16 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Tod von Milchkühen: Arznei unter Verdacht

Rückruf von Velactis Tod von Milchkühen: Arznei unter Verdacht

72 trächtige Milchkühe sind verendet – die ungeborenen Kälber mussten eingeschläfert werden. Ursache ist nach bisheriger Erkenntnis das Arzneimittel Velactis. Auch eine verstorbene Kuh in Schleswig-Holstein ist bestätigt.

Voriger Artikel
10 Tipps für einen heißen Sommertag in Kiel
Nächster Artikel
Mammut-Prozess um SMS-Flirtchats geplatzt

In Deutschland sind Milchkühe verendet. Ihnen wurde das Medikament Velactis verabreicht.

Quelle: Maja Hitij/dpa

Berlin/Kiel. Die Anwendung des Mittels Velactis sollte sofort gestoppt werden, rät das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Es wurde eine sofortige Rückrufaktion gestartet. Velactis wird bei gesunden, hochtragenden Milchkühen eingesetzt. Es soll die Milchproduktion in der Phase vermindern, in der die Kuh trockensteht, also vor dem Abkalben bis zur nächsten Laktation nicht gemolken wird.  Doch im Juni 2016 hat der Zulassungsinhaber CEVA Santé Animale den Behörden schwerwiegende Nebenwirkungen bei Milchkühen bis hin zum Tod gelmeldet.

Die Auswertung der EU-Datenbank bestätigte das: Allein vom 16. März bis zum 18. Juli 2016 wurden bei 360 Milchkühen zum Teil schwerwiegende Nebenwirkungen registriert. 218 davon konnten nach dem Kalben nicht mehr aufstehen und zeigten ein verändertes Verhalten („Festliegen“). 72 Milchkühe verendeten nach der Anwendung von Velactis, die ungeborenen Kälber starben ebenfalls oder mussten eingeschläfert werden. In Deutschland wurden für den Zeitraum 36 betroffene Tiere gemeldet. 22 davon waren festliegend. 12 Tiere sind nach Anwendung von Velactis gestorben oder mussten eingeschläfert werden.

„Der kausale Zusammenhang zwischen Anwendung des Präparates und den Nebenwirkungen ist zurzeit noch nicht bekannt und wird weiter geprüft. Nach der derzeitigen Datenlage besteht aber der begründete Verdacht, dass Velactis einen negativen Einfluss auf die Stoffwechsellage der Tiere ausübt“, erklärte ein Sprecher des Bundesamtes BVL.

Gemeinsam mit den Bundesländern wie Schleswig-Holstein habe man deshalb darauf hingewirkt, dass der Zulassungsinhaber CEVA Santé Animale auch in Deutschland flächendeckend und sofort das Arzneimittel zurückruft. Die Europäische Kommission will die Zulassung des Medikaments erst einmal ruhen lassen. Das dazu notwendige Verfahren dauert jedoch noch einige Wochen. Im Bundesamt will man so lange nicht warten und rät deshalb Milchbauern und Tierärzten, sofort die Anwendung zu stoppen. 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3