16 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Die Last mit der Schwerlast

Polizei steht vor Problemen Die Last mit der Schwerlast

Die Begleitung von Schwerlasttransporten stellt die Landespolizei vor große Probleme: Da wegen Personal-Engpässen die Lastwagen bis zu drei Wochen auf eine Eskorte warten müssen, beklagen die Speditionen Einbußen in Millionenhöhe. Jetzt wird nach Lösungen gesucht.

Voriger Artikel
Warnung vor glatten Straßen
Nächster Artikel
Aktion soll betroffenen Frauen helfen

Wegen Personal-Engpässen bei der Polizei müssen die schweren Lastwagen bis zu drei Wochen auf eine Eskorte warten.

Quelle: Friso Gentsch

Kiel. Gemeinsam mit der Polizei und dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr sollen Lösungen für die Misere diskutiert werden. „Die Genehmigungsverfahren dauern zu lange, die Transportwege sind mitunter viel zu lang, da die Verkehrs-Infrastruktur zu marode ist“, kritisiert Thomas Rackow, Landesgeschäftsführer des Speditionsverbandes. Die Folge: Unternehmen könnten nicht flexibel genug bei Auftragsanfragen reagieren und müssten lange Umwege in Kauf nehmen. Darunter würden nicht nur die 30 in Schleswig-Holstein ansässigen Spezial-Transportunternehmen, sondern auch die Auftraggeber leiden.

 „Einer Umfrage des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer ergab, dass 40 Prozent über zu lange Antragsfristen klagen würden, wegen der aufwändigen Bürokratie und der maroden Verkehrsinfrastruktur sogar 20 Prozent beabsichtigen, ihren Standort ins Ausland zu verlagern“, argumentiert Rackow. Ein Szenario, das die Branche massiv treffen würde. Bundesweit erwirtschaften die 600 Schwerlast-Unternehmen pro Jahr einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Das Ziel der Landesregierung, die Eskorte von der Polizei auf private Dienstleister übertragen zu lassen, scheitert bislang am Bundesverkehrsministerium. Ein entsprechender Antrag liegt zwar in Berlin, offenkundig gibt es im Ministerium von Alexander Dobrindt (CSU) aber Bedenken. Allerdings wird zurzeit auf Bundesebene das Modell eines „beliehenen Unternehmers“ diskutiert, der die hoheitlichen Aufgaben des Staates übernehmen könnte. Bislang gibt es laut Bundesministerium aber nicht einmal Klarheit, welche Ausstattung die Begleitfahrzeuge haben sollen und welche Qualifikationen das Personal vorweisen müsste. Wie entscheidend allein die Farbe von Lichtsignalen an Fahrzeugen ist, habe ein Pilotprojekt in Schleswig-Holstein gezeigt. „Ein orangefarbenes Blaulicht wird von Verkehrsteilnehmern deutlich weniger aufmerksam gesehen als das von Einsatzfahrzeugen der Polizei“, sagt Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele (SPD).

 Jetzt will das Landesverkehrsministerium in einem ersten Schritt das Genehmigungsverfahren von den Straßenverkehrsbehörden zentral auf den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) in Kiel übertragen. „Wenn nur noch eine Behörde zuständig ist, würde das Verfahren beschleunigt werden“, sagt der Chef des Speditionsverbandes. In der vergangenen Woche habe ein Vertreter des Landes bei einer internen Sitzung außerdem in Aussicht gestellt, dass der LBV in Kiel dafür zusätzliche Mitarbeiter erhalten, der Personalstamm von fünf auf acht Sachbearbeiter erhöht werden soll, berichtet Rackow. Die Branche zweifelt allerdings daran, dass dies ausreichen wird, die allein in diesem Jahr gestellten 44000 Anträge für Schwerlasttransporte zügiger zu bearbeiten. Tatsächlich wurden von den Behörden 2015 bislang bei 10321 Schwerlasttransporten eine Begleitung angeordnet, davon 6702 durch die Polizei, 3619 in Alleinfahrt, so das Innenministerium.

 Vehement fordern die Speditionen mehr Flexibilität ein: „Wenn etwa ein Transport mit 68 Tonnen genehmigt ist, aber durch irgendwelche Umstände das tatsächliche Transportgewicht nur 57 Tonnen beträgt, wäre es hilfreich, wenn nicht ein neuer Antrag gestellt werden muss“, sagt Rackow. Gleiches gelte bei einer Änderung des Fahrzeugs. Bislang müssen die Unternehmen das eingesetzte Fahrzeug inklusive Kennzeichen bei der Antragstellung einreichen. „Wenn ein Fahrzeug defekt ist, kann es unter den bisherigen rechtlichen Voraussetzungen nicht einfach ausgetauscht werden", so der Spediteur.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3