10 ° / -1 ° Regenschauer

Navigation:
Was war da in der Polizeischule los?

Scharfe Kritik an Studt Was war da in der Polizeischule los?

Auf der Hubertushöhe in Eutin kehrt keine Ruhe ein: erst die monatelange Diskussion um Rassismus- und Sexismus-Vorwürfe, dann die umstrittene Ablösung von Jürgen Funk als Leiter der Polizeischule. Nun gibt es neue Vorwürfe gegen die Führung der Landespolizei und das Innenministerium.

Voriger Artikel
Zwei Wolfssichtungen und drei tote Schafe
Nächster Artikel
Erstmals kein Rückgang der Schülerzahlen

 Die Opposition fordert Konsequenzen – allen voran Patrick Breyer.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel/Eutin. Ein Ausbilder der Eutiner Polizeischule soll eine Auszubildende sexuell belästigt haben. Und obwohl der Dozent nach Bekanntwerden des Vorfalls versetzt worden war, kehrte der Beschuldigte bereits nach einem halben Jahr wieder zurück, um an der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung zu unterrichten.

 Die Opposition fordert Konsequenzen – allen voran Patrick Breyer. Der Fraktionsvorsitzende der Piraten im Landtag spricht von einem Skandal: „Wir fordern nach diesem anscheinend wiederholten Führungsversagen einen kompletten Neustart der Polizeiausbildung in Eutin.“

 Auslöser ist ein Vorfall aus dem Februar 2015. Im Rahmen eines Festes soll ein 45-jähriger Ausbilder eine junge, angeblich noch minderjährige Polizeianwärterin gegen ihren Willen geküsst haben. Die Betroffene meldete den Vorfall der Behördenleitung. Nach Informationen unserer Zeitung reagierte diese prompt, leitete ein Disziplinarverfahren ein. Der Dozent, der das Fach Recht lehrt, wurde zur Polizeidirektion Lübeck versetzt und auf der Station in Eutin eingesetzt. „Dass der Beamte trotz der im Raum stehenden Anschuldigungen befördert worden ist, steht in keinem Zusammenhang mit all dem“, beteuert ein Polizei-Insider. Dies wäre sogar zu verhindern gewesen, hätten die Disziplinarermittler des Landespolizeiamtes dies entsprechend berücksichtigt.

 Die Verfügung gegen den Ausbilder wurde nach Informationen der Kieler Nachrichten am 27. Juni 2015 erlassen und endete fristgemäß am 27. Dezember des Jahres. Verwaltungsrechtlich sind während dieser Zeit auch keine Beförderungen möglich. Allerdings stand diese bei dem 45-Jährigen auch erst im Januar 2016 an. „Hätte beim Land jemand aufgepasst, wäre dieser öffentliche Fauxpas zu verhindern gewesen“, berichtet ein Polizist.

Personelle Engpässe

 Auf Unverständnis stieß auch die am Dienstag bekannt gewordene Entscheidung, den Polizisten bereits im Februar 2016 erneut als Ausbilder einzusetzen. „Er hatte mittlerweile an seiner neuen Tätigkeit Gefallen gefunden und wollte nicht mehr zurück“, so ein Insider. Allerdings waren die personellen Engpässe an der Polizeischule groß. Überdies sei es ein normaler Verfahrensablauf, heißt es am Mittwoch auf Nachfrage vom Landespolizeiamt, dass nach Abschluss der Bewährung Beamte auf ihre Dienstposten zurückkehren könnten.

 Im konkreten Fall blieb es jedoch bei einer kurzen Fortsetzung: Im Juli wurden neue Verdächtigungen gegen den 45-Jährigen bekannt. Diese hätten aber vor der bislang bekannten Belästigung stattgefunden, so die Landespolizei. Der Mann wurde erneut versetzt, ein neues Disziplinarverfahren eröffnet. „Das Verfahren läuft noch.“

 In der Eutiner Schule soll der 45-Jährige bereits seit Längerem einen zweifelhaften Ruf gehabt haben: Hinter vorgehaltener Hand wird „von einer Handvoll und mehr“ Fällen gesprochen, in denen der Ausbilder nicht die vorgegebene Distanz zu Schülerinnen eingehalten habe.

 Die Piraten wollen Innenminister Stefan Studt (SPD) im Innen- und Rechtsausschuss befragen: „Auf unsere Anfrage nach Distanzunterschreitungen zwischen Ausbildungspersonal und Auszubildenden hatte Studt vor wenigen Wochen noch verharmlosend von ,sehr wenigen Einzelfällen’ gesprochen.“ In Ministerium und Polizeiführung müsse eine Fehlerkultur eingeführt und vorgelebt werden. „Es muss Schluss sein mit der bis ganz oben praktizierten Strategie des Verschweigens, Vertuschens, Vertagens und Verfolgens von ,Lecks’“, verlangt Breyer. CDU-Polizeiexperte Axel Bernstein wirft Studt Führungsversagen vor: „Er muss endlich seine Gesamtverantwortung erkennen und entsprechend handeln.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Muhlack räumt Versäumnisse ein
Foto: Jörg Muhlack, Leiter der Polizeiabteilung, gibt Innenminister Stefan Studt Rückendeckung.

Nach den Vorwürfen gegen einen Ausbilder der Eutiner Polizeischule, der mehrere junge Anwärterinnen sexuell belästigt haben soll, zieht das Innenministerium Konsequenzen. Intern soll die Hausspitze künftig „mit höherer Sensibilität“ über mögliche Disziplinar-Ermittlungen gegen Polizisten informiert werden.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3