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Wer schützt die Schafe vor dem Wolf?

Schleswig-Holstein Wer schützt die Schafe vor dem Wolf?

Die Schaf- und Ziegenhalter sind sich einig: Sie wollen keine Wölfe in Schleswig-Holstein. Sie haben Angst um ihre Tiere und werfen dem Land vor, kein vernünftiges Wolfsmanagement zu haben. Für bisher gerissene Tiere habe noch kein Halter Geld gesehen, Schutzzäune halten sie für zwecklos.

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Wenn die Zahl der Wölfe so bliebe wie bisher, könnten die Schafhalter damit leben, sagte Bruser.

Quelle: Wolf-Gunthram Freiherr von Schenck

Groß Wittensee. Entsprechend hitzig ging es am Mittwoch auf der Jahresversammlung in Groß Wittensee zu, an der mehr als 80 Züchter teilnahmen.

Der Verband hatte den Wolfsbetreuer Jens Matzen eingeladen, der in seinem Vortrag deutlich machte: „Es wird immer mehr Wölfe geben, die überall auftauchen können.“ 22 Sichtungen in Schleswig-Holstein seit 2007 sind amtlich, 19 im dänischen Grenzgebiet. Besonders bei den Schafhaltern an der Westküste löste diese Aussage große Besorgnis aus. „Wir können in unserer zersiedelten Kulturlandschaft nicht mit dem Wolf leben. Das Raubtier erhält mittlerweile einen höheren Stellenwert als andere Individuen“, klagte ein Halter aus dem Sönke-Nissen-Koog: Auch die Deiche könne man nicht einfach einzäunen, gerade bei Sturmfluten sei das ein Problem. „Und was passiert, wenn das erste Kind auf der Seite liegt?“, fragte er ziemlich aufgebracht. Damit sprach er seinen Kollegen aus der Seele.

Angelus Brandt aus Breiholz mit 60 Schafen und einigen Pferden erinnerte an die grausigen Bilder der 25 gerissenen Schafe auf der Weide bei Blumenthal Mitte April. „Die wird auch der Umweltminister nicht so schnell vergessen“, meinte er. Brandt hatte Habeck damals gefragt, ob nicht mal ein Wolf getötet werden könne? „Darauf habe ich bis heute keine Antwort erhalten.“ Karl-Dieter Fischer aus Sommerland machte seinem Ärger richtig Luft: „Ich bin sehr giftig. Die Entschädigung für die gerissenen Tier ist eine Lachnummer. Wer legt fest, wie viel Geld ein Tier Wert ist?“ Er habe zum Beispiel jedes Schaf mit 500 Euro versichert.

Zäune sind für ihn kein Allheilmittel: „Wir wollen keine hohen Zäune in der Landschaft, die mehrere Hektar umschließen. Wie soll das gehen?“, fragte er. Zudem sei das zu teuer, trotz der 80-prozentigen Unterstützung vom Land in Wolfsgebieten. Schutzhunde lohnten sich nur für größere Herden. „Wir produzieren doch kein Wolfsfutter“, sagte Fischer mit lauter Stimme und bekam dafür tosenden Beifall. Dann warf er die Kostenfrage auf. „Wer soll die Entschädigungen und Zuschüsse für Zäune, die schnell verrotten und erneuert werden müssen, bezahlen? Der Steuerzahler?“ Wenn die Politik die Wölfe haben wolle, müsse sie auch eine vernünftige Lösung präsentieren.

Dass das Wolfsproblem akut auf den Nägeln brennt, belegt eine aktuelle Meldung: Ein Schäfer aus Nordfriesland vermisst 14 Lämmer. Ob ein Wolf die Tiere gerissen hat, ist nach Angaben des Umweltministeriums unklar. Es besteht die Sorge, dass sich ein Tier auf die dort weidenden Schafe als Beute spezialisiert hat. Sollte es der Wolf gewesen sein, könnte er , so das Ministerium, mit Gummigeschossen vergrämt oder sogar abgeschossen werden.

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Diese beiden Tiere laufen im Wildpark Eekholt durch ihr Gehege. Dass man Wölfen direkt begegnet, ist sehr selten. Die Tiere versuchen in aller Regel, uns auszuweichen.

Nachdem mehrfach ein Wolf im Dänischen Wohld gesichtet wurde, sind viele Menschen verunsichert. Was ist, wenn ich auf solch ein Raubtier treffe? Jens-Uwe Matzen aus Stolpe ist Forstwirt, Jäger und Wolfsbetreuer. „Wir müssen lernen, mit dem Wolf zu leben. Dazu gehören gute und ehrliche Informationen“, sagt der 58-Jährige.

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