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TV-Werbung für Alkohol verführt Jugendliche

Rauschtrinken TV-Werbung für Alkohol verführt Jugendliche

Alkoholwerbung im Fernsehen steigert das Risiko zum sogenannte Komasaufen bei Kindern und Jugendlichen. Diesen Schluss zieht die DAK aus einer Studie des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT) in Kiel, in der 1500 Schüler im Alter von zwölf bis 16 Jahren befragt wurden.

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Die Alkoholwerbung im Fernsehen verführt Kinder und Jugendliche nach einer Studie von Kieler Wissenschaftlern zum Rauschtrinken.

Quelle: dpa

Kiel. Die Studie ermittelte, wie viele der Befragten mehr als fünf Rauscherlebnisse innerhalb von 30 Monaten hatten. Unter den Schülern, die Alkoholwerbungen kaum kannten, waren es 6,2 Prozent. Bei den Teilnehmern, denen TV-Spots für Bier, Wein und Schnaps besonders geläufig waren, lag die Rauschquote bei 24 Prozent – also vier Mal so hoch.„Es gibt da einen klaren linearen Zusammenhang“, sagt Professor Reiner Hanewinkel, Leiter des IFT.

Björn Malchow von der Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein ist bei der Bewertung der Studie skeptisch. „Bei der Frage nach Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen gibt es viele Einflussfaktoren“, sagt der Referent für Suchthilfe. „Einen alleinigen Kausalzusammenhang zwischen Alkoholwerbung und dem Konsumverhalten Jugendlicher herzustellen, ist nicht richtig.“ Aus seiner Erfahrung gebe es einen eindeutigen Zusammenhang: „Jugendliche trinken mehr Alkohol, wenn sie unglücklich mit ihrem Leben sind.“ Einig sind sich Malchow und Hanewinkel, dass die Eltern beim Thema Alkoholkonsum eine wichtige Rolle spielen. Väter und Mütter müssten dafür sensibilisiert werden, dass sie für ihre Kinder Vorbilder seien. Grundsätzlich werde das Thema Alkohol in der Gesellschaft „mit zu viel Laissez-faire betrachtet“, meint Hanewinkel. „Der Aspekt der Werbung ist nur einer von vielen, den wir uns herausgepickt und untersucht haben.“

Die DAK, die die Studie in Auftrag geben hatte, sieht sich bestätigt. „Mit einem so klaren Ergebnis hatten aber auch wir nicht gerechnet“, erklärt DAK-Suchtexperte Ralf Kremer. Umso mehr plädiere man nun für ein Alkoholwerbeverbot im Fernsehen vor 20 Uhr und grundsätzlich während der Übertragung von Sportveranstaltungen. Dagegen wehrt sich der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW). In Deutschland sei Werbung bereits staatlich reglementiert, sagt ZAW-Sprecher Maik Luckow:„Wir sind sehr irritiert, wie diese statistischen Ergebnisse interpretiert werden. Jetzt weitere Werbeverbote zu verlangen, ist unangemessen.“

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Ein Artikel von
Alev Doğan
Volontärin

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