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Bugsier und Fairplay: Plötzlich beste Freunde

Schleppermarkt Bugsier und Fairplay: Plötzlich beste Freunde

In den großen Häfen Europas tobt seit Jahren ein erbitterter Wettbewerb um Schleppaufträge. Erst im Februar übernahm der spanische Schlepper-Riese Boluda die Bremer Traditionsreederei Urag. Nun der nächste Paukenschlag: Die 1866 gegründete Hamburger Schlepperreederei Bugsier wird auch verkauft.

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Die Konkurrenten verbünden sich: Die Reedereien Bugsier (vorn) und Fairplay.

Quelle: Behling

Hamburg. Die ebenfalls in Hamburg ansässige Schlepperreederei Fairplay will den kleineren Wettbewerber übernehmen. Ein Vorvertrag zwischen den Eignerfamilien Schuchmann (Bugsier) und Borchard (Fairplay) wurde unterzeichnet. Die kartellrechtliche Prüfung steht aber noch aus.

 Die Reederei Bugsier soll als Marke vollständig in die Firmengruppe Faiplay aufgenommen werden. Unter der Flagge von Bugsier fahren 30 Schlepper und zahlreiche Ölbekämpfungs- und Bergungsschiffe. Dazu gehört mit „Enak“ auch der letzte große deutsche Bergungs-Schwimmkran. Die 1905 ebenfalls in Hamburg gegründete Reederei Fairplay unterhält mehr als 50 Schlepper und Spezialschiffe, die zwischen Rotterdam und Danzig eingesetzt sind.

 Nach der Zusammenführung soll der Firmenverbund mit mehr als 100 Schiffen im „nordeuropäischen Raum eine starke Präsenz zeigen“, teilten die Unternehmen mit. Durch die Bündelung soll das Angebot für die großen Reedereien in den Häfen verbessert werden und gleichzeitig das Preisniveau für Schleppaufträge wieder stabilisiert werden.

 Mit der Integration von Bugsier in die Fairplay-Flotte gibt es nun eine Verstärkung auf den Geschäftsfeldern der Hochseeschlepperei für die Öl- und Gasindustrie und die Offshore-Windenergiewirtschaft. Aus diesem Grund wurden auch noch keine Angaben über mögliche Einschnitte beim Personal gemacht. Beide Unternehmen beschäftigen zusammen rund 1000 Mitarbeiter. Offiziell heißt es: „Für die Mitarbeiter ist dieser Schritt daher eine große Chance, sich für die Zukunft im Markt zu positionieren.“ Auch die Frage nach dem vereinbarten Kaufpreis blieb unbeantwortet.

 Die Übernahme von Bugsier durch Fairplay wird in der Branche als weitere Folge des harten Wettbewerbsdrucks durch die Veränderungen in der Schifffahrt gesehen. In den großen Häfen Rotterdam, Antwerpen und Hamburg haben sich die Arbeitsbedingungen rasant geändert. Die erforderliche Zugkraft für Hafenschlepper bei der Assistenz von großen Containerschiffen und Tankern hat sich in wenigen Jahren von 40 Tonnen auf über 80 Tonnen fast verdoppelt. Die Folge war ein Wettrüsten beim Bau neuer Schlepper. Mehr als 20 große deutsche Schlepper mit mehr als 60 Tonnen Zug sind in den vergangenen zehn Jahren gebaut worden. Gleichzeitig sanken durch den Einstieg neuer Wettbewerber die Kosten für eine Schlepperstunde zum Teil um mehr als 50 Prozent.

 Als Folge dieser Entwicklung haben sich im vergangenen Jahr die beiden einst verfeindeten niederländischen Schlepperunternehmen Smit Towage und Kotug zu Kotug Smit Towage mit Sitz in Rotterdam zusammengeschlossen. Derzeit ist diese Reederei mit 64 Schleppern und 850 Mitarbeitern die Nummer eins an der Nordsee.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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