheiten wird die Öffentlichkeit wohl erst Anfang Juli bei der Urteilsverkündung durch den Vorsitzenden Stefan Becker erfahren: Bis dahin schloss die Kammer das Publikum nach Verlesung des Tatvorwurfs auf Antrag der Verteidigung aus.

 Hier gehe es um den engsten Persönlichkeitsbereich und den Gesundheitszustand des Beschuldigten, der möglicherweise an einer paranoiden Schizophrenie leidet, hieß es zur Begründung. Als Zuschauer zugelassen sind nur der Ehemann und die Eltern des Opfers. Sie verzichteten auf ihr Recht, als Nebenkläger im Prozess gegen ihren (Enkel-)Sohn aufzutreten.

 Die Bluttat des als musikalisch bekannten Hobby-DJs in der ländlichen 1300-Seelen-Gemeinde Oering hatte landesweit für Aufsehen gesorgt, zumal erst im Oktober 2015 in einem ähnlichen Fall in Eckernförde ein ebenfalls 20-jähriger Mann seine schlafende Mutter in der gemeinsamen Wohnung mit einem Messer attackiert hatte. Die 57-Jährige überlebte den Angriff damals mit lebensgefährlichen Verletzungen.

 Über diese Tat hatte die Jugendstrafkammer erst vor wenigen Wochen verhandelt. Laut Urteil vom 3. Mai beging der Sohn in diesem Fall einen versuchten Totschlag, war zur Tatzeit jedoch nicht zurechnungsfähig. Als Gefahr für die Allgemeinheit bleibt er dauerhaft in der geschlossenen Psychiatrie. Laut Urteilsbegründung hörte der 20-Jährige Stimmen, die ihm einredeten, seine gebrechliche Mutter von ihrer Krankheit „erlösen“ zu müssen.

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Landgericht Kiel
Foto: In diesem Haus in Oering (Kreis Segeberg) ereignete sich das Familiendrama im Januar.

Ein 21-Jähriger aus Oering, der im Januar seine Mutter mit Messerstichen tödlich verletzte, muss in die Psychiatrie. Das ordnete das Landgericht in Kiel am Dienstag an. Die Fachklinik muss eine geschlossene Einrichtung sein. Zuvor hatte ein Gutachter dem Mann eine "schizophrene Psychose zur Tatzeit" bescheinigt.  

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