16 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Prozessauftakt: Geiselnahme in JVA Lübeck

Landgericht Prozessauftakt: Geiselnahme in JVA Lübeck

Vier Gefangene haben an Weihnachten 2014 in der JVA Lübeck einen Wärter als Geisel genommen. Der Vorfall kostete die Anstaltsleiterin den Job, auch Justizministerin Anke Spoorendonk geriet ins politische Kreuzfeuer. Jetzt kommen die Geiselnehmer vor Gericht.

Voriger Artikel
Einbruch in das Klärwerk in Wrist
Nächster Artikel
Bundeswehr-Lkw kippt auf A7 um

In der JVA Lübeck nahmen Weihnachten 2014 vier Insassen einen Wachmann als Geisel.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Lübeck. Es sollte ein besinnlicher Weihnachtsabend werden in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck-Lauerhof. Doch es kam anders: Am 24. Dezember 2014 nahmen vier Gefangene einen Justizvollzugsbeamten als Geisel, um ihre Flucht aus dem Gefängnis zu erzwingen. Der Fluchtplan scheiterte, die Geisel konnte sich mit Hilfe von Kollegen und eines unbeteiligten Gefangenen befreien. Die Verdächtigen müssen sich vom 4. November an wegen gemeinschaftlicher Geiselnahme, gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung, Nötigung und versuchter Gefangenenmeuterei vor dem Lübecker Landgericht verantworten.

Laut Anklageschrift soll einer der Angeklagten am Nachmittag des 24. Dezember einen epileptischen Anfall vorgetäuscht haben, um einen Beamten in die Zelle zu locken. Dort soll ein Mitgefangener das Opfer zu Boden gestoßen und mit einem Brotmesser bedroht haben. Die Gefangenen drängten ihre Geisel ins Erdgeschoss. Dort nötigten sie zwei andere Vollzugsbeamte, ihnen zwei Türen zu öffnen. Kurz danach kam es zu einem Handgemenge, bei dem es der Geisel gelang, sich zu befreien. Die Geiselnehmer wurden überwältigt und in ihre Zellen zurückgebracht. Die aus Russland, Litauen und Georgien stammenden Gefangenen hatten mit Erlaubnis der Anstaltsleitung den Weihnachtsabend zu viert in einer Zelle verbringen dürfen.

Der Ausbruchversuch hat nicht nur die Debatte um einen liberalen Strafvollzug und mögliche Sicherheitslücken neu entfacht, sondern auch politisch hohe Wellen geschlagen. Die damalige Anstaltsleiterin musste ihren Posten räumen, weil sie Polizei und Staatsanwaltschaft erst einen Tag später von den Vorfall unterrichtet hatte. Auch Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) geriet unter Druck, weil sie sich zunächst schützend vor die Anstaltsleiterin gestellt hatte. Auf dem Höhepunkt der Debatte forderte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Daniel Günther, gar ihre Entlassung.

Für den Prozess vor der III. Großen Strafkammer sind bislang 17 Verhandlungstage geplant. Es sind 30 Zeugen und fünf Sachverständige geladen. Ein Urteil wird Ende März nächsten Jahres erwartet.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Geiselnahme in JVA Lübeck
Foto: Die Staatsanwaltschaft hat wegen einer Geiselnahme in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck gegen vier Gefangene Anklage erhoben.

Weihnachten 2014 nehmen vier Gefangene in der JVA Lübeck einen Beamten als Geisel. Das bringt auch die Anstaltsleiterin in Bedrängnis. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft gegen die mutmaßlichen Geiselnehmer Anklage erhoben.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3