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Hauptsache nicht noch ein Kitastreik

Schleswig-Holstein Hauptsache nicht noch ein Kitastreik

Neue Hoffnung in Sachen Kita-Streik: Die Schlichter haben einvernehmlich Erhöhungen für die Berufsgruppen im Sozial- und Erziehungsdienst der Kommunen vorgeschlagen. Ob die Tarifparteien sich auf diesen Vorschlag einigen werden, ist aber noch unklar.

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Jörg Bülow, Landesgeschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages, betonte, dass die Vorschläge der Schlichter den kommunalen Kitaträgern deutliche Mehrkosten bescheren würden.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Kiel. Die Arbeitgeber äußerten sich wohlwollend, bei den Gewerkschaften hielt sich der Optimismus in Grenzen. Währenddessen hoffen Elternvertreter vor allem darauf, dass die kommunalen Kitas nicht erneut bestreikt werden.

 Der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und der einstige Hannoveraner Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) hatten zuvor im bayerischen Bad Brückenau ihren Schlichterspruch vorgestellt. Kernpunkt ist, dass alle Berufsgruppen – von Kinderpflegern bis zu Sozialpädagogen – aufgewertet werden sollen. „Diese durchgängige Aufwertung, vor allem auch in der Behindertenhilfe, haben uns die Arbeitgeber bisher versagt. Der Schlichterspruch zeigt jetzt, dass unsere Forderung berechtigt war“, erklärte Frank Schischefsky, Sprecher von Verdi Nord.

 Die Beschäftigten sollten nach Meinung der Schlichter zwei bis 4,5 Prozent mehr erhalten. Allerdings würden nur in acht der 17 Entgeltgruppen die Werte angehoben. Die Steigerungen bei den Erzieherinnen mit Grundtätigkeit würden durchschnittlich 3,3 Prozent betragen. Die Beschäftigten würden zwischen 33 und 160 Euro im Monat mehr bekommen. „Der Grad der Berücksichtigung in den Entgeltstufen ist aber doch sehr unterschiedlich“, kritisierte GEW-Landesgeschäftsführer Bernd Schauer. So würde für die Erzieherinnen in der Endstufe eine deutliche Verbesserung vorgeschlagen, für die Sozialpädagogen hätte die GEW aber deutlich mehr gewünscht. Fazit für Schauer: „Das ist nicht der Triumphmarsch aus Aida, der durchs Kieler Gewerkschaftshaus hallt. Eher ’Don’t worry, be happy’.“

 Versöhnlicher fallen die Reaktionen auf der Seite der Arbeitgeber aus. „Wir begrüßen, dass ein Schlichterspruch vorgelegt worden ist, dem hoffentlich beide Verhandlungspartner zustimmen können“, sagte der Personaldezernent und Kämmerer der Stadt Kiel, Wolfgang Röttgers. Jörg Bülow, Landesgeschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages, betonte zwar, dass die Vorschläge der Schlichter den kommunalen Kitaträgern deutliche Mehrkosten bescheren würden. „Dennoch würden wir es im Sinne der Kinder und Eltern begrüßen, wenn dieser Tarifkonflikt damit beendet werden würde.“

 Ob das passiert, werden maßgeblich die 300 Streikdelegierten, die sich heute in Frankfurt am Main treffen, bestimmen. Morgen Abend sollen dann die Tarifverhandlungen wieder aufgenommen werden. Einigt man sich, könnten die Gewerkschaften die Urabstimmung einleiten. Gibt es keine Einigung, könnte erneut ein Streik anstehen. So oder so – bis zu einem Ende des Tarifkonflikts, der 240000 Beschäftigte betrifft, wird es noch einige Zeit dauern. Höhepunkt des Tarifstreits war ein vierwöchiger Streik im Mai.

 Elternvertreter hoffen, dass die Tarifparteien nun ohne weiteren Streik eine Lösung des Konflikts finden. „Der Vorschlag der Schlichter wäre für Eltern gerade noch akzeptabel, was die Gebührenerhöhung angeht. Schon jetzt zahlt man für einen Ganztagesplatz in der Krippe im Hamburger Rand 600 Euro plus Essensgeld. Das ist für viele junge Familie bereits an der Grenze des Machbaren “, erklärte die Vorsitzende der Landeselternvertretung, Judith Wiederhold. Gleichzeitig würden die Eltern sehen, dass die Erziehungsberufe dringend aufgewertet werden müssen. „Schon jetzt spüren wir in den Kitas den Fachkräftemangel, wir brauchen dringend mehr gut ausgebildetes Personal. In dieser Hinsicht“, so fürchtet die Mutter eines Kita-Kindes, „ist der Schlichterspruch eher ein schwaches Signal.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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