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Wenn das Beweismaterial gelöscht wird

Rocker-Affäre Wenn das Beweismaterial gelöscht wird

Die Rocker-Affäre rund um die ehemalige Sonderkommission im Landeskriminalamt weitet sich aus. Nach wie vor lasten die schweren Vorwürfe der Aktenmanipulation und des Mobbings – erhoben von ehemaligen Ermittlern der Soko – auf den verantwortlichen Polizeiführern.

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Durchsuchungs-Bilder "zu dunkel"?

Quelle: Repro

Kiel. Zusätzlich heizen nun neue Details die Debatte an und bringen die Spitze der Landespolizei in Erklärungsnot. Fragen wirft insbesondere das Vorgehen bei einer Hausdurchsuchung beim ehemaligen Präsidenten der Bandidos in Neumünster, Ralf B., am Abend des „Subway“-Überfalls, dem 13. Januar 2010, auf. Wie zunächst der NDR berichtet hat, soll ausgerechnet bei diesem Einsatz die Kamera zur Beweissicherung versagt haben.

Aufnahmen wurden gelöscht

Im Haus des Bandido-Chefs, gegen den damals Ermittlungen wegen schwerer Hehlerei liefen, fertigte eine Polizeibeamtin des Zivilstreifenkommandos Neumünster mit einer Digitalkamera Fotos und Videos als Beweismittel an. Allerdings: Diese Aufnahmen konnten laut einem internen Vermerk vom 16. Juni 2010 „aufgrund der Dunkelheit und falschen Einstellung der Kamera“ nicht verwertet werden und wurden „sofort nach Sichtung“ gelöscht.

An ein Missgeschick oder eine technische Panne zu glauben, fällt auch hochrangigen Beobachtern innerhalb der Landespolizei schwer: „Zum einen lernen die Beamten den genauen Umgang mit den Kameras, um auch kleinste Lackspuren beweissicher abzulichten, zum anderen ist es sehr merkwürdig, dass die Unbrauchbarkeit der Bilder erst sechs Monate später aufgefallen sein soll“, sagt ein ehemaliger LKA-Fahnder.

SPD-Innenpolitiker Kai Dolgner wird deutlich: „Dass man Fotos und Videos von einem Durchsuchungsobjekt macht und dabei nicht bemerkt haben will, dass die Aufnahmen zu dunkel werden, halte ich schlicht für unglaubwürdig.“ Er fragt, wer denn mit einer Digitalkamera filme, ohne dabei die Aufnahme zu betrachten? Die mildeste Erklärung sei eine „unglaubliche Gedankenlosigkeit, wie ich mir sie bei Ermittlungen im Bereich der Organisierten Kriminalität kaum vorstellen mag.“

Wie berichtet, hat Ralf B. nach Recherchen der Kieler Nachrichten Zeitung während des Rockerkrieges in Schleswig-Holstein mit hoher Wahrscheinlichkeit als Spitzel für die Polizei gearbeitet. Von ihm soll unter anderem die Informationen stammen, die zwei Rocker entlasteten und im LKA im Sommer 2010 zu den Verwerfungen zwischen den damaligen Ermittlungsführern X und Y mit der Behördenleitung um LKA-Vize Ralf Höhs und dem Soko-Chef Mathias E. geführt hatten.

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