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Altersarmut auf Rekordhoch

Schleswig-Holstein Altersarmut auf Rekordhoch

Immer mehr Schleswig-Holsteiner können im Alter nicht von ihrer Rente leben: Die Zahl der Über-64-Jährigen, die zusätzlich Grundsicherung bekommen, hat Ende 2015 einen neuen Rekord erreicht. Das hat das Statistikamt Nord mitgeteilt.

 

 

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Die Altersarmut ist so hoch wie noch nie in Schleswig-Holstein.

Quelle: Jens Kalaene/dpa

Kiel. In Schleswig-Holstein haben am Jahresende 2015 mehr als 20200 Menschen über 64 Jahren vom Staat Geld aus der Grundsicherung erhalten, weil das Einkommen nicht für das Existenzminimum gereicht hat. Das ist die höchste Zahl seit Einführung der Statistik im Jahr 2003. Im Vergleich zu 2014 ergibt sich ein Zuwachs um gut drei Prozent. Verglichen mit  2010 beträgt der Anstieg 30 Prozent. Grundsicherung gilt als Maßstab für Altersarmut: Man bekommt sie nur, um das Notwendigste zum Leben abdecken zu können.

Ende 2015 waren 60 Prozent der Unterstützten Frauen. Auffällig ist, dass nicht erst der Umzug in ein Pflegeheim den Gang zum Sozialamt notwendig macht: Nur 14 Prozent der Hilfebezieher lebten im Heim. 80 Prozent dagegen lebten noch selbstständig und benötigten Grundsicherung, weil Altersrente und andere Bezüge zu niedrig waren. Fast jeder Dritte war zuvor bereits auf Arbeitslosengeld II, im Volksmund Hartz IV genannt, angewiesen und 16 Prozent auf  laufende Hilfe zum Lebensunterhalt.  Das zeigt: Arbeitslosigkeit oder Beschäftigung im Niedriglohnsektor führen in zunehmendem Maße zu Altersarmut.

Die  Schuldnerberatung „Lichtblick“ in Kiel weist daraufhin, dass immer noch nicht alle Anspruchsberechtigten Grundsicherung beantragen – aus Scham, weil man doch noch nie beim Sozialamt war, oder aus Angst, dass die Kinder zu Zahlungen herangezogen werden. Meist ist diese Angst aber unbegründet: Kinder sind erst ab einem Jahreseinkommen von 100000 Euro unterhaltspflichtig.

Kostenlose Schuldner- und Insolvenzberatung Kiel: 0431 2401227, www.siz-kiel.de

Für den DGB sollten die jüngsten Zahlen ein Aufruf für Politiker und Arbeitgeber sein, die Rentenreform in Angriff zu nehmen: „Der Sinkflug des Rentenniveaus muss gestoppt werden, sonst werden immer mehr Arbeitnehmer im Alter zum Sozialamt geschickt.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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