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Reif für ein bisschen mehr Freizeit?

Reformationstag Reif für ein bisschen mehr Freizeit?

Der DGB Nord schlägt einen zusätzlichen Feiertag für Schleswig-Holstein und Hamburg vor. So soll mehr Gerechtigkeit gegenüber anderen Bundesländern geschaffen, aber auch die Gesundheit der Arbeitnehmer gefördert werden. Die Wirtschaft lehnt den Vorschlag ab, die Regierungsparteien sind aufgeschlossen, und die Nordkirche ist erfreut.

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Kirchliche Feiertage als Hängematte für Arbeitnehmer? Für den DGB Nord ist das keineswegs anrüchig, wenn ein Feiertag wie der Reformationstag im Land verankert ist und die Erholung ein Nebeneffekt ist.

Quelle: imago

Kiel. Für den Vorsitzenden des DGB Nord, Uwe Polkaehn, ist die Zeit reif für einen neuen Feiertag. „Die Produktivität ist hoch und wird immer höher, der Arbeitsdruck wächst enorm, und der Norden hat einen Nachholbedarf gegenüber katholisch geprägten Bundesländern“, argumentiert er. Tatsächlich gibt es in vielen Bundesländern elf, zwölf und in Bayern vielerorts sogar 13 Feiertage. In Schleswig-Holstein sind es nur neun. Das wirkt sich auf die Jahresarbeitszeiten aus: 2016 müssen Schleswig-Holsteiner mit einer Vollzeitstelle 254 Tage arbeiten, in katholisch geprägten Gemeinden in Bayern aber nur 250 Tage. In Augsburg gibt es sogar dank eines lokalen Feiertags nur 249 Arbeitstage.

 Für den DGB ist jetzt einmal die Arbeitnehmerschaft im Norden an der Reihe. „Ein zusätzlicher Feiertag wäre zudem ein Beitrag zur Gesundheit am Arbeitsplatz“, ist Polkaehn überzeugt. Sein Vorschlag: Der Reformationstag sei als Feiertag geeignet, weil die norddeutschen Länder evangelisch-lutherisch geprägt seien. Zudem werde der 31. Oktober 2017 ohnehin zum Feiertag. Da könne man ihn doch gut beibehalten. Tatsächlich hat die Landesregierung den Feiertag für 2017 beschlossen – aber nur als Ausnahme, weil dann das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation gefeiert wird. Würde der letzte Oktober zu einem gesetzlichen Feiertag, müsste der Landtag mit einfacher Mehrheit das Sonn- und Feiertagsgesetz ändern.

 Die Nordkirche hält den Reformationstag ohnehin für feiertagswürdig. „Die Reformation hat nicht nur die Kirche verändert und geprägt, sondern beeinflusst die Gesellschaft bis heute in Politik und Sprache, Sozialwesen und Bildung, Kunst und Musik“, sagt Stefan Döbler, Pressesprecher der Nordkirche. Der Tag biete auch Christen unterschiedlicher Konfessionen eine Chance, gemeinsam über ihren Auftrag in dieser Welt nachzudenken.

Wirtschaft ist dagegen

 In der Wirtschaft trifft der Vorschlag des DGB dagegen auf breite Ablehnung. „Ein zusätzlicher Feiertag bedeutet einen erheblichen Produktivitätsverlust in einem dreistelligen Millionenbetrag in Hamburg und Schleswig-Holstein. Er trifft die Wirtschaft und ist nicht förderlich für den Standort und Arbeitsplätze“, sagt Michael Thomas Fröhlich, Hauptgeschäftsführer beim Unternehmensverband Nord. Auch bei der IHK hält man es aus ökonomischer Sicht für problematisch, die Produktivität eines Unternehmens durch einen weiteren Feiertag zu belasten.

 CDU-Wirtschaftspolitiker Johannes Callsen bestätigt das: „Die Lohnstückkosten sind massiv gestiegen. Trotz Hochkonjunktur siedeln sich deshalb immer weniger Unternehmen bei uns an.“ Für Christopher Vogt (FDP) degradiert der DGB kirchliche Feiertage zur bloßen Erholungszeit für Arbeitnehmer. Vogt fragt, warum der Süden auch mit mehr Feiertagen deutlich erfolgreicher sei. Polkaehn kontert: Der Süden beweise damit, dass man auch mit mehr Feiertagen hochproduktiv sein könne.

 Peter Eichstädt von der SPD-Landtagsfraktion hält den Reformationstag 2017 für einen guten Anlass, „über die Bedeutung dieses Tages für die Geschichte unseres Landes nachzudenken und dabei eine Antwort auf die von den Gewerkschaften aufgeworfene Frage zu suchen.“ Es solle aber nicht allein darum gehen, einen freien Arbeitstag zu generieren, sondern auch das damit verbundene Ereignis und seine Bedeutung zu berücksichtigen. Für Lars Harms (SSW) hat das Wirken Luthers Schleswig-Holstein so stark geprägt, dass der Reformationstag ein geeigneter Feiertag wäre. Und die Grünen-Landeschefin Ruth Kastner findet: „Mehr Zeit für Freunde, für Kinder, fürs Engagement. Ein weiterer Feiertag kann nur ein kleiner Beitrag sein, aber immerhin.“

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