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Immer mehr Jugendliche suchen Hilfe

Rechtsextreme Angriffe Immer mehr Jugendliche suchen Hilfe

Mal sind es zerstochene Fahrradreifen, mal ist es eine handfeste Drohung: Jugendliche, die sich in Schleswig-Holstein für Flüchtlinge und Menschenrechte engagieren, werden immer wieder zur Zielscheibe rechtsextremer Angriffe.

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Rechtsextreme greifen immer mehr Jugendliche an. Das zeigen Zahlen der Beratungsstellen.

Quelle: Jan-Peter Kasper

Kiel. Die Angreifer sind dabei meist selbst noch Heranwachsende. Nach Angaben der unabhängigen Beratungsstelle Zebra (Zentrum für Betroffene rechter Angriffe) in Kiel ist inzwischen fast jeder dritte Hilfesuchende ein Schüler, Azubi oder Berufsanfänger.

„Wir wissen nicht, ob dieses Phänomen zugenommen hat oder sich unsere Beratung erst jetzt unter Jugendlichen herumspricht. Aber dieses Problem unter Schülern und Auszubildenden ist vorhanden, vor allem in den Städten, aber auch auf dem Lande“, sagt Kai Stoltmann von Zebra. Bei den Angriffen gehe es nicht nur um Beleidigungen und verbale Drohungen wie „Ich will dich hier nicht mehr sehen. Ich würde lieber nicht wiederkommen“. Es gibt auch Sachbeschädigungen, versuchte und vollendete Körperverletzungen. Gerade für die Jugendlichen sei diese Situation besonders schwierig. In diesem Alter habe man weniger Ressourcen, solch einen Angriff zu verarbeiten, sagt Stoltmann.

Im Hintergrund stehe die Erwartungshaltung der Eltern, der Leistungsdruck, den Schulabschluss zu schaffen. Komme der Angreifer aus derselben Klasse, Schule oder Lehrbetrieb, könne man sich Begegnungen nicht entziehen. „Da wiegt es besonders schwer, dass die Erlebnisse vom sozialen Umfeld häufig nicht anerkannt werden. Weil die Angreifer gleichaltrig sind und sich beide von Schule oder Ausbildung kennen, wird das Ganze schnell als Streit unter Jugendlichen abgetan. Die rechten Tatmotive werden nicht gesehen“, bedauert der Berater.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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