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Werden Vögel für Windparks getötet?

Recherchen von Naturschützern Werden Vögel für Windparks getötet?

Nach Recherchen von Naturschützern werden Nester von Rotmilanen oder Schreiadlern zerstört, wenn die Tiere ein Hindernis für den Bau von Windkraftanlagen sein könnten. Ein Vorwurf, den der Bundesverband Windenergie vehement zurückweist.

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Der Rotmilan ist besonders gefährdet. Die Vogelschutzwarten empfehlen daher einen besseren Schutz: Windräder sollten einen Mindestabstand von 1500 Metern zum Nest haben.

Quelle: Patrick Pleul/ dpa

Hannover. Dass die Rotoren von Windrädern lebensgefährlich für Vögel sind, kritisieren Naturschützer schon lange. Jetzt erheben Umweltverbände außerdem den Vorwurf, dass bereits vor dem Bau von Windparks Vögel sterben müssen: Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung und des Naturschutzbundes Nabu werden Nester zerstört sowie Jungvögel und erwachsene Tiere getötet, um Flächen für Windkraftanlagen gewinnbringend zu verpachten. Vor allem Rotmilane und seltene Schreiadler seien davon betroffen. Denn wo die Tiere leben, darf nicht gebaut werden. Beweise gibt es allerdings nicht. Der Bundesverband Windenergie (BWE) weist die Vorwürfe der Vogelschützer zurück.

„Die Tötungen und Horstzerstörungen sind eine völlig neue Dimension der Gefährdung von Tierarten durch Windkraftanlagen“, sagt dagegen der Vorstand der Wildtier Stiftung, der einstige Energiemanager Fritz Vahrenholt. Tierschützern zufolge werden Greifvögel schon lange illegal getötet oder gefangen. Zuletzt habe man jedoch eine Zunahme von Übergriffen auf Tiere registriert, die auf Flächen leben, die potenziell für Windkraftanlagen genutzt werden können, sagt Biologe Jochen Bellebaum. 41 solcher Fälle seien bundesweit in den vergangenen vier Jahren gezählt worden, etwa die Hälfte davon im Jahr 2015.

Als Grundlage für ihre Erhebung nutzen die Umweltschützer die zur Anzeige gebrachten Vorfälle — denn die Zerstörung von Horsten ist eine Straftat. In Nordrhein-Westfalen wurden demnach sogar Jungvögel in einem Nest erschlagen. Auch in Niedersachsen wurden Straftaten dieser Art registriert. Anfang Dezember sollen im Kreis Helmstedt Bauinteressenten Nester von Rotmilanen zerstört haben.

Allerdings sagt Vogelschützer Bellebaum selbst: „Wir haben in der Regel keine Erkenntnisse, wer tatsächlich der Täter ist.“ Der gesunde Menschenverstand lege aber nahe, dass dort Eigentümer die Flächen verpachten wollten. Pro Anlage könne ein Eigentümer mit Pachteinnahmen von rund 80 000 Euro pro Jahr rechnen. In 20 Jahren wären dies 1,6 Millionen Euro, rechnen die Umweltverbände vor.

Der Bundesverband Windenergie hält die Vorwürfe für nicht gerechtfertigt: „Pachtzahlungen von 1,6 Millionen Euro pro Anlage sind absurd und nicht real“, sagt BWE-Pressesprecher Wolfram Axthelm. Auch die Genehmigungsbehörden berücksichtigten zerstörte Nester von Greifvögeln — eine Baufreigabe gebe es in diesen Fällen auch nicht, wenn die Vögel weg sind. „Insoweit bringt es Landbesitzern oder Investoren nichts.“ Die Datenlage der Naturschützer ist nach Axthelms Ansicht zu dünn.

Auch Umweltbehörden sehen die Dokumentation der Angriffe auf die Brutstätten mit Skepsis. Im Umweltbundesamt ist das Problem „vom Hörensagen“ bekannt. Eine seriöse Dokumentation fehle aber, teilte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Insa Lütkehus mit. Auch im niedersächsischen Umweltministerium und im Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist das Problem bekannt, wie es heißt. Die Fälle werden strafrechtlich verfolgt, sagt Ministeriumssprecherin Justina Lethen.

Der Leiter für Naturschutzpolitik des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Magnus Wessel, warnt vor zu schnellen Schlüssen: „Illegales Handeln Einzelner darf nicht als Messlatte für alle benutzt werden.“ Für die Windparks müsse besser geplant werden, wo gebaut werden darf und wo nicht. „Man kann nicht den Naturschutz und die Windenergie gegeneinander ausspielen“, betont Wessel. „Wir werden in Zukunft beides verstärkt brauchen.

Von Amelie Richter, dpa

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