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Flüchtlinge müssen wochenlang warten

Ärztliche Untersuchungen Flüchtlinge müssen wochenlang warten

Mediziner im Land schlagen Alarm: Bis zu vier Wochen und mehr müssten Flüchtlinge warten, bis sie das erste Mal von einem Arzt untersucht werden. „Und die Tendenz steigt noch“, warnte Dr. Hilmar Keppler, leitender Arzt in der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster.

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Ein falsches Wort kann das Vertrauen sofort zerstören: Ärztin Tatjana Malinin (43) im Patientengespräch.

Quelle: Frank Peter

Kiel/Neumünster.  „Ab Juni haben sich die Zahlen stationär als auch ambulant vervierfacht“, erklärte Alfred von Dollen, Geschäftsführer des Friedrich-Ebert-Krankenhauses in Neumünster. „Das ist mit den vorhandenen Strukturen vor allem in der zentralen Notaufnahme nicht zu bewältigen.“ Ab Oktober soll es nun eine neue ambulante Einheit für integrierte Versorgung in Neumünster geben, wo derzeit mehr als 5000 Flüchtlinge untergebracht sind. „Rund um die Uhr sind dann sechs Ärzte und zehn Pflegekräfte im Einsatz“, so von Dollen.

 In den nächsten Tagen werde es weitere Gespräche geben, um die ärztlichen Dienste noch besser zu koordinieren. „Auch so hoffen wir, die ärztliche Versorgung von Asylsuchenden verbessern zu können“, betonte Keppler. „Wir dürfen keine Ressourcen vergeuden und müssen optimal zusammenarbeiten.“

 „Alle Beteiligten arbeiten unter Hochdruck daran, die Wartezeiten zu verkürzen“, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums. In kleineren Unterkünften wie Rendsburg oder Kiel gehe es weitaus schneller. Dort brauche es im Schnitt nur wenige Tage bis zum ersten Medizincheck.

 Oliver Grieve, Sprecher des Uniklinikums Schleswig-Holstein, verweist auf die Erfolge: „Offenbar machen wir hier aber auch einiges richtig.“ Denn etliche andere Bundesländer hätten angefragt, wie man die Erstaufnahmeuntersuchung so gut gewährleistet bekommt. „In Rendsburg herrscht inzwischen wieder Normalbetrieb. Dort ist der Stau aufgelöst“, sagte Grieve. Weit über 100 Mitarbeiter des Kieler und Lübecker Klinikums sowie der Kieler Uni hätten im Sommer geholfen, Engpässe zu überwinden. „Aber wir können auch nicht hexen.“

 Angesichts der wachsenden Zahl von Patienten forderte Thorsten Döhring, Vize-Beauftragter für Flüchtlingsfragen, „schnellstmöglich“ die Einführung einer Gesundheitskarte für Flüchtlinge. „Zum Teil müssen die Betroffenen beschreiben, wie schlimm die Schmerzen sind, um zum Beispiel einen Behandlungsschein für einen Neurologen oder Chirurgen zu bekommen“, kritisierte Döhring.

 Unterdessen kamen am Abend die Regierungschefs der Länder im Kanzleramt zusammen. Unmittelbar vor dem Gipfel stellte der Bund eine Aufstockung seiner Finanzhilfen für die Länder in Aussicht. Im laufenden Jahr sollen zwei Milliarden Euro bereitgestellt werden — eine Verdoppelung der bisherigen Zusage. Im nächsten Jahr wolle der Bund seine Hilfe von den zuletzt zugesagten drei Milliarden Euro auf nunmehr „gut vier Milliarden Euro“ erhöhen, hieß es aus Verhandlungskreisen

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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Erstaufnahme
Foto: Arzthelferin Amelie Schumann (24) nimmt einem Syrer Blut ab, um den Impfstatus zu klären. Dolmetscher Sirwan Baban (46) hilft bei der Verständigung.

Es ist stickig und heiß. Dicht gedrängt warten Dutzende Flüchtlinge auf den Besuch beim Arzt. Beim Ärztlichen Dienst des DRK in der Erstaufnahme der Stadt Neumünster stehen die Menschen Schlange. Und trotzdem müssen sie oftmals Wochen auf einen termin beim Arzt warten.

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