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Möglichst nah ans Schweinchen

Tag des Sports 2015 Möglichst nah ans Schweinchen

Boccia, Boule, Bowls – schon die ähnlich klingenden Namen verraten die enge Verwandtschaft der drei Kugelsportarten. Doch während die italienische und die französische Variante sich auch in Deutschland steigender Beliebtheit erfreuen, fristet das britische Bowls hierzulande eher ein Nischendasein

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Britischer Rasensport in Schleswig-Holstein: Mit einem Fuß auf der Abspielmatte rollt Rolf Nowaczyk seine Kugel ins Spiel.

Quelle: Dirk Schneider

Scharbeutz/Timmendorfer Strand . . „Das muss nicht sein“, sagt Hellrik Wilder vom Kreissportverband Ostholstein und versucht den englischen Rasensport auch in Norddeutschland zu etablieren. In Scharbeutz und Timmendorfer Strand konnte er zwei Vereine für das gemütliche Geschicklichkeitsspiel begeistern.

 Die Urform des Bowls gehe wohl auf die Ägypter zurück, erklärt Wilder. Die Römer, die das Geschicklichkeitsspiel übernahmen, exportierten die Sportart auf die britische Insel, wo sich im Laufe der Jahrhunderte die heutige Spielform entwickelte.

 Weltberühmt wurde Bowls dabei durch eine Anekdote aus der frühen Neuzeit. Als ein Bote am Nachmittag des 19. Juli 1588 die Nachricht von der nahenden spanischen Armada überbrachte, soll der englische Admiral Sir Francis Drake seelenruhig mit seinen Offizieren weiter gebowlt habe. „Meine Herren, wir haben Zeit genug, diese Partie zu beenden und die Spanier zu schlagen“, so die Legende. Seither gilt Bowls im vereinigten Königreich als Nationalsport.

 Typisch britisch: Die Kugeln rollen auf gepflegtem englischen Rasen. Ins Spiel gebracht werden die Bowls von einer Matte, die beim Abwurf mit einem Fuß berührt werden müssen. Wie beim Boccia oder Boule sollen die Bowls von dem werfenden Spieler möglichst nah an einer kleinen Zielkugel – Pallino, Bouchon, Cochonnet, Schweinchen, Jack oder Kitty genannt – platziert werden.

 Im Gegensatz zu den kontinentalen homogenen Metallkugeln sind die Bowls nicht kugelrund, sondern verfügen über eine breite Lauffläche und abgeflachte Seiten mit eingearbeiteten Gewichten. Durch diese Eigenart könnten die etwas anderen Bälle auch mit leicht kurvigen Laufwegen ins Ziel gebracht werden, erklärt Peter Danzeglocke, der die Bowls-Sparte im NTSV Strand 08 mitbegründet hat. Auf dem Kunstrasen, auf dem man in Timmendorf spiele, sei dies anscheinend ziemlich schwierig „Aber möglicherweise beherrschen wir die Technik auch noch nicht so gut“, räumt er lachend ein.

 Wir, das sind knapp 20 Spieler, die sich montagabends zur gemütlichen Spielrunde treffen. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich. „Heute spielen wir Frauen gegen Männer“, verrät Sigrid Lange. Und die Damen liegen nach den ersten Durchgängen schnell vorne. „Das ist der Vorteil von Bowls. „Hier kann jeder mit und gegen jeden spielen“, betont Rolf Nowazcyk, der für die Punktvergabe im Zweifel mit dem Zollstock nachmisst.

 Und auch ältere Semester können noch gut mithalten und viel Spaß haben, verrät Herbert Muuss, für den die Geselligkeit und Gespräche am Rande genauso wichtig sind, wie das Spiel selbst. Der 93-jährige ist der Senior der Gruppe und wirft noch so manche flotte Kugel.

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