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Razzia bei Kriegswaffen-Sammler beendet

„Reiz des Verbotenen“ Razzia bei Kriegswaffen-Sammler beendet

Nach dem überraschenden Fund von Kriegswaffen und Sprengstoff in großen Mengen bei einem Hausbesitzer in Nordfriesland gibt sich dieser als Sammler. Die Staatsanwaltschaft ermittelt aber gegen ihn wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

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Die Razzia in Winnert ist beendet.

Quelle: Wolfgang Runge/dpa

Winnert/Flensburg. Nach der Räumung eines Hauses voller Kriegswaffen und hochexplosiven Sprengstoffs im nordfriesischen Winnert stellt sich der Besitzer als Sammler dar. Sein Motiv sei Sammlerleidenschaft gewesen — „ein bisschen in Richtung Reiz des Verbotenen“, sagte die Flensburger Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt am Donnerstag. Sprengstoff-Experten und Ermittler des Bundeskriminalamtes hatten zwei Tage gebraucht, um das Waffenarsenal des 35-Jährigen sicher zu stellen — darunter rund 90 Kilogramm TNT.

Der Waffennarr habe nach den Ermittlungen keine Kontakte zur rechten Szene und bislang auch keine Vorstrafen. Er wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen ihn wurde jedoch ein Strafverfahren wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz eingeleitet. Dafür müssen unter anderem Experten die Waffen sichten und bewerten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch noch zum Ursprung des Arsenals.

Auf die Spur des 35-Jährigen waren Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) durch Zufall gelangt. Auslöser waren Routine-Ermittlungen des BKA im Zusammenhang mit sogenannten Dekorations- beziehungsweise Salut-Waffen. Der Mann soll über das Internet fünf dieser nicht schussfähigen Waffen aus der Slowakei gekauft haben. Solche Waffen dürfen in Deutschland ohne Erlaubnis erworben werden, solange sie entsprechend den Gesetzen nicht oder nur eingeschränkt schussfähig sind. Im Ausland gelten jedoch zum Teil laschere Vorschriften, sodass die Waffen nach BKA-Angaben mit vergleichsweise geringem Aufwand wieder „kriegstauglich“ gemacht werden könnten.

Das rot geklinkerte Haus des Schleswig-Holsteiners liegt versteckt hinter mannshohen Hecken und großen Bäumen in einem Neubaugebiet am Rand der 700-Einwohner-Gemeinde. Die Einsatzkräfte waren überrascht, als sie in dem Gebäude nicht nur die fünf Salut-Waffen entdeckten, sondern ein ganzes Arsenal Kriegswaffen, Kisten voller Weltkriegsmunition und 90 Kilogramm des Sprengstoffs TNT. Unter anderem 39 Gewehre — darunter ein Maschinengewehr — sowie mehrere Pistolen, zwei Panzerfäuste und eine russische Landmine samt gesteckten Zünder wurden gefunden. Zwei Tage lang hatten die Spezialisten die Waffen und den Sprengstoff von dem Grundstück geschleppt. Eine Handgranate mussten sie noch vor Ort kontrolliert sprengen.

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