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Koch-Propheten aus nächster Nähe

SH Gourmet Festival Koch-Propheten aus nächster Nähe

Als das Schleswig-Holstein Gourmet Festival (SHGF) vor 30 Jahren gegründet wurde, lag das Land in kulinarischer Hinsicht noch weitgehend brach. Drei Jahrzehnte später kann Deutschlands ältestes Gourmetfestival seinen runden Geburtstags als Institution feiern. Die wurde jetzt in Ahrensburg eröffnet.

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Ein bisschen Sterneglanz: Bei der Auftaktgala in Ahrensburg legte der Spitzenkoch Nils Henkel (rechts) Hand an.

Quelle: Oliver Stenzel

Ahrensburg. Seine heutigen Mitgliedsbetriebe zählen zu den guten Adressen in einem auch für Feinschmecker attraktiven Bundesland. „Zum Geburtstag wollten wir einmal unser eigenes Licht leuchten lassen“, stellt SHGF-Präsident Klaus-Peter Willhöft zur Eröffnung der Auftaktgala im Ahrensburger Park Hotel fest. Und tatsächlich bietet die Gala ihren 170 Besuchern mit dem bis 2014 in Bergisch-Gladbach wirkenden Spitzenkoch Nils Henkel nur einen echten Gastkoch, während seine fünf Kollegen aus den Mitgliedshäusern des SHGF stammen.

Die Frage liegt nahe: Mit welchem Rezept wollen die bis auf den Timmendorfer Chef Lutz Niemann unbesternten Lokalmatadore eine illustre Schar von Sterneköchen aus ganz Deutschland ersetzen, die man sonst zur Eröffnung des Festivals einlud? Wenn Gunnar Hesse vom Amrumer Seeblick und Matthias Gfrörer von der Wulksfelder Gutsküche berichten, wie sie sich die Zutaten für ihre Gänge in Steinwurfweite ihrer Restaurants zusammensuchen, ist die Antwort klar: Regionalität ist der Trumpf bei diesen Koch-Propheten im eigenen Lande, und tatsächlich sieht man Hesses „Pastrami vom Galloway mit Wildauster-Crustillon und Amrumer Wildkräutern“ schon äußerlich die Orientierung an der Sterneküche an. Gleiches gilt für den vegetarischen Gang „Holsteiner Herbstfrüchte“, den Gfrörer mit seinem Pinneberger Kollegen Marc Ostermann serviert. Im Mund angekommen, entpuppt sich der akkurat angerichtete Inhalt beider Teller als schmackhafte Landhausküche. Und es wäre ja auch ein Wunder, wenn zwischen dieser und Nils Henkels meisterlich mildem „Eismeersaibling mit Krabbensud, fermentiertem Fenchel und Saiblingskaviar“ nicht der Unterschied spürbar wäre, der dem in Kiel geborenen und in Hohwacht aufgewachsenen Protegé des legendären Dieter Müller zu seinem Ruf als einem der besten Köche Deutschlands verholfen hat.

Albig stellt Besuch 2017 in Aussicht

Zu welchem Format sich ein hiesiger Chef unter dem Einfluss eines prominenten Festivalgasts entwickelt hat, zeigt sich beim Hauptgang „Kalbsfilet und geschmorte Haxe mit dreierlei Bohnen“. Sein Schöpfer Lutz Niemann, der seit über zwei Jahrzehnten Harald Wohlfahrt in seiner Orangerie begrüßen darf, ist heute selbst ein vollendeter Klassiker und überdies Schleswig-Holsteins dienstältester Sternekoch.

Während sich auf den Gala-Tellern in diesem Jahr also ganz unterschiedliche Aspekte des SHGF zu einem bunten Mosaik verbinden, erinnert Willhöft auf der Bühne daran, dass Torsten Albig bislang der einzige Ministerpräsident in dessen Geschichte ist, der noch bei keiner Eröffnung gesichtet wurde. Doch in diesem Punkt gibt der anwesende Staatssekretär Ralph Müller-Beck Entwarnung: Im kommenden Jahr, wenn das Festival im Kieler Kaufmann starten wird, soll der MP sogar mit in der Küche stehen – entsprechendes Wahlergebnis vorausgesetzt.

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