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Die letzten Tage sind gezählt

Gänsezucht Die letzten Tage sind gezählt

In Schleswig-Holstein werden in diesen Tagen die letzten Gänse von den Weideflächen geholt. Allein bei Lorenz Eskildsen, der mit der Marke „Dithmarscher Gans“ einer der großen Produzenten in Deutschland ist, wurden in diesem Jahr 187000 Gänseküken aufgezogen.

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Endspurt für die Gänsezüchter: In Schleswig-Holstein werden die Gänse von den Weideflächen geholt.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Gudendorf. Ob mit Äpfeln, Kastanien, oder Zwiebeln gefüllt: Der traditionelle Gänsebraten mit Rotkohl ist Favorit bei den Feinschmeckern im Herbst. Die Gans gilt nach Angaben der Landwirtschaftskammer als eines der wenigen rein saisonalen Gerichte in Deutschland. In Schleswig-Holstein werden in diesen Tagen die letzten Gänse von den Weideflächen geholt. Allein bei Lorenz Eskildsen, der mit der Marke „Dithmarscher Gans“ einer der großen Produzenten in Deutschland ist, wurden in diesem Jahr 187000 Gänseküken aufgezogen.

Eskildsen züchtet und hält heimische Arten, sagte Betriebsleiterin Svenia Paul. „Der erste Schlupf ist meistens Ende März, der letzte Ende August“. Weil die Vögel kein Kraftfutter bekommen, setzen sie nicht so schnell Fleisch an. „Sie grasen mindestens 16 Wochen im Freiland.“

21.000 Tonnen Gänsefleisch kamen aus dem Ausland

Von den 24.000 Tonnen Gänsefleisch, die im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft wurden, kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes knapp 21.000 Tonnen aus dem Ausland - die meisten aus Intensivhaltung in Polen und Ungarn. Lediglich 2950 Tonnen kamen aus heimischer Produktion. Der Hauptgrund für den großen Importanteil ist der Preis, vermutet die Betriebsleiterin. Gefrorene Import-Gänse werden in Supermärkten schon ab vier Euro pro Kilogramm angeboten. Frische Gänse aus artgerechter, bäuerlicher Freilandhaltung sind drei bis vier Mal so teuer.

Im Ausland können die Gänse nach Angaben der Tierschutz Stiftung „Vier Pfoten“ wegen „Mehrfach-Verwertung“ so billig produziert werden. Das Gänsefleisch ist für jene Züchter kaum mehr als ein „Abfallprodukt“. Sie verdienen am so genannte Lebendraufen - also dem Rupfen der wertvollen Gänsedaunen und -federn bei lebendigem Leib. Die Vögel müssen die für sie sehr schmerzhafte Prozedur bis zu vier Mal in ihrem kurzen Leben erdulden.

Zwangsstopfen ist in Deutschland verboten

Den größten Profit bringt das in Deutschland verbotene Zwangsstopfen, das zur Erzeugung von Fettlebern erforderlich ist. Westeuropäische Gourmets zahlen Spitzenpreise für die fragwürdige Delikatesse, die der Rohstoff für feine Gänseleberpastete „Pâté de foie gras“ ist. Dafür werden die Gänse „gestopft“, also qualvoll zwangsernährt. Mehrmals täglich wird ihnen maschinell mit langen Stäben oder mit Druckluft ein Maisbrei in den Magen gepresst.

In Deutschland gehören Gänse jedoch nach Auffassung des „Bundesverbands Tierschutz“ zu den wenigen Tiere, die artgerecht gehalten werden. Sie leben meist in großen Gruppen mit ausreichend Auslauf auf Grünflächen bei relativ langen Mastzeiten. Beim Gänsebraten aus deutscher, bäuerlicher Freilandhaltung sind also gutes Gewissen und guter Geschmack vereinbar, sagte Svenia Paul.

dpa

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