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Anwälte kritisieren Dolmetscher

Prozess um Missbrauch Anwälte kritisieren Dolmetscher

Im Prozess gegen zwei Flüchtlinge aus Afghanistan, denen die Staatsanwaltschaft schweren sexuellen Missbrauch eines Jungen in der Landesunterkunft Boostedt vorwirft, hat die Verteidigung des wegen Beihilfe mitangeklagten Asylbewerbers am Dienstag die Aufhebung des Haftbefehls gefordert.

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Rechtsanwalt Thomas Jung begründete seinen Antrag mit widersprüchlichen Beschreibungen der Bekleidung seines Mandanten, der im Prozess schweigt.

Quelle: dpa

Kiel. Rechtsanwalt Thomas Jung begründete seinen Antrag mit widersprüchlichen Beschreibungen der Bekleidung seines Mandanten, der im Prozess schweigt. Der 29-Jährige, der laut Anklage während der Übergriffe seines Landsmannes (21) im Toilettentrakt Schmiere stand, habe zur Tatzeit nachweislich eine blaue Jeans und einen hellgrauen Pullover getragen.

 Demgegenüber beschrieb der achtjährige Bruder des Opfers eine schwarze Bekleidung des Mannes, von dem er während des Vorfalls Ende März mit einem Messer bedroht und aus dem Raum gedrängt worden sei. Anschließend war er zu seinem Vater gelaufen. Der wiederum will den Haupttäter noch in der Toilettenkabine mit heruntergelassenen Hosen gestellt und geschlagen haben.

 Diese Angaben des Vaters hatte ein amtlich bestellter Arabisch-Dolmetscher für die Polizei übersetzt. Vor Gericht bestätigte der Dolmetscher die Aussagen. Nach seiner Erinnerung warf der Vierjährige dem Haupttäter vor, er habe „sein Teil in den Mund nehmen“ müssen. Zunächst habe der verschüchterte Junge überhaupt nichts sagen wollen. „Der Vorgang war ihm peinlich“, erklärte der Dolmetscher. Das Kind habe wohl geschwiegen, „weil ihm bewusst war, dass es nicht in Ordnung war“. Auf Nachfrage des Gerichts teilte der Übersetzer mit, die Mutter habe dem Jungen Schokolade versprochen, wenn er redet. „Erzähl, mein Süßer, du kriegst ein Geschenk“ habe sie gesagt.

 Der Vorsitzende Stefan Becker machte keinen Hehl aus seiner Ablehnung solcher Methoden und hielt dem Arabisch-Dolmetscher seine auf Video dokumentierte Aufforderung an den vierjährigen Jungen vor, er solle „helfen, dass der Afghane ins Gefängnis kommt“. Die Antwort des Zeugen: „Ich glaube nicht, dass ich das gesagt habe.“ Fehler bei der Übersetzung schloss er aus: Die Familie des Opfers spreche denselben südirakischen Dialekt wie er selbst. Nach Überzeugung der Verteidiger haben jedoch mehrere Dolmetscher während der Ermittlungsphase „tendenziös übersetzt“.

 Erneut gehört wurde auch der Security-Einsatzleiter (29) der Landesunterkunft, der gegen 21.45 Uhr wegen einer drohenden Schlägerei zum Tatort gerufen worden war. Er bestätigte, der Vater des Opfers habe den Vorfall so geschildert, wie es in der Anklage steht. „Als wir den Täter auf dem Flur gesehen haben, hatte er immer noch den Hosenstall auf“, fügte der Zeuge hinzu. Über den Antrag der Verteidigung, den Mitangeklagten aus der U-Haft zu entlassen, will die Jugendkammer bei der Fortsetzung am morgigen Donnerstag entscheiden.

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