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Prozess um Schießerei: Angeklagter spricht von Notwehr

Itzehoe Prozess um Schießerei: Angeklagter spricht von Notwehr

Ein Auto stoppt einen anderen Wagen, ein Mann wird niedergeschossen. Auf der Flucht quer durchs Land versuchen die Täter, ihre Verfolger mit einem Kugelhagel abzuschütteln. Im Prozess spricht ein Angeklagter jetzt von Notwehr.

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Ihm und einem zweiten Angeklagten wird ein versuchter Mord vorgeworfen.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Itzehoe. Er will nicht Täter, sondern Opfer gewesen sein: „Es war Notwehr“ - mit diesen Worten hat ein Angeklagter am Dienstag sein Geständnis im Itzehoer Prozess um einen spektakulären Mordversuch eingeleitet. Der 29-Jährige räumte gleichzeitig ein, auf andere Menschen geschossen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten und seinem Bruder vor, im Juni bei einer Auseinandersetzung in einem Itzehoer Gewerbegebiet einen 27-Jährigen niedergeschossen zu haben. Auf der Flucht feuerten sie außerdem mehrfach auf ihre Verfolger. Die Staatsanwaltschaft wirft den 24 und 29 Jahre alten Angeklagten versuchten Mord und versuchten Totschlag vor.

Der Prozess vor dem Itzehoer Landgericht findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Strenge Personenkontrolle am Eingang des Gebäudes, schusssicheres Panzerglas zwischen den Angeklagten und den Zuhörern.

Zum Selbstschutz Waffen besorgt

Angefangen hatte nach Angaben des 29-Jährigen alles Monate zuvor am 13. Februar. Damals sei sein Bruder zufällig in eine Auseinandersetzung zwischen Arabern und Türken geraten und niedergestochen worden. Der jüngere sei ein ängstlicher Mensch, sagte der 29-Jährige. Da die Ermittlungen der Polizei damals kein Ergebnis brachten, habe er zum Selbstschutz Waffen besorgt: Zwei Messer, zwei Schlagstöcke, sowie über einen Bekannten in Hamburg eine Pistole samt Munition.

Am Tattag hatte er nach einem Telefonat mit seiner Frau „ein ungutes Gefühl“, schilderte der Angeklagte. Auf dem Weg in einen Getränkemarkt habe er daher die Pistole in seine Umhängetasche gesteckt. Sein Bruder saß am Steuer des Autos, er auf dem Beifahrersitz, als sie kurz vor dem Ziel ein am Straßenrand abgestelltes Fahrzeug passieren mussten. In dem Moment seien Sie von zwei anderen Wagen eingekeilt worden, aus denen drei bis vier Männer herausstürzten. In ihren Fäusten habe er ein Messer, einen Baseballschläger und eine Machete gesehen, sagte der Angeklagte. Sie hätten sofort auf der Fahrerseite zwei, dreimal zugeschlagen.

Warnschüsse wurden abgefeuert

Eine Scheibe zersplitterte, sein Bruder sei angegriffen worden. Da habe er die Waffe gezogen, entsichert und zwei Warnschüsse in die Luft abgefeuert. Als er Angreifer auch auf sich zukommen sah, habe er zweimal ungezielt in ihre Richtung geschossen. Dabei müsse er einen der Angreifer ins Bein getroffen haben, die andere Kugel sei in einem ihrer Autos stecken geblieben. Letztendlich sei ihnen dann die Flucht gelungen.

Auf die Frage, warum sie denn angegriffen worden seien, antwortete der 29-Jährige, er vermute einen Zusammenhang mit dem gewalttätigen Streit vom 13. Februar.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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