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Wie sich Windsors einen Namen machten

Royals Wie sich Windsors einen Namen machten

Wer versucht, die Kreuz- und Querbeziehungen des europäischen Hochadels zu entwirren, zu dem auch das Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg zählt, braucht einen geräumigen Arbeitsspeicher, will sagen: ein gutes Namensgedächtnis. Und wer Beziehungen vergessen machen will, muss Namen ändern.

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Prinz Edward (l-r), Herzogin Camilla, Prinz Charles, Prinzessin Eugenie, Königin Elizabeth II., Prinzessin Beatrice, Prinz Philip, Herzogin Catherine (Kate), Prinzessin Charlotte, Prinz George und Prinz William von Großbritannien beobachten in London auf dem Balkon des Buckingham Palastes die Parade «Trooping the Colour».

Quelle: Yui Mok

Kiel. Die wohl spektakulärste Umbenennung der Geschichte proklamierte heute vor 100 Jahren, am 17. Juli 1917, King George V.: Sein britisches Königshaus heiße, so sprach er, fortan nicht mehr Saxe-Coburg and Gotha, sondern: Windsor – nach dem Schloss nahe London, in dem King Edward III. 1312 geboren wurde. Da mochte seine Großmutter, Queen Victoria (1837-1901), ihren Albert von Sachsen-Coburg und Gotha noch so innig und fruchtbar geliebt haben – George hatte Angst.

Ihm war die im Verlauf des Ersten Weltkrieges zunehmend aggressive, antideutsche Haltung seiner Untertanen und der englischen Presse unheimlich geworden. Es reichte nicht mehr, dass er 1914 eigenhändig die Kriegserklärung an seinen Cousin, Kaiser Wilhelm II., unterschrieben hatte. Es reichte nicht mehr, dass Ende 1914 sein anderer Cousin, Ludwig von Battenberg, als Erster Seelord zurückgetreten war, nachdem man ihn diskreditiert hatte als unzuverlässigen Deutschen an der Spitze der Royal Navy.

George verlieh der Familie seiner Gattin Mary, einer geborenen von Teck, britische Adelstitel. Aus Teck wurde Cambridge. Und sein Cousin Ludwig anglisierte Battenberg in Mountbatten. Ende gut, alles gut. Jedenfalls fast. Als 1947 die heutige Queen ihren Philip heiraten wollte (beide waren Twens), musste erneut und aus ganz ähnlichen Erwägungen die Namenslage bereinigt werden. Denn Philip war einziger Sohn des Prinzen Andreas von Griechenland und Dänemark aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und dessen Frau Alice von Battenberg. In Vorbereitung seiner Ehe mit Elizabeth II., der Enkelin George V., verzichtete Philip auf seine Titel, nahm sein Recht auf britische Staatsbürgerschaft in Anspruch und wählte den Namen Mountbatten. Ende gut, alles gut. Also fast.

Denn Philips väterliche Wurzeln blieben unverrückbar im Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Dieses zählt noch heute nicht nur ihn, sondern auch Thronfolger Charles, dessen Söhne William und Harry sowie Williams Kinder George und Charlotte zu Mitgliedern des Hauses. Als 1953 die Queen den Thron be-stieg, sorgten sie und das Kabinett vor. Familien nahmen damals den Nachnamen des Ehemannes an. Dagegen erhob Elizabeth Windsor zum Familien- und Königshausnamen und legte Windsor-Mountbatten für jene fest, die nicht in der Thronfolge stehen. Damit war jedes noch so kleine Risiko eliminiert, dass bei einem ihrer direkten Nachfahren Philips Haus-Name wieder aufgelebt wäre: Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg.

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Ein Artikel von
Christian Trutschel
Lokalredaktion Kiel/SH

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