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Ohne Abgase über die Ostsee

Reederei Scandlines Ohne Abgase über die Ostsee

Die Reederei Scandlines setzt zukünftig auf Elektroantriebe. Für Mathias Ehler, Chefingenieur der Fähre „Schleswig-Holstein“, bedeutet das Abschied nehmen. Das fällt ihm schwer, denn er mag seine Diesel. Ab 2018 werden die vier großen Fähren auf den Betrieb Elektromotoren mit Strom aus Batterien umgebaut werden.

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Der Umbau der „Prinsesse Benedikte“ leitete 2013 die Ära der Hybrid-Fähren ein. Mit dem eingebauten Batterieblock kann das Schiff 30 Minuten fahren.

Quelle: Frank Behling

Puttgarden. Ehler 1986 auf der Vogelflugroute angefangen. Seitdem hat er unzählige Reisen zwischen Puttgarden und Rödbyhavn gemacht und dafür gesorgt, dass die schweren Antriebsmaschinen der Fähren immer funktionieren.

Seine Schiffe sollen fortan als erste Hochseefähren ohne Emissionen fahren. „Das ist etwas, was es so noch nie in der Schifffahrt gab“, sagt Reedereichef Claus Nicolaisen.

 Zusammen mit dem deutschen Technologiekonzern Siemens will Scandlines 2018 die erste Fähre auf Elektroantrieb umrüsten, das gab Nicolaisen an Bord der „Schleswig-Holstein“ bekannt. Bei einer Präsentation gab die Reederei Einblicke in das Konzept zum Umbau der großen Autofähren. „Wir glauben fest an die Null-Emission-Fähre. Technisch ist das kein Problem, wir haben inzwischen gute Erfahrungen aus dem Einsatz der Hybrid-Technologie“, sagte Nicolaisen. Die 1997 und 1998 gebauten Fähren waren ursprünglich mit fünf MaK-Dieselmotoren für den Antrieb der vier Schottelpropeller ausgestattet. 2013 und 2014 erfolgte der Umbau der Schiffe zu Hybrid-Fähren. Ein Dieselgenerator wurde ausgebaut. Im Maschinenraum wurde ein Batterieblock installiert. Diese Batterien können in 399 Zellen insgesamt 2,7 Megawatt Leistung speichern und so Elektromotoren antreiben. „Damit lässt sich eine Fähre heute schon 30 Minuten fahren. Das Verfahren hat sich bewährt“, sagt Nicolaisen.

 Nun entstand die Idee, den Antrieb komplett auf Elektrobetrieb umzustellen. Zwei der vier verbliebenen Dieselgeneratoren sollen durch Batterien ersetzt werden. „Die Schwierigkeit bei der Realisierung bestand in der Aufladung“, sagt Nicolaisen. Zusammen mit Siemens habe man aber ein Konzept entwickelt, die Batterien auch während der 15-minütigen Liegezeit in den Häfen Puttgarden und Rödbyhavn aufzuladen. In der Viertelstunde im Hafen werden mindestens vier Megawatt Leistung gespeichert. Ein weiteres Problem ist noch der Bau der landseitigen Anschlüsse. „Das dauert länger als der Umbau der Schiffe“, sagte der Reeder.

 Der Umbau zu „Null-Emission-Fähren“ würde etwa 50 Millionen Euro kosten. Ganz ohne die Diesel wird es aber dennoch nicht gehen. Für den Notfall bleiben zwei MaK-Maschinen an Bord. „Wir brauchen ja auch eine Reserve für den Notfall. Wenn mal der Strom ausfällt zum Beispiel“, so Nicolaisen. Der Ausbau der Motoren bringt auch eine Gewichtsersparnis. „Ein Motor wiegt 85 Tonnen, der Batterieblock wiegt nur 50 Tonnen“, sagt Nicolaisen.

 Ein Vorbild für Elektrofähren gibt es bereits. „Das ist die Fähre ‚Ampere‘ in Norwegen. Das Schiff fährt seit dem Frühjahr“, sagt Sven Ropers, Entwicklungsingenieur bei Siemens. Die Fjordfähre wurde von Siemens mit Elektrotechnik und Ladestationen an den Anlegern ausgerüstet. Die 80 Meter lange Doppelendfähre benötigt pro Überfahrt im Sognefjord 150 Kilowattstunden. „Das zeigt, dass sich so etwas realisieren lässt. Die Scandlines-Fähren sind jedoch eine andere Hausnummer. Hier brauchen wir das Zehnfache an Leistung. Deshalb sind wir froh, dass Scandlines uns die Möglichkeit gibt, diese Idee auch in diesem Fall zu verwirklichen“, sagt Ropers.

 Scandlines geht es dabei auch um einen anderen Aspekt. Die Reederei sieht im Elektroantrieb eine strategische Perspektive. Sie will den Betrieb der Linie nach dem möglichen Bau eines Belt-Tunnels weiterbetreiben. „Dafür brauchen wir innovative Lösungen, die umweltfreundlich sind“, so Nicolaisen. Nach ersten Tests zeigt sich auch Ingenieur Ehler zufrieden: „Die Technik arbeitet hervorragend und zuverlässig.“

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Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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