17 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Windpocken auf dem Vormarsch

Robert-Koch-Institut Windpocken auf dem Vormarsch

In Schleswig-Holstein erkranken wieder deutlich mehr Menschen an Windpocken: 2015 wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) 567 Fälle gemeldet – 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieser Trend setzt sich zurzeit fort: In den ersten sechs Wochen 2016 wurden 40 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2015 registriert.

Voriger Artikel
Zwei Verletzte bei Chemikalien-Angriff
Nächster Artikel
A24: Zoll stoppte Zigarettenschmuggel

Die ständige Impfkommission empfiehlt die erste Varizellen-Impfung für Kinder schon im Alter von elf bis 14 Monaten. Aber auch später kann ein Pieks vom Arzt noch helfen.

Quelle: dpa

Kiel. Die Entwicklung in den vergangenen Jahren ist in den Regionen dabei sehr unterschiedlich. So ging die Zahl der Erkrankungen in Kiel und Ostholstein zurück. Im Herzogtum Lauenburg, den Kreisen Segeberg und Nordfriesland und der Stadt Neumünster gab es deutliche Anstiege. In den vergangenen Wochen waren hingegen eher Lübeck und Kiel betroffen. In den ersten sechs Wochen 2016 wurden insgesamt 105 Infektionen registriert – 2015 waren es 72.

Mit diesem Anstieg unterscheidet sich Schleswig-Holstein deutlich von anderen Bundesländern. Im Schnitt stiegen die Windpocken-Infektionen 2015 nur um 4,4 Prozent an. Warum Schleswig-Holstein deutlich stärker von Windpocken betroffen war, dafür können weder Krankenkassen noch das RKI eine Erklärung geben. Denn nach den Schuleingangsuntersuchungen sind die Impfzahlen der Kinder in Schleswig-Holstein bei Windpocken in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. So konnten 86,7 Prozent in 2013 die erste Impfung und 83,2 Prozent die zweite Impfung nachweisen.

Allerdings: Aus früheren Jahrgängen gibt es insgesamt noch eine beträchtliche Zahl, die nicht geimpft ist und die Kinderkrankheit auch nicht durchgemacht hat. Infizieren sich diese Menschen mit dem Varizellen-Zoster-Virus, kann es auch Jahre später zu auffälligen Häufungen kommen. Denn Windpocken verbreiten sich extrem leicht, eben wie der Wind. Das Gesundheitsministerium rät deshalb auch Erwachsenen, ihren Impfstatus zu überprüfen und sich bei Bedarf gegen Windpocken impfen zu lassen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die erste Varizellen-Impfung für Kinder im Alter von elf bis 14 Monaten. Die zweite Impfung sollte in einem Lebensalter von 15 bis 23 Monaten erfolgen. „Die Entscheidung, ob Eltern ihr Kind impfen lassen, kann ihnen niemand abnehmen. Es ist jedoch wichtig, dass sich Eltern mit diesem Thema auseinandersetzen, um gestärkt im Sinne ihres Kindes zu handeln“, sagt der AOK-Chef Tom Ackermann.

Auslöser für Windpocken ist das sogenannte Varizellen-Zoster-Virus, das durch Tröpfcheninfektion über die Luft übertragen wird. Dieses Virus zählt zu den Herpesviren. Die Ansteckungsgefahr beginnt einen Tag, bevor der Hautausschlag auftritt, und endet, wenn die Bläschen austrocknen. Erst nach zehn Tagen bis drei Wochen äußert sich die Infektion in Form von Kopf-, Rücken- oder Gliederschmerzen und Fieber. Ein bis zwei Tage später treten linsengroße rote Flecken auf der Haut auf, die sich zunächst in stark juckende Knötchen, anschließend in Bläschen verwandeln. Die Bläschen sind mit einer wässrigen Flüssigkeit gefüllt, die in hohem Maße ansteckend ist. Innerhalb von ein bis zwei Wochen verkrusten sie und fallen ab.

Die Windpocken-Erreger verbleiben, wie alle Herpesviren, nach einer durchgemachten Windpockeninfektion im Körper. Sie ruhen sozusagen und können unter besonderen Umständen reaktiviert werden. Dann verursachen sie die äußerst schmerzhafte, sogenannte Gürtelrose (Zoster).

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3