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Rückbau wird ein Mammutwerk

Akw Krümmel Rückbau wird ein Mammutwerk

Das wird eine Herkulesaufgabe: Über eine halbe Million Tonnen Beton und Stahl müssen weg, um das Akw Krümmel abzureißen. Das langwierige Verfahren kommt voran. Vattenfall hat einen Sicherheitsbericht vorgelegt. Bis zur „grünen Wiese“ ist es aber noch weit.

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Ein halbes Jahrhundert nach Inbetriebnahme soll das Atomkraftwerk Krümmel in Geesthacht bei Hamburg wieder aus der Landschaft verschwunden sein.

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Kiel. Die Landesregierung und der Energiekonzern Vattenfall drücken beim Abriss der Atomkraftwerke gemeinsam auf die Tube. Nach den am Freitag vorgestellten Rückbauplänen für das Kernkraftwerk Krümmel soll der einst größte Siedewasserreaktor der Welt fast zeitgleich mit dem Kraftwerk in Brunsbüttel dem Erdboden gleichgemacht werden. Vattenfall kündigte an, unbedenkliche Abfälle „standortnah“ in Schleswig-Holstein deponieren zu wollen.

„Der Rückbau der beiden Reaktoren ist ein Mammutprojekt, aber der Atomausstieg wird in absehbarer Zeit sichtbar werden“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) als Chef der Landes-Atomaufsicht. Die Abrisspläne für Brunsbüttel sollen Anfang 2018 genehmigt werden, die für Krümmel könnten Ende 2018 folgen. Dort sollen dann zwei bis drei Jahre später die Bagger loslegen und die Kraftwerke in den folgenden zehn bis 15 Jahren abreißen. Im Idealfall wäre beide Meiler also spätestens Mitte der 2030er-Jahre verschwunden.

Als heikel gilt insbesondere der Abriss von Krümmel. Der Reaktorkomplex (541.000 Tonnen) ist deutlich größer als der in Brunsbüttel (300.000 Tonnen) und zudem so in den Elbhang gebaut, dass es an Platz mangelt. Unklar ist insbesondere, wo knapp 10.000 Tonnen schwach- und mittelradioaktive Abfälle bleiben sollen. Vattenfall schlägt vor, den Strahlenmüll entweder im atomaren Zwischenlager selbst oder einem Anbau einzubunkern. Die dritte Variante wäre ein Transport über Straße, Schiene oder Elbe in eine andere Lagerstätte. Eine „externe Lagerung“ sei die „schlechteste der Lösungen“, sagte Habeck. Er forderte Vattenfall auf, diesen zentralen Punkt des Entsorgungskonzepts zu klären.

Den Schulterschluss übten Habeck und Vattenfall-Geschäftsführer Pieter Wasmuth dagegen in einer anderen Kernfrage. Demnach kann der Abriss Krümmels notfalls auch dann starten, wenn im Kraftwerk noch rund 200 Sonderbrennstäbe schmoren. Das Problem: Die Spezialbehälter für derart beschädigte Brennstäbe sind noch nicht zugelassen. Dasselbe Problem gibt es in Brunsbüttel. Dort lagern noch 13 Sonderbrennstäbe. Habeck stellte klar, dass zumindest der Reaktordruckbehälter erst abgerissen werden kann, wenn er „kernbrennstofffrei“ ist.

Einig zeigten sich Habeck und Wasmuth auch darin, dass nicht recycelbare Abfälle in Schleswig-Holstein deponiert werden sollen. In Krümmel dürften davon gut 5000 Tonnen anfallen, in Brunsbüttel sollen es bis zu 15.000 Tonnen sein. „Wir wollen keinen Müll-Tourismus“, betonten der Minister und der Vattenfall-Manager wortgleich. In der nächsten Woche trifft sich Habeck deshalb mit Vertretern von sieben Deponien, die grundsätzlich als Abnehmer infrage kommen. Noch im Blick ist auch die Deponie Schönwohld (Kreis Rendsburg-Eckernförde).

Habeck verteidigte den Doppel-Abriss und warnte eindringlich davor, die Kraftwerke nur einzumotten. Folge wären „Atomruinen“, die dauerhaft bewacht werden müssten. Auch Vattenfall, das für die reinen Abrissarbeiten in Krümmel bis zu 900 Millionen und in Brunsbüttel 500 Millionen zurückgelegt hat, möchte das Atomkapitel möglichst schnell schließen. Wasmuth berichtete stolz, dass der Konzern bald den zweiten Offshore-Windpark vor Sylt in Betrieb nehme.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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